Schmuckarbeiten in Gold und Silber.
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lichften Dinge. Sie folgt daher dem modifchen Gefchmacke, wie er von Frankreich ausgeht; ihn zu leiten und zu führen, felber neue Ideen zu geben, neue Bahnen zu zeigen, ift nicht ihre Sache. Die Schmuckarbeiten haben bei ihr eine folide Bafis, infofern als fie mit der Uhrenfabrikation in Verbindung ftehen, welche zur Decoration derfelben Techniker bedarf. Es fpielt daher auch in den Schweizer Schmuckarbeiten das gemalte Miniaturemail, wie es namentlich im XVIII. Jahrhundert Mode war, eine grofse Rolle. Auch fonft gehören die meiften Gegenftände der Art dem XVIII. Jahrhundert an, insbefondere dem Stil Louis XVI. Daneben macht fich auch der moderne Eklekticismus in höchft eigenthümlicher Weife bemerklich, indem den Gegenftänden felbft die entfprechende Bezeichnung des Stils ausdrücklich hinzugefügt ift. So lernen wir einen griechifchen, einen etruskifchen, einen ägyptifchen, einen affyrifchen Stil kennen, felbft einen amerikanifchen, der uns bis dahin unbekannt war und wohl erft in der Schweiz erfunden wurde. Man fieht, die Schweizer Induftrie weifs fich zu accommodiren. Alle Gegenftände find übrigens hübfch ausgeführt, Email und Gravirung, wie die verfchiedenen Farben des Goldes mit Gefchick behandelt.
Was den Schweizer Schmuck im Kleinen charakterifirt, das gilt von demenigen Deutfchlands im Grofsen. Die Schmuckinduftrie Deutfchlands, obwohl fie nur in einem Theile des Landes und an ganz beftimmten Orten, insbefondere in Hanau, Offenbach, Pforzheim, Schwäbisch Gmünd, Stuttgart ihren Sitz hat, ift in keiner Weife zu unterfchätzen. Sie arbeitet im Grofsen für den Export und umzieht die Welt; fie fucht das Bedürfnifs der Mode zu befriedigen, wie fie gleichzeitig felbft der Fabrikation des nationalen Schmuckes fich zu bemächtigen trachtet. Sie affimilirt fich dem Gefchmacke der verfchiedenen Länder wie dem Schönheitsgefühle des Inlandes.
Die künftlerifchen Leiftungen diefer Schmuckftädte waren allerdings bisher in keiner Weife bedeutend. Diefe Induftrie fuchte gleich der fchweizerifchen nichts zu erfinden, noch weniger neue Bahnen des Gefchmackes und der Kunft zu eröffnen. Sie folgte, wo fie fich nicht dem Landesgefchmacke anfchmiegte, lediglich dem Vorgange Frankreichs und erlaubte fich nur die Vorbilder, die fie von dort fich verfchaffte, beliebig zu verändern. Das Verfahren war ein nicht viel anderes als die gewöhnlichen Elemente, bald fo, bald fo, wie ein Kartenfpiel zu mifchen. Und viel anders ift es auch heute nicht, nur find eben beffere Elemente und beffere Motive, insbesondere durch die Imitation des antiken Schmuckes in diefen Kunftzweig eingedrungen.
So find die künftlerifchen Beftandtheile diefes deutfchen Schmuckes von dreierlei Art: erftens find es die oben gefchilderten Motive, die wir mit der Bezeichnung des Manfchettenftils zufammengefafst haben; zweitens find es naturaliftifche Ornamente von Blumen, Laub und Ranken, und die dritten Beftandtheile haben die Nachahmung oder Modernifirung des antiken Schmuckes hervorgerufen. Diefer letzteren gehören auch alle die Kettchengehänge an, die heute auch da beliebt find, wo fie nicht hingehören. Von diefen drei Beftandtheilen ift es insbefondere der letztere gewefen, welcher einerfeits die Technik durch die Einführung des Filigrans erweitert hat, andererfeits überhaupt, weil die Originale ganz andere Anforderungen ftellten, die ganze Arbeit verfeinert, man kann fagen, das ganze Genre gehoben hat.
Man muss das anerkennen, foviel man auch an dem, was uns die Weltausftellung von deutfchem Schmucke vor Augen führte, ausfetzen mag, fo fehr man Urfache hat, die wilde Vermifchung der verfchiedenartigen Motive, den Mangel an Originalität und Erfindung zu tadeln, fo fehr insbefondere dasjenige, was nach antiken Motiven gefchaffen wird, in jeder Beziehung hinter den Vorbildern zurückfteht. Man mufs einen relativen Fortfchritt zugeben fowohl in der Verfeinerung der Arbeit, wie insbefondere in der Erweiterung der Technik. Diefe hat nunmehr aufser dem bereits erwähnten, wenn auch in fparfamer Anwendung ftehenden Filigran auch mannigfach das Email hereingezogen; fie verwendet