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Waffen mit Ausnahme der Kriegswaffen (Gruppe VII, Section 3) ; Bericht ; Metallwaaren : (Gruppe VII, Section 4) ; Bericht ; Lampen- und Beleuchtungs-Apparate : Bericht / von Johann Newald, Director der k.k. Forstakad. in Mariabrunn / von Carl Haas, Broncewaaren-Fabrikant in Wien ; von Carl Cohn
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Metallwaaren.

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Sowohl Augofto Caftellani als fein Bruder Aleffandro halten die Tra­dition ihres Haufes unerfchütterlich feft und es find die Nachwirkungen ihrer bahnbrechenden Vorbilder auch fchon in den ftiliftifchen Beftrebungen anderer italienifcher Goldarbeiter zu erkennen. Augofto Caftellani ftellte unter Anderem nach im etruskifchen Stile gehaltenen Zeichnungen des Archäologen. Duca di Sermoneta, Schmuck und Dolchfcheiden aus, welche in wirklich bewun­dernswerther Weife fich den antiken Arbeiten diefer Art an die Seite ftellen können. Nicht minder vorzüglich hatte Aleffandro ausgeftellt. Seine Erzeugniffe find gröfstentheils von den Mufeen Europas erworben, um der jeweiligen localen Schmuckinduftrie als Mufter zu dienen. Darin finden wir die höchfte, aber ver­

diente Anerkennung.

Anerkennenswerth hielten fich in ähnlichem Streben die Goldfchmuck­Waaren Geraldini's in Rom und jene N. A. Belleza's.

In gewohnt tüchtiger nationaler Weife zeigte fich die Filigraninduftrie Italiens, namentlich Genna's; Emilio Forti und Salvo& figli waren die Hauptrepräfentanten.

Nur ift kein Fortfchritt zu bemerken und doch liefse fich auch hier noch viel durch reinere und ftilifirte Zeichnungen erreichen. Allerdings ftehen wir hier bei einer Technik, die im grofsen Ganzen beinahe die Vermittlung zur Hausinduftrie bildet, wie wir fie denn auch am national gefärbteften überall erkennen.

Das Wenige, was uns von Geräthen zu Geficht kam, zeigt handwerkmäfsig tüchtige Bearbeitung, allein keinen befonderen Gefchmack, fondern mehr die gewöhnlichen Handelsformen. So die galvanifirten Fabricate Giache's in Mailand oder die eigenthümliche echt füdliche Anfchauung, einem decorativen Zweck mit den oft naivften Mitteln gerecht zu werden. So z. B. Conti in Udine, welcher die häufig zu findenden, einfeitig ausgeführten Kirchen­ornamente Oberitaliens in einigen technifch ganz gut gefertigten Stücken vorführte. Was ift das aber für eine Gefäfsbildung, welche dreifeitig im Aufriffe, an einer Seite kunftvoll cifelirte Metallplatten und an den zwei anderen Seiten das fchnöde rohe Holzgerippe zeigt, auf welcher die täufchend contourirte Blechplatte der Vorderfeite mit Nägeln befeftigt wird. Und in diefer Art haben wir Vafen, Reliquiarien, Leuchter etc. behandelt gefehen.

Der Broncegufs ift wieder im lebhaften Betriebe. Zumeift im Hinblicke auf die Kunftfchätze des Landes und die Liebhaberei der Fremden find es Reproductionen italienifcher Kunftwerke.

Namentlich Venedig hat in der Ausftellung der Firma Michieli& Comp. ein reiches Contingent geliefert. Nur fchade, dafs das meifte fchon dem Kreife der fpäteften Renaiffance angehört. Ein grofses Monument der Campagna, Gott Vater auf der von den vier Evangeliften geftützten Weltkugel, war zugleich ein Mufter, bis zu welch' grofsartigen Aufgaben die Fabrik gerüftet ift. Zumeift jedoch waren Leuchter, Schreibzeuge, kleine und gröfsere Schüffeln und Becken vertreten. Einzelnes oft vorzüglich gelungen und wohlthuend in abgedämpftem Tone gehalten.

Udina Luigi in Venedig hatte Aehnliches geboten, nur waren die Abgüffe mit etwas zu wenig Sorgfalt in ihrer äufseren Erfcheinung gehalten. Dagegen waren von derfelben Firma gröfsere Büften und eine Vafe fo wie Candelaber vorhanden, welche in tüchtiger Weife vollendet waren. Noch forglofer behandelt war eine Figur eines ftürzenden Galliers von Antonio Lora in Vicenza. Als Gufs gut gelungen war für deffen äufsere Erfcheinung fo gut wie nichts gethan, und abfichtlich erwähnen wir diefes, denn das eigentlich verdienftlich gearbeitete Stück blieb dadurch ganz unbeachtet.

Das Gelungenfte an Schärfe des Guffes ohne weitere Nacharbeit, alfo direct aus der Form kommend, was überhaupt die Ausftellung bot, waren die von De Poli in Trevifo ausgeftellten Kirchenglocken. Die aufsen ange­