Schmuckarbeiten in Gold und Silber.
31 in Uebung fteht. Künftlerifch noch vorzüglicher waren die Goldfiligrane, meift Schmuckgegenftände, wie: Brochen, Ohrgehänge, Armbänder, die, in gefchnitz ter Elfenbeincaffette eine Garnitur bildend, fchon für den europäifchen Gebrauch beftimmt erfcheinen. Ihrer künftlerifchen Art nach beftehen fie aus Filigranfcheiben oder Platten, auf denen im freien Relief und in ganz freier natürlicher Bewegung ohne alle Spur chinefifcher Bizarrerie Vögel und andere Thiere fich bewegen. Die Goldfäden, aus denen fie gebildet worden, find von feinfter Art. Zuweilen find auch die Platten aus dem gelben Hornftoff eines beſtimmten Vogelfchnabels gefchnitten, mit Reliefs verziert und mit Filigran gefafst. Diefe in ihrer Art höchft vollendeten Arbeiten zeichneten fich auch durch ihre grofse Billigkeit aus. Sie hätten der Induſtrie jedes Landes Ehre gemacht; in der chinefifchen Abtheilung fcheinen fie vom Publicum faft unbeachtet geblieben zu fein. Was von den Schmuckgegenständen China's und Japans, fowie des übrigen Orients gilt, die vorragende, oft einzige Bedeutung des Filigrans, das kann man von Indien und feinem Schmucke nicht behaupten. Allerdings fpielt auch hier das Filigran eine grofse Rolle, und es gibt in diefer Art Arbeiten von Silber, zum Volksfchmucke gehörig, namentlich Armbänder und Halsgehänge, von höchfter Feinheit. Ebenfo fah man unter dem malayifchen Schmucke, wie er von Java und Sumatra in der holländifchen Abtheilung ausgeftellt war, Goldfiligrane von gröfster Vollendung, wenn auch barocker in der Form als die indifchen. Aber der übrige Schmuck, den uns Indien zur Ausftellung gebracht hatte, namentlich derjenige in Verbindung mit Email und Edelſteinen, obwohl kaum ein Stück erften Ranges darunter war, überwog an Bedeutung die Filigranarbeiten. Keine Nation vielleicht liebt den Schmuck wie die indifche, keine weifs ihn aber auch, felbft den unechten, fo effectvoll zu geftalten, keine fetzt die Steine gleich gefchickt zu prächtiger Decoration zufammen, keine übertrifft fie in der Behandlung des transparenten Emails. Wir haben allerdings nicht auf unferer Ausftellung, fondern zu London- Goldarbeiten gefehen, die in reizenden Arabesken mit verfchiedenfarbigem, translucidem Email verziert waren, von einer Schönheit fowohl der Arbeit, des Gefammteffectes, wie der einzelnen Schmelzfarben, dafs fie in allen diefen Beziehungen den fchönften Arbeiten der Renaiffance an die Seite gefetzt werden konnten. Aber auch unfere Ausstellung zeigte in diefer Beziehung manches Vorzügliche und Beachtenswerthe, z. B. Armbänder oder Halsbänder, aus grünemaillirten Goldfcheiben beftehend, in deren durchfichtigen Schmelz wieder die zierlichften Goldornamente mit Jägern und Jagdthieren, Bäumen und Laub eingefetzt waren. Diefe beiden Seiten des indifchen Goldfchmuckes, das Email und die Verwerthung der Steine, zeichnen denfelben vor allen übrigen nationalen Arbeiten derfelben Art aus und empfehlen ihn am meiſten der modernen Goldfchmiedekunft zur Beachtung. Eine dritte Seite ift die eigenthümliche Goldtaufchirung auf Stahl, die zwar meiftens bei anderen Gegenftänden, zumal Waffenftücken, angewendet, aber auch zu Schmuckgegenftänden benützt wird
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