6
Dr. Emil Teirich.
fchon Eingangs erwähnt, die Terracotta damals verwendet. Farbige Terracotten fchmückten die Balken und fonftigen Theile des noch archaiftifchen Tempels von Metapont. Die Wände des Palaftes des Königs Maufolus in Halikarnaffus waren allerdings nur aus ungebranntem Ziegelmateriale ausgeführt, aber immer rein geglättet und wahrfcheinlich mit enkauftifchem Firnifs überzogen. Jedenfalls fand die polychrome Behandlung des gebrannten Bau ornamentes ftatt. Oft finden wir die glatten Glieder des Gefimswerkes, theils auf der Töpferfcheibe erzeugt, theils gezogen und mit Ergänzungsformen bemalt.
Semper nennt die Terracotta in ihrer häufigen Anwendung zur Bekleidung der Balken und Säulen fchon des griechifchen archaiftifchen Tempels, den eigentlichen Vermittler zwifchen dem alten und neuen Stile und leitet das korinthifche Steincapital geradezu aus dem Töpferftile ab.
Nach Italien gelangte die Kunft der vollendeten Töpferei aus Griechenland. Eine enorme Verbreitung wurde damit der Thonwaaren- Induftrie gegeben, denn das weltbeherrschende Rom trug diefe Technik nicht allein zurück wieder in den Orient, nach Kleinafien und Egypten, es verpflanzte fie bis an die Küfte der Nordfee, bis in die germanifchen Wälder. Die Töpferfcheibe gibt dem römifchen Gefäfse feine Grundform, aber der Plaftiker fetzt mit bildender Hand Henkel daran und ein Reliefornament, zu deffen rafcherer Herftellung er fpäter fich des gravirten Stempels, der auszudrückenden Form bedient.
Ift das Werk vollendet und foll es gebrannt werden, fo vergifst der Künftler felten, zuletzt noch feinen Namen der weichen Thonmaffe einzuprägen.
Glafur wird felten gegeben und fcheint nur wenig gelungen gewefen zu fein, aber der Luftre römifcher Waaren, wie jener der fogenannten famifchen Terracotta, ein reiner, rofenrother, warmer Farbenton, war prächtig und genügte. Auch hier findet fich Bemalung, doch nie ein Einbrennen derfelben. In der Stilrichtung folgt die römifche Töpferei den griechifchen Formen.
Aus frühefter Zeit datiren die römifchen Terracotten, welche dem Todtencult gewidmet waren.
Grofse, farkophagähnliche Afchenbehälter, Ampeln und Lampen, Thränenkrüge und Urnen finden fich faft in jedem der geöffneten römifchen Gräber; fonftige Terracotten, Darftellung aus dem Thierleben, Figuren und dergl. in vielen Exemplaren unter den ausgegrabenen Reften von Pompeji.
Unterdeffen hat der Ziegelbau fich völlig eingebürgert und der gebrannte, künftliche Stein fich feine dauernde und fpäter fo unendliche Wichtigkeit in der Baukunft gefichert. Die Conftruction der Gewölbe wurde neu erfunden, der Ziegel decorirt und mit ornamentalen Terracottaftücken vereint zu Bauzwecken verwendet.
Wo die, fiegreich an die Peripherie der damals gekannten Welt vordringenden römifchen Legionen vorübergehend oder dauernd Halt machten, wo eine römifche Colonie entftand, dorthin wurde auch die römifche Thonwaaren- Induftrie getragen und Ziegeleien gegründet, die das Material zur Befeftigung des verfchanzten Caftrums gaben.
So läfst fich beiſpielsweite die Entftehung der heutzutage gröfsten Ziegelei der Welt, der zu Inzersdorf am Wienerberge, auf die Epoche der Gründung Wiens als römifches Lager durch die Legionen pia, fidelis und gemina zurückführen. Mannigfaltige Gefäfse und römifche Ziegel werden jetzt noch alljährlich bei den fortfchreitenden Abgrabungen dort gefunden und tragen das Zeichen der genannten Legionen.
Es würde trotz der eingehaltenen fkizzenhaften Darftellungsweife dennoch zu weit führen, wollten wir hier, von den erften Anfängen beginnend, der Entwicklung und des Aufblühens der alten Thonwaaren- Induftrie bei anderen Culturvölkern ebenfo gedenken wie bei den hellenifchen und italienifchen.
Gewifs ift, dafs China fchon lange vor der claffifchen Zeit Thonfiguren mit Göttergeftalten modellirte und brannte, dann aber auch in der Gefäfsbildnerei