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Die Steinwaaren (Gruppe IX, Section 1) : Bericht / von Heinrich Wolf
Entstehung
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Heinrich Wolf.

züglich reiner Arbeit vorftellte; durch F. Tainfy, successeur de A. J. Leclercq in Brüffel, welcher mehrere Kamine aus verfchiedenen Marmoren in ganz vorzüglicher Arbeit zu Preifen von 1000-6000 fl. brachte und durch Puiffant frères, mit seinen Kaminen von fine rouge Griotte. Gefimsanfätzen von Pierre du Namur, von Carrara blanc claire, combinirt mit Pierre du Namur, und Vafen aus letztgenanntem fchwarzen Marmor. Die Genannten erhielten die Verdienftmedaille.

Deutsches Reich.

In diefer Abtheilung( der Steinarbeiten für innere Hauseinrichtung und Decoration) waren aus dem Deutfchen Reiche nur wenige Firmen mit hervorragen­den Leiflungen auf dem Weltausftellungsplatze erſchienen.

In erfter Linie zu nennen find: Die Actiengefellfchaft zu Zöblitz im fächfifchen Erzgebirge, welche die dortigen vorzüglichen Serpentinlager einer höheren Verwerthung zuzuführen fucht. Die erzgebirgifchen Serpentine, welche in den kryftallinifchen Schiefern eingelagert find, in deren Fortfetzung längs der bayerifch- böhmifchen Grenze wieder ähnliche Serpentinlager in der Gegend bei Marienbad erfcheinen, eignen fich vorzüglich zur decorativen Ausftattung wegen ihrer leichteren Bearbeitung und ihrer guten Politurfähigkeit, fowie wegen ihres reicheren Farbenwechfels, welcher von Lichtlauchgrün bis in dunkles Stahlgrün mit den verfchiedenartigften Nuancirungen in Dunkelkirfchroth und Braun ver­läuft, und aufserdem durch die zahlreichen Granaten, welche der Grundmaffe ein­gelagert, in ihrer Zerfetzung als dunklere Flecken darin erfcheinen, und die den Effect, befonders in lichterer Grundmaffe erhöhen.

Die Ausstellungs- Objecte diefer Gefellſchaft beftanden in prachtvoller Ser­pentin Mofaik auf Vafen, Chatullen, Tifchen, dann in Kaminen, Meublements etc. Diefer Gefellfchaft wurde die Verdienftmedaille zuerkannt.

Die Gebrüder Pfifter in München hatten Kamine von Carrara, dann Fufs­bodenplatten aus Marmor von Spezzia und Port d'oro, dann von Prato in Tos­cana ausgeftellt, welche in den Hallen des Römifchen Bades zu Wien ihre Ver­wendung fanden. Es ward das Anerkennungsdiplom gewährt.

J. W. C. Reyer& Co. in Hamburg hatten Kamine und Tifchchen aus italie­nifchen und belgifchen Marmoren ausgeftellt, ebenfo Roth von Hamburg. Beiden wurde das Anerkennungsdiplom zuerkannt.

M. L. Schleicher in Berlin hatte eine nette, rein gearbeitete Collection von Alabaftervafen, Kaminen von Marmor, Port d'oro und aus Lumachello, dann. Säulen aus Marmorbreccien, Wafferbecken etc. ausgeftellt.

Vollkommen neu waren die von derfelben Firma mit Maſchinenfchnitt und Hobel erzeugten 4-5 Meter langen und 2-3 Centimeter breiten Marmorleiften, und dann Bilderrahmen, welche für Zimmerdecoration einen neuartigen, billigen Schmuck ermöglichen.

Wegen grofsem Vertrieb der Erzeugniffe und wegen diefer Einführung neuer Decorationsmittel wurde diefer Firma die Fortfchrittsmedaille zuerkannt.

Oefterreich.

und

Wenn wir von jenen currenten Bildhauer- und feineren Steinmetzarbeiten abfehen, wie fie die Votivtafeln und Denksteine unferer Friedhöfe zeigen die durch ein eigenthümliches Reglement vom Ausstellungsplatze ausgefchlof­fen waren, welches aber von Kundigen doch umgangen werden konnte, fo blieb für decorative Arbeiten in Stein nur ein fehr reducirtes Gebiet für uns in Oefterreich übrig, welches aber genügend gut vertreten war.