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Die Steinwaaren (Gruppe IX, Section 1) : Bericht / von Heinrich Wolf
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Steinwaaren.

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Erft fpäter ward diefer Sand unter der Decke des Schlieres( eines kalk­reichen Thones) durch Infiltration des Kalkgehaltes aus dem Schlier, der als Kalkfpath fich abfetzte, zu Sandftein gebunden, der dann dem kryftallinifchen Sandftein von Fontainebleau vollkommen gleicht. Das Bindemittel diefes Quarz­fandfteines, der Kalkfpath, reibt fich beim Mahlen fchneller ab und die fcharfen Quarzkörner treten, die Fruchtkörner beffer angreifend, ftärker hervor.

Diefe Eigenfchaften begründen die Beliebtheit diefes Materiales. Böhmen und das angrenzende Sachfen befitzen in dem unteren Quader­fandftein. welcher oft fehr kiefelreiche, fefte Lager enthält, fehr gut verwend­bares und für allerlei Mahlgüter zweckentfprechendes Material.

Ich mache bei diefer Gelegenheit die Mühlfteinfabrikantenauf den Quarzit­fandftein an der Bafis der böhmifchen Braunkohlenformation aufmerkfam, der fich zwifchen Eger und Teplitz an vielen Punkten findet und hinfichtlich feiner Härte den ungarifchen und franzöfifchen Süfswafferquarzen nahezu gleichkommt, denn diefer Braunkohlenquarzit( fo nennen ihn die Geologen) ift ebenfalls ein Product des am Grunde der tertiären Ablagerungen längs des Erzgebirges zufammen­gefchwemmten Quarzfandes, deffen Zwifchenräume hier nicht etwa durch Infiltra­tion von Kalk aus den Tagwäffern ausgefüllt find, fondern durch Infiltration der Kiefelfäure, welche in den zahlreichen Thermalwäffern aus der Tiefe empor kam, verftopft wurden und ihn zu einem feften Quarzit gebunden haben.

Als Schleif und Wetzsteine waren verwendet die rothen Sand­fteine der Vogefen und des Elfaffes, Böhmens und des Dnieftergebietes in Podolien; die Kreide und Eocenenfandfteine aus den Vorbergen der Weftalpen Italiens, der Schweiz, Vorarlbergs, der Oftalpen Oefterreichs ob und unter der Enns, und den Vorbergen der Karpathen bis nach Rumänien hinein.

In Smirgel und Smirgelwaaren prävalirte Deutſchland allein, da fich die Firma Pfung ft in Frankfurt a. M. den alleinigen Verkauf des Rohfmirgels von der Naxos- Union gefichert hat.

An der Ausftellung in diefer Abtheilung der Gruppe IX haben fich bethei­ligt und find hervorzuheben:

Amerika.

Herr J. E. Mitchell in Philadelphia hatte mit Mafchinen erzeugte Schleif-, Wetz- und Abziehfteine( Oelfteine) gebracht. Die Rohfteine find aus den verfchiedenen Staaten Amerika's. Sehr gute Steine find jene vom Whiteving am Lake Hurou und von Maffillon in Indiana, von Borea am Blake river. Heri Die vorgelegenen Schleiffteine hatten 03-07 Meter Durchmeffer. Mitchell erhielt ein Anerkennungsdiplom.

J. Mc. Dermott& Comp. von Cleveland, Ohio brachte eine grofse Anzahl gedrehter Schleiffteine für Trockenfchliff aus den verfchiedenften Geftei nen Amerika's. Diefer Firma ward die Verdienftmedaille zuerkannt.

England

war vertreten durch eine Firma, welche in der additionellen Ausftellung des Welthandels und in der allgemeinen englifchen Abtheilung feine Schärfungsfteine exponirte, und zwar Thomas Hazeon& Comp., welche die beften natürlichen Schärfungsmaterialien mit deren commerziellem Namen in Rohftücken und theil­weife bearbeitet vorführten. Wir fahen die Oelfteine von Wafhita in Arkanfas, feine, faft dichtweifse Quarzitfandfteine, die Oelfteine aus Canada, ganz ähnlicher Art, die perfifchen Steine, dann die türkifchen aus Klein­Afi en, die dunklen( rouge- bleu) und lichten( rouge- whit), die Steine aus Peru, aus Frankreich und Deutfchland. Die letzte Sorte befteht nach dem vor­

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