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Die Thonwaaren-Industrie (Gruppe IX, Section 2) : Bericht / von Emil Teirich
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Die Thonwaaren- Induftrie.

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entfaltet fich auf hellenifchem Boden und in Etrurien die Gefäfskunft zu einer herrlichen Blüthe und grofsen Verbreitung. Waren die erften Gefäfse fchon, wenn auch in roher Weife bemalt, fo zeigen fie auch in der Maffe felbft fich durch Wahl beftimmter Thonforten mit Abficht fchwächer oder intenfiver gefärbt, und war diefe charakteriftifche Farbe des Thones um fo leichter zu erhalten, als das angewandte Feuer beim Brennen der Gefäfse ein fehr fchwaches blieb.

So entstand eine Töpfervorftadt von Athen. Das geeignete Materiale wurde oft weit herbeigeholt und hochgefchätzt war der Thon vom Hügel Kolias. Alle Töpfererzeugniffe der Griechen zeichnen fich durch grofse, ganz auffallende Leichtigkeit aus, die fpäteren, als die griechifche Gefäfsbildnerei ihren Höhepunkt erreichte, auch durch befondere Politur und einen matten Glanz, der als Unter­fcheidungsmittel von den vielfach in den Handel gebrachten Imitationen, befon­dere Beachtung verdient.

Tragen fchon die älteften Gefäfse Spuren eines Henkelanfatzes, fo bemäch­tigt fich fpäter die Plaftik der Töpferei und beginnt mit der Decoration des plum­pen Gebildes. An den tyrhennifchen Vafen fchon tritt das plaftifche Ornament auf; bald folgt die Nachbildung von Thiergeftalten, es tritt ein Syftem in die Anordnung der Decoration und diefe plaftifche Töpferei erreicht um den Beginn unferer Zeitrechnung auf den griechifchen Infeln ihren Höhepunkt.

Die Einführung der damals fchon altbekannten Töpferfcheibe in die Thonwaaren- Induftrie der Hellenen hatte eine völlige Aenderung der Stilrich­tung in diefer Kunft zur Folge. Es verändert fich mit der vervollkommneten künftlerifchen Geſtaltung der Gefäfse aber auch deren Rohmaterial, es wird fein­körniger, dichter, es erhält glattere Oberflächen und einen ftärkeren Brand. Nun tritt auch fchon die Glafur hinzu und mit dem erhöhten künftlerifchen Werthe der Producte in Modellirung und Zeichnung geht Hand in Hand die Vervollkomm­nung der Technik durch Anwendung farbiger Glafuren, Engoben und fonftiger Kunftfertigkeiten. Das Streben nach Erzielung eines gleichförmigen Orangetones der gebrannten Waare führt zu den fchönften Folgen. Wir find nun der Zeitperiode nahe gerückt, in der die hellenifche Keramik ihren Höhepunkt erreichte. Ihr entftammen die herrlichen mit allem Aufwande der Technik ausgeführten Vafen und Amphoren, die unfere Sammlungen fchmücken und aus deren bilderreicher Decoration wir, wie in einem aufgefchlagenen Buche, die fchätzbarften Auffchlüffe über das antike Leben, über die Religion und Sitte der Griechen lefen.

Den älteren Gefäfsen mit fchwarzer Zeichnung auf rothem oder rothgelbem Grunde folgt zur Zeit des Höhepunktes diefer Kunft ein Umfchwung in der Anwen­dung der Glafur und Farbe, und es erfcheinen die Figuren nun hell, gewiffer­mafsen aus dem fchwarzen Grunde ausgefpart.

Parallel mit diefer Kunftrichtung der griechifchen Keramik lauft eine zweite, von der erfteren wefentlich verfchiedene, die Kunft der vielfarbigen Töpferei. Die glasartige Schmelzglafur wird erfetzt durch einen leicht flüffigen, bei geringer Erwärmung fchon auffchmelzbaren, lackartigen Ueberzug, der meift mehr oder weniger aus einem wachsähnlichen Körper und tingirenden Erdfarben beftanden zu haben fcheint, welche Compofition faft ausnahmsweife auf weifsem, durch einen Bolusüberzug gegebenen Grunde aufgetragen wurde.

Die intereffante Ausftellung Dänemarks zeigte moderne Nachbildungen aller diefer althellenifchen Gefäfsformen, oft von fehr gelungener Art; auch einige italienifche Thonwaaren- Fabrikanten haben fich hierin, freilich mit weit weniger Erfolg, verfucht.

Gleichzeitig in der Periode der Blüthe der hellenifchen Gefäfsbildnerei aus dem gebrannten Thone fehen wir diefes Rohmaterial immer häufiger zu decorativen Zwecken benützt und namentlich an Bauwerken aus nachperikleifcher Zeit finden wir gebranntes Bauornament, meift ähnlich bemalt wie die letztgenannten Vafen, in vielfacher Anwendung. Zuerft foll diefs in Korinth gefchehen fein. Aber nicht nur zur ornamental decorativen, fondern auch zur figuralen Plaftik wurde, wie