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Jakob Falke.
von Südafrika genannt. Aber diefe Gegenftände waren nicht das Einzige, was Hancock an Brillantfchmuck dem Publicum vor Augen zu führen hatte.
So grofs aber der materielle Werth von Hancock's Ausftellung war, fo wenig bedeutend war die Kunft, die an die Herſtellung diefer Schmuckarbeiten gewendet war. Prachtvolle Steine, prachtvolle Perlen, und unter den erfteren wie Diamanten, fo auch Amethyfte und Saphire von grofser Schönheit- das ift viel, aber es war eigentlich auch alles. Die Franzofen hatten felbft ihren naturaliftifchen Motiven nicht immer, aber doch meiftens noch Reiz und Gefälligkeit abzugewinnen gewufst; dem Engländer war das bei der gleichen Art nicht gelungen. In feinen natürlichen Rofen oder Aehren oder in dem veralteten Motiv der Schleifen und Bänder fah man wohl die Steine blitzen, aber man erkannte nicht mehr was Rofe, was Aehre, was Schleife fein follte. Auch diejenigen Gegenftände aus diefem Schmuck, insbefondere Diademe, welche nicht naturaliftifch gehalten waren, entbehrten doch einer klaren, beftimmten und fchönen Zeichnung, fo dafs fchliefslich der Effect, namentlich wenn der Schmuck auf dem Haupte fitzt, das er zieren foll, wohl blendend, aber unedel ausfällt. Zum beften in Bezug auf Zeichnung gehörte unter den Hancock'fchen oder Dudley'fchen Diademen eines, bei welchem die Spitzen mit länglichten Perlen gekrönt waren und ein anderes aus Korallen. Noch beffer war ein drittes Brillantdiadem mit fternartigem Motiv, das aber nicht zum Schmuck der genannten Dame gehörte.
Was dem Engländer fehlte, die gefällige Zeichnung, das war am meisten bei den Italienern zu finden. Vorragend bei den italienifchen Goldfchmieden war allerdings, wie wir gefehen haben, der eigentliche Goldfchmuck, aber auch die Juwelierarbeiten boten grofses Intereffe. Manches Stück war von höchft anfprechender und liebenswürdiger Compofition. Wir erinnern z. B. in der Collection von Twerembold in Turin an den ebenfo finnig wie decorativ hübfch componirten Kopffchmuck, die Nacht in der Geftalt eines geifselfchwingenden und fackeltragenden Genius, deffen Fackel von einem grofsen Diamanten ftrahlte, den andere Diamanten, die an zarten, kaum fichtbaren Goldfäden befeftigt waren. fternartig umgaben. Schon diefe Art, die Diamanten wie frei fchwebend und doch in federn der Bewegung auf der Schneide zarter Goldbänder zu befeftigen, ift ein fehr glücklicher Gedanke. Die italienifchen Juwelierarbeiten boten mehr dergleichen, was zum Nachdenken und zur Beachtung anregte, z. B. ein Solitär in fchwarz emaillirter Mufchel oder eine grofse Perle, die in einer Diamantmufchel fafs. Jenes Verfahren, die Diamanten getrennt auf der Schneide eines Goldbandes zu befeftigen, war befonders hübfch bei einem Halsbande angewendet, das aus gröfseren und kleineren, in diefer Weife mit Diamanten befetzten Sternen gebildet war. Auch in der Zufammenftellung verfchiedenfarbiger Steine zeigten die italienifchen Juwelierarbeiter gelungene Gegenftände. Sie machten überhaupt, obwohl fie nicht zahlreich waren und an materiellem Werthe hinter anderen zurückftanden, doch den Eindruck, dafs die Nation für folchen Schmuck eine natürliche Begabung befitzt und mit inftinctivem Gefühl in diefen Dingen fehr fein und forglich zu Werke geht.
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Was Italien feinem natürlichen Gefchick verdankte es bewährt diefes übrigens nicht auf allen Gebieten der Kunftinduftrie- das leiftete O efterreich mit bewufster Kunft. Wir nennen Oefterreich als den vierten Staat unter denjenigen, die mit ihrem Juwelengefchmeide das vorragende Intereffe auf der Weltausftellung erregten, wollen es damit aber keineswegs auf den vierten Rang ftellen. Stand feine Fabrikation in dem gewöhnlichen Goldfchmuck hinter derjenigen Deutſchlands zurück, fo erhob es fich dagegen weit in den eigentlichen Juwelierarbeiten.
Oefterreich hat auf diefem Gebiet auch noch feine Specialitäten, deren wir zuerft gedenken wollen. Das find die Granaten und die Opale. Jene freilich bei ihrem verhältnifsmäfsig geringen Preife vertreten nur ein ziemlich niederes