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Dr. Emil Teirich.
und eines bedeutenden technifchen Könnens. Die alten Handwerks- Bräuche wurden neu belebt, immer neue Verfahrungsweifen entdeckt und alle Kunftfertigkeit bis ins Feinfte und Letzte eingeübt und getrieben. Auch Robbia blieb bei der urfprünglich nur weifsen Glafur nicht ftehen, und bald trat er, als Cofimo von Medicis ihm die Decoration feines Schreibgemaches mit glafirten Thonplatten übertrug, an diefem allgemein bewunderten Werke mit färbigem Ueberzug der Platten hervor.
Die vielfachen Ausführungen Robbia's, meift Medaillons, Brunnen und dergl., mit naturaliftifch bunten Fruchtkränzen umrahmt, find zumeift erhalten und ein häufiger Schmuck unferer Muſeen.
Die Ausftellung zeigte uns die Weife des alten Italieners in einem trefflichen Majolicabrunnen aus der Inzersdorfer Fabrik bei Wien und in mehreren Medaillons bei Ginori und anderen Thonwaaren- Fabrikanten Italiens, unter denen Minghetti's Madonna und Farina's Toilettetifch am meiften in die Augen fielen.
Robbia's Familie empfing als Erbtheil feine künftliche Technik, die fie ängftlich durch ein Jahrhundert bewahrte, immer die gleiche Weife und Art des Grofsvaters beibehaltend.
Nach und nach aber verfchwindet die ftilgemäfse und befcheidene Behandlungsweife des Reliefs und der Farbe. Immer reicher wird die zu Gebote ftehende Farbenpalette. Die erfte Periode der eigentlichen echten Majolica ift von 1500 bis 1538 zu rechnen, bis 1574 blüht diefe Kunft unter Herzog Guidobaldo's II. Regierung und verfchwindet fpäter wieder vom italienifchen Boden faft ebenfo rafch als fie gekommen.
Der von der Mezzamajolica ftammende metallifche Glanz der glafirten Oberfläche verfchwindet zur Zeit der Blüthe diefer Kunft, die maurifch- fpanifche Decorationsweife macht der reinen, freien Formenwelt der Renaiffancezeit Raum, und nur Maeftro Gubbio verfolgt noch weiter die Kunft, Metallglanz hervorzubringen, in der er auch wirklich ungemein Vollkommenes leiftet. Zahlreiche franzöfifche und italienifche Teller und Vafen erinnerten im Induftriepalafte an diefe Specialität des alten Meifters.
So erfreut fich die Majolica bald allgemeiner Beliebtheit, entwickelt ihre Decorationsweife vom Ornament in das Figurale und vervollkommnet und variirt ihre Formen in dem Mafse, als der allgemeine Gebrauch folcher Gefäfse zunimmt. Die berühmten Künftlernamen Francesco Xanto, Orazio Fontana, Battifta Franco und Rafael dal Colle find mit diefer Technik unzertrennlich. Die allgemein als die gröfsten Kunftwerke ihrer Art betrachteten zwei Vafen in der Apotheke von Loretto find das gemeinfame Werk der drei Letztgenannten. Die Königin Chriſtine von Schweden wollte dafür bekanntlich das gleiche Gewicht in Gold bezahlen.
Der Stil der Majoliken geht aber allmälig in den Barockismus über, die Herzoge von Urbino verlieren das Intereffe an diefer Kunft, die folcher Protection nicht entbehren kann und fie verfällt. Form, Malerei und Technik finken gleichmäfsig, wenn auch die Erzeugung, welche fpäter fchon faft zur Maffenproduction wird, noch fortfchreitet.
Die Verfuche zu Neapel und zu Caftelli im XVII. Jahrhundert und die Beftrebungen zur Hebung diefer Kunft im Caftel Durante noch im XVIII. Jahrhundert blieben erfolglos.
Während die Majolica folche Phafen der Entwicklung, der Blüthe und des Verfalles in Italien durchläuft, hat fich diefe Kunftfertigkeit unter Franz I. nach Frankreich durch die Berufung eines Mitgliedes jener berühmten Robbiafamilie nach Paris verbreitet.
In Frankreich aber entwickelte fich die Technik der glafirten Thonwaare, wahrfcheinlich angeregt durch deutfche( Nürnberger) Vorbilder, um den Anfang des XVI. Jahrhunderts durch Bernhard Paliffy in einer ganz felbftftändigen