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Die Thonwaaren-Industrie (Gruppe IX, Section 2) : Bericht / von Emil Teirich
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Die Thonwaaren- Industrie.

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herr von Waitz'fche Bergwerks- Verwaltung in Hirfchberg bei Grofs­Almerode arbeitet wefentlich für den Bedarf der umliegenden Eifenwerke.

Die Stettiner Chamottefabrik früher Didier" hat unfere Aus­ftellung mit Chamottefteinen und Gasretorten befchickt, doch fteht ihr Fabricat den meiften vorgenannten Firmen an Dichte und Formung wohl zurück. Nament­lich letztere wollten uns durchaus nicht befriedigen. Die Anwendung derfelben, ihre Einmauerung u. f. w. war durch ein Modell im Grofsen verfinnlicht.

Die Fabrication der bekannten heffifchen Schmelztiegel war durch Gund­lach& Sohn aus Grofs- Almerode ziemlich ſpärlich vertreten und Gebrüder Gundlach eben dafelbft brachten eine Suite von Graphit- Schmelztiegeln, feuer­feften Steinen u. dergl. befter Qualität. Es bleibt zu bedauern, dafs ein fo aus­gedehnter Fabricationszweig fo fchlecht illuftrirt war. Zu Taufenden gehen die heffifchen Tiegel in die ganze Welt und weit übers Meer tragen fie den Ruhm ihrer Feuerbeftändigkeit. Ift auch der heffifche Tiegel heute fchon vielfach durch andere Fabricate, zum Theil von gröfserer Haltbarkeit, erfetzt, fo bildet er doch noch immer einen bedeutenden Induftriezweig in jener Gegend.

Die baierifche, fpeciell die Paffauer Schmelztiegel- und Chamotte- Induftrie vertrat die bekannte und mit Recht renommirte Firma von J Kaufmann in Hafnerzell, die fehr elegante Graphit- Schmelztiegel gröfserer Dimenfionen brachte. Paffauer Tiegel zählen zu den beften und gefuchteften ihrer Art.

G. Saxinger in Obernzell brachte gleichfalls ähnliche Tiegel zwar von minder gutem Ausfehen aber befter Qualität. Die Fabricate Saxinger's haben fich namentlich in Oefterreich in letzter Zeit rafch eingebürgert und haben zum Theile die von Kaufmann verdrängt.

Die weniger bedeutenden Fabriken von Schwandorf und der Fürften­berger Kaolingewerkfchaft waren gleichfalls vertreten, und zeigten einen, wenn auch etwas langfamen Fortfchritt in ihrem Gefchäftsbetriebe.

Deutfchland zählte in diefem Induftriezweige allein an zwanzig Aus­fteller, die zum Theil felbft für den aufsereuropäifchen Markt, und nicht felten für den Export nach Oefterreich in mehr oder minder hervorragender Weife arbeiten.

O efterreich felbft, fo reich an dazu geeignetem Materiale an dem eigentlich Deutfchland relativen Mangel leidet, zählt nur wenige Etabliffements, und zwar nur folche von geringerer Bedeutung, die wirklich brauchbares Materiale liefern. Die geologifche Reichsanftalt in Wien ftellte in ihrer verdienftlichen Sammlung nicht weniger als 82 Sorten feuerfeften Thones aus, mit denen nicht einmal die Reihe der bekannteften noch erfchöpft war. Steine für die höchften Temperaturen werden hier faft gar nicht erzeugt. Meift ift die Fabrication feuer­fefter Producte ein Appendix anderer, ähnlicher Induftrien, oder find die Hütten­werke genöthigt, fich ihren Bedarf felbft zu erzeugen.

Nichts deftoweniger ift auch hier im Allgemeinen der Fortfchritt in diefer Fabrication feit den letzten Jahren ein ganz unverkennbarer.

Mähren und Schlefien find, fo wenig auch noch die Durchforfchung diefer Kronländer nach feuerfeften Thonen vollendet ift, doch ziemlich reich an folchen, mehr oder minder trefflichen Lagern.

Eines der vorzüglichften Thonlager, das von Blanfko in Mähren, wird vor­züglich von der Graf Salm' fchen Gewerkschaft ausgebeutet. Der Thon von Blanfko wurde in Oefterreich fo ziemlich zuerft zu refractären Erzeugniffen angewendet und hat fich feit jener Zeit ein ganz vorzügliches Renommée erhalten. Der Betrieb der Gruben, welcher auf bergmännifchem Wege gefchieht, vermag nicht den Bedarf zu decken. Der gewonnene Thon, von befonderer Weifse und Reinheit, bleibt fo auch nach dem Brande. Sein Preis ift ein enorm hoher und koften 100 Pfund desfelben in Wien I fl. bis I fl. 20 kr. Mayer in Blanfko verarbeitet das gleiche Material zu feuerfeften Ziegeln.