Schmuckarbeiten in Edelſtein.
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Genre; und fo war auch die Kunft, die an fie verwendet wurde, bisher eine ziemlich geringe. Die kleinen Steine wurden in Reihen zufammengeftellt oder umftanden in gedrängten Kreifen einen gröfseren, meift abgerundeten Stein, um fo durch die Maffe zu erfetzen, was dem einzelnen Stein an Kraft und Wirkung abging. Es konnte einem dabei die Wahrnehmung nicht entgehen, dafs der runde Schliff nicht glücklich ift und ein grofser runder Stein in der Mitte die Wirkung des Schmuckgegenftandes eher verringert, als erhöht. Viel hat fich feitdem der böhmifche Granatenfchmuck nicht geändert; doch konnte man auf der Ausstellung mit Befriedigung wahrnehmen, dafs die Gefchmacksreform, die heute überhaupt mit dem Schmuck begonnen hat, auch an ihm nicht vorübergeht. Viele Motive, die erft der jüngften Zeit angehören, namentlich Gehänge und antikifirende Formen laffen fich auch fchon bei den Granaten fehen. Wir nennen beifpielsweife die Arbeiten der Firma Neuftadt in Prag. Uebrigens find das Genre und feine künftlerifche Höhe überall ziemlich gleich.
Die zweite Specialität der öfterreichifchen Juwelen ift der Opal, mit feinem reizenden Farbenfpiel und feinem milden Glanze ein höchft edler Stein. Es ift wohl anerkannt, dafs die ungarifchen Fundftätten die fchönften und beften Beifpiele liefern. Es ift daher auch nur billig, dafs die öfterreichifche Juwelierkunft ihn in bevorzugter Weife verwerthet. Die Milde feines ganzen Wefens verlangt offenbar auch eine entsprechende zierliche Faffung und verhältnifsmässig zarte Umgebung, wenn er mit anderen Steinen in Verbindung tritt. Perlen entsprechen ihm am meiften. Soll er mit Diamanten zufammengeftellt werden, fo darf es nur fo gefchehen, dafs fie ihn fchmal und zierlich umrahmen; treten fie breiter, kräftiger auf, fo tödten fie ihn. Von folcher Art, wo die Verbindung ganz richtig in diefer mafsvollen Weife gehalten war, fah man vortreffliche Beiſpiele in einer fchönen Schmuckgarnitur mit ausgezeichneten länglichen Opalen in der Ausftellung der Wiener Juwelenfirma V. Meyer's Söhne. Als Specialität mit Opalfchmuck erfchien die ungarifche Firma von L. Goldfchmidt. Eine reiche Collection von Stirnbändern, Halsbändern, Brochen, Ohrgehängen, Armbändern. Ringen u. f. w. bot eine Fülle fchöner Steine und fchöner Gegenftände. Im Gan zen waren auch hier die richtigen Principien eingehalten, fowohl in der Faffung wie in der Zuſammenftellung. Nur hier und da war fehlgegriffen, fo z. B. wenn der Opal cameenartig gefchnitten und zu Reliefporträts verwendet wird. Sowohl das ifirende wechfelnde Farbenfpiel, wie die Weichheit und leichte Brechlichkeit laffen ihn dazu vollkommen ungeeignet erfcheinen.
Aber auch ohne diefe Specialitäten wäre Oefterreich fein Rang und fein Intereffe in Bezug auf den Juwelenfchmuck auf der Ausftellung gefichert gewefen. Nicht blos ein Ausfteller, wie bei England, fondern eine Reihe von Juwelieren führten uns Arbeiten vor Augen, die fich über das Gewöhnliche erhoben. Wir nennen: Kobeck& Aegidi, E. A. Köchert, E. Biedermann, Victor Meyer's Söhne, Grannichftädten und endlich H. Hartung. Zeigte uns die erftgenannte Firma den reichften Schmuck, fo möchten wir in Bezug auf edle und angemeffene Zeichnung an Köchert den Preis erkennen. Im Allgemeinen war in der Geftaltung diefer Bijouterien und namentlich der reichften der Naturalismus vorherrfchend, in der Art, dafs der ganze Schmuckgegenftand, z. B. das Diadem, einen einzigen Blüthenzweig oder einen Kranz bildete, fei es nun, daſs er ganz in Brillanten oder mit Hilfe anderer farbiger Steine, welche die Blüthen vorftellten, ausgeführt war. Diefes Motiv war befonders von Kobeck und Aegidi, fowie auch von Granichftädten geübt, bei jenen z. B. mit Rubinen unter Diamanten, bei Granichftädten in fehr zarter Weife zugleich mit Türkifen, welche einen Straufs Vergifsmeinnicht vorftellten. Man kann in diefem Falle fehr hübfche, zierliche, reizvolle Effecte erzielen, aber keine vollkommenen. Jene Arbeiten. vergeffen, dafs fie beftimmt find, einen anderen Gegenftand, den Frauenkopf zu verzieren, dafs fie ihn fchmücken, heben, verfchönern follen und dafs fie zu diefem Zwecke componirt fein müffen. Diefen Zweck fetzen fie aber aus den Augen,