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Die Thonwaaren-Industrie (Gruppe IX, Section 2) : Bericht / von Emil Teirich
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Dr. Emil Teirich.

comprimiren, während die modellirende, weiche menfchliche Hand ihm jeden Dichtigkeitsgrad zu geben vermag. Verfuche durch mechanifchen Schlag oder Stofs die Maffe zu comprimiren, find leider unferes Wiffens im Grofsen nicht ange­ftellt worden, wir glauben diefe müfsten zu günftigen Refultaten führen.

Als Zerkleinerungsmafchine hat der Steinbrecher in Verbindung mit einem Walzwerk in den meiften Fällen das alte Pochwerk, ja felbft den Kollergang über­flügelt und kommt nunmehr häufig zur Aufftellung.

Im Uebrigen ift das Verfahren der Mengung mittelft Kollergänge jenem im Thonfchneider meift vorzuziehen, die Trocknung der erzeugten Fabricate vor dem Brennen, ja das Formen auf geheizten Fufsböden ift in England häufig üblich, in Deutfchland, z. B. bei Kulmitz gleichfalls in der Einführung begriffen.

Das Brennen gefchieht dort in runden Steingut- Oefen, in Deutfchland neuerer Zeit in jenen von Hoffmann und den Gasöfen von Mentheim, welche wenigftens in der Grofsinduftrie fehr bald die alten runden oder länglichen Horizontalöfen verdrängen dürften.

GLASIRTE, NICHT GESINTERTE THONWAARE. Ordinäre Töpferwaare, glafirte Terracotten, Majolica, Fayencen und Steingut- Erzeugniffe.

Wieder mufs in vorhiftorifche Zeiten zurückgeblickt werden, will man den Gebrauch der Glafur als fchützenden Ueberzug oder als Mittel zur Decoration des gebrannten Thones verfolgen.

Auch hier werden wir in Egypten und Phönicien, jenen Wiegenländern unferer abendländifchen Cultur, die erften Denkmale der alten Anwendung und Kunftfertigkeit in den Grabftätten, in dem Schutte der Tempel und an den Wänden der Ruinen finden.

Eigenthümlich mag es erfcheinen, dafs die hellenifche Kunft fich diefes Decorationsmittel faft ganz entgehen liefs, während es im Orient von Kleinafien nach dem Weften hin in ftets ausgedehnterer Weife Verwendung und Ausbildung fand. Die aus ungebrannten Mauerziegeln hergeftellten Wände der Affyrer und Chaldäer waren mit glafirten Mofaikplatten geziert, ja oft ganz überzogen, Sarko­phagdeckel und figürliche Geftalten, Amulete und Götzenbilder finden fich oft mit einer Glafur überzogen, welche der ordinären, grauen Bleiglafur mit Kupfer­färbung im Wefentlichen identifch ift.

Allem Anfcheine nach war übrigens China auch den Egyptern in diefer Kunft vorausgeeilt, nicht allein der Zeit, fondern auch der Vollkommenheit nach, in der dort wie in Japan das Glafiren des Thones geübt worden war.

Wenig ift über die römifche und fpätgriechifche Glafurtechnik zu fagen. Sie blieb unvollkommen, wenig angewendet und kaum zu Kunftzwecken beachtet, nur den Zwecken der ordinärften Töpferei dienend. Vereinzelte Terracottaftücke, überzogen mit Bleiglafur, deuten allein auf Verwendung diefer Kunft in der Architektur. Erft im Mittelalter entwickelt fich diefer Kunftzweig zu fchöner Blüthe. Unterdeffen haben die Völker an der Nordküfte Afrikas und die Bewohner einiger Infeln des griechifchen Archipels die keramifchen Induftriezweige cultivirt und erftere bei ihrer Invafion nach Spanien im VIII. und fpäter wiederholt im XIII. Jahrhundert über diefes Land fammt ihren traditionellen Kunftformen gebracht.

Stets diente zur Bafis diefer maurifchen Gefätsbildnerei eine mürbe, mehr oder minder gefärbte, poröfe Grundmaffe, die bei relativ fchwachem Feuer gebrannt wurde und deren Ueberzug eine dicke, verfchieden gefärbte und durchfichtige Glafur von niedrigem Schmelzpunkt ift.