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Bautischlerei (Gruppe VIII, Section 1) : Bericht ; Möbel-Tischlerarbeiten (Gruppe VIII, Section 2) : Bericht ; Kork- und Korbflechter-Waaren (Gruppe VIII, Section 4 und 5) : Bericht / von Wilhelm Flattich / von Bernhard Ludwig / von Carl Kohn
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Wilhelm Flattich.

hat, weil es, abgefehen von anderen Vortheilen, auch das läftige Schwitzen der Glasfcheiben verhindert, als das Befte erkannt werden; zu wünfchen bliebe nur noch die Erfindung der zweckmäfsigften und vollkommenen fchützenden Anlage der nach innen aufgehenden Doppelfenfter und die gleichmässige Beftimmung folider Verfchlüffe, um der Schlofferinduftrie beſtimmte Anhaltspunkte zu geben.

Die Conftructionen der Thürflügel find in den verfchiedenen Ländern weniger verfchieden, als jene der Fenfterflügel; die gewöhnlichen Thüren bilden fich in allen Ländern aus Rahmen mit oder ohne angearbeiteten Profilen und ein­gefetzten Füllungen. Reichere Ausbildung erhält man durch vorftehende Profi­lirungen, welche am folideften als zweiter durchgehender Rabmen, häufig auch nur durch aufgenagelte Leiften gebildet wird.

Die Fufsböden theilen fich in Böden, welche aus einzelnen fchmalen Bret. chen von beliebiger Länge zufammengefetzt werden, und in folche aus Parquetten. Insbefondere die erftere Gattung, welche aus hartem oder weichem Holze gefertigt werden kann, hat die früher allerorts üblichen Fufsböden aus verleimten tannenen Tafeln mit Recht verdrängt, da die Einflüffe des Schwindens, wenn auch nicht ganz aufgehoben, fo doch vermindert werden.

Die Parquettenfabrication hätte durch die Bretchenböden ebenfalls Noth gelitten, wenn nicht der Luxus ihr anderfeits wieder aufgeholfen hätte, da die Bretchenböden billiger herzuftellen find.

Die Anforderung der Architektur in der inneren Ausftattung der Locale erfordert bei reicherer Ausbildung auch decorative Behandlung des Fufsbodens, wie der Wände und der Decken, welcher nur die Parquetteninduftrie nach­kommen kann.

Bei Parquetten unterfcheidet man maffive, das heifst folche aus vollem Holz zufammengeftemmt, und fournirte, das heifst folche, bei denen die Oberflächen nach beliebiger Zeichnung aus Fourniren von verfchiedenen oder gleichen Holzgattungen auf eine tannene zufammengeftemmte Tafel aufgeleimt werden.

Die Parquetten erfordern ftets eine befondere Zeichnung, bei ihnen wie bei der ganzen Bauinduftrie ift der Fortfchritt durch den Einfluss der Architektur deutlich fichtbar; man begnügt fich nicht mehr mit zufammengelegten Parquetten nach einem beliebigen Mufter, man verlangt Zeichnungen, welche der Decoration des Raumes entſprechen und mit Borduren paffend umrahmt werden. Die Menge der verfchiedenfarbigen Hölzer geftattet erfindungsreichen Männern den gröfsten Spielraum ihrer Phantasien.

Im Vorangeführten find die verfchiedenen Syfteme der Tifchlerarbeiten kurz zufammengeftellt, einerfeits um einen Standpunkt zu gewinnen, welcher als Bafis für die Beurtheilung der Ausftellungsgegenftände dienen kann, anderfeits um jene Lefer, welche mit der Kenntnifs der Tifchlertechnik weniger vertraut find, in diefelbe einzuführen, damit erkannt werde, welche Anfprüche an eine folide Bautifchlerei im Allgemeinen zu ftellen find und welche Vortheile fie bietet.

Es ift nicht zu verkennen, dafs Gebäude, welche mit folid und fauber aus. geführten Tifchlerarbeiten verfehen find, an Werth und Dauer ungemein gewinnen, während Gebäude, in welchen diefes Handwerk vernachläffigt ift, wie diefs leider nur zu häufig in Miethhäufern vorkommt, einem fchnellen Ruin entgegen gehen; hauptfächlich diefer Gefichtspunkt ift es, welcher die Wichtigkeit der Bautifchlerei vor Augen führt.

Am meiften betheiligt an der Ausstellung mit Gegenftänden der Bautifchlerei haben fich Oefterreich- Ungarn, Deutſchland, Schweden und Norwegen; dem ent­fprechend werden im Folgenden die ausgeftellten Gegenftände von Oefterreich­Ungarn, Deutfchland, Schweden und Norwegen in Betracht gezogen, woran fich ähnliche Gegenftände anderer Länder anfchliefsen follen.