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Die Goldschmiedekunst : (Arbeiten in Edelmetall und Edelstein) ; (Gruppe VII, Section 1) ; Bericht / von Jakob Falke
Entstehung
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III.

Schmuckarbeiten in Edelſteinen.

Im Eingange zu unferer Befprechung des Goldfchmuckes haben wir die wohl allgemein anerkannte Behauptung aufgeftellt, dafs diefe Arbeiten feit den Zeiten der Renaiffance bis auf unfere jüngften Tage einen ununterbrochenen Rückfchritt gemacht haben. Man kann von dem fpeciellen Juwelenfchmucke wohl nicht das Gleiche fagen. Wenigftens ift der kryftallinifche Schliff der Edelſteine, ihre Politur und damit ihr Glanz und Farbenfpiel, alfo ihre Wirkung unleugbar durch die Art ihrer Bearbeitung und Zurichtung in den letzten Jahrhunderten erhöht worden. Wir nehmen das überhaupt als eine Erhöhung ihres Werthes an, auch des künftlerifchen, da ja in diefem Glanze und Farbenfpiele überhaupt ihr eigentliches Wefen ruht.

Diefe Erhöhung und Vervollkommnung aber hat wieder eine andere Folge gehabt, deren Werth vielleicht zweifelhafter ift. Sie hat bewirkt, dafs die Steine, die fonft nur in Verbindung mit edlem Metalle und edler Arbeit auftraten und ein verzierendes Beiwerk waren, nunmehr felbftftändig und zur Hauptfache geworden find. Man fetzt fie für fich zufammen, fo dafs das Metall nur den Halt und die Verbindung abgibt und daher möglichft zu verfchwinden hat, oder fügt fie nicht um des Scheines, nicht um der gemeinſamen Wirkung willen in das Metall ein, fondern um den materiellen Werth zu erhöhen. Metallarbeit, Faffung haben alfo mehr oder minder ihre Bedeutung verloren. Die Kunft des Juweliers ift nach diefer Seite hin eine rohere geworden.

Ift diefes im Allgemeinen richtig, fo gilt es noch insbefondere in Bezug auf die Diamanten. Je mehr fich der Diamant in den letzten Jahrhunderten durch die künftliche, raffinirte Schleifung aus der Tafelform in den gefpitzten Brillanten verwandelt hat, je mehr dadurch fein Feuer, fein Farbenfpiel erhöht worden, je mehr ift feine Faffung in den Hintergrund gedrängt, man kann fagen, unficht­bar geworden. Statt der fchwarzen Folie im Goldkaften, die man ihm noch im XVI. Jahrhundert gab, feinen Glanz zu vermehren, ift heute die Regel, ihn mit fo wenig farblofem Silber wie möglich à jour, alfo durchfichtig, zu faffen. Stein an Stein gedrängt, das ist heute die Art. Nun mufs er aber doch irgendwie auch fo in der Zufammenftellung mit feines Gleichen beftimmte Form annehmen und irgend künftlerifche Figur erhalten, denn nur der Solitär vermag allen­falls in einfamer Gröfse fich felbft zu genügen. Wie diefs heute gefchieht, wie dennoch künftlerifche Geftaltung gemäfs dem Gefchmacke der Zeit an ihn heran­tritt, das konnte man auf unferer Weltausftellung in vollauf genügender Weife wahrnehmen.

In genügender Weife, fagen wir, denn in der That ift wohl noch keine Ausftellung fo reich und glänzend mit Brillantenfchmuck verfehen gewefen. Man hätte erwarten follen, dafs nach den zahlreichen Funden, die man insbefondere am Cap gemacht, der Diamant in Schätzung und Vorliebe gefunken fei. Aber eher das Gegentheil ift eingetreten. Den Schleifern in Amfterdam ift nur mehr Arbeit gekommen und mit vermehrter Arbeit ihr Lohn geftiegen. Das erneuerte Intereffe, welches jene Fundftätten diefem Steine zugewendet haben, hat auch der Vorliebe dafür erneuerten Schwung gegeben.