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Die Thonwaaren-Industrie (Gruppe IX, Section 2) : Bericht / von Emil Teirich
Entstehung
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Dr. Emil Teirich.

Wir fehen in dem richtig und mit Verſtändnifs angewandten Umdruckver­fahren das einzige Mittel, guten Muſtern, wahren künftlerifchen Leiftungen die nöthige Verbreitung zu verfchaffen, und damit dem noch fehr verwilderten Gefchmacke des grofsen Publicums bildend an die Hand zu gehen. Die billigfte Waare kann auf diefe Weife mit gutem Zierath verfehen werden.

Minton bringt diefsmal ein ganz neues Verfahren des Umdrukes von Metallplatten und ftellt einige, aber nur wenige, fehr gelungene Verfuche damit aus, welche namentlich die Präcifion der Contour und auch die Möglichkeit illuftriren, gröfsere Flächen folcherweife mit einer fatten Farbe überlegen zu können.

Die Fabrication der Wand- und Fufsboden Verkleidungsplatten ift in England zu einem Handelsartikel von einer in Deutfchland und Oefterreich . noch ganz ungekannten Bedeutung geworden. Kaum ein Haus, und fei es das geringfte und befcheidenfte in London, mag ganz eines folchen Schmuckes entbehren, faft kein Vorhaus oder Küche, die nicht ganz oder theilweife mit diefem fchönen, dauerhaften und fo reinlichen Materiale verkleidet wäre.

Von den in England derzeit erzeugten Platten, und nicht wenige Firmen befchäftigen fich damit, laffen fich drei Arten trennen, von denen eine, die Encauftic tiles, oder eingebrannten Ziegelfliefen zumeift aus einem oder mehreren durch die ganze Maffe gefärbten, fehr fein bearbeiteten Thonen auf trockenem oder naffem Wege erzeugt wird, indem man die vielfach gefärbten und deffinirten dünnen Thonfchichten neben einander auf eine Unterlage oder Zwifchenlage von gröberer aber nicht minder haltbarer Maffe bringt und mit diefer feft verbindet.

Solche Platten, die jede Abnützung vertragen, ohne ihre Deffinirung ein­zubüfsen und von ungemeiner Dauer find, bilden das Materiale für die schönen Mofaik- Fufsböden, denen man in England allenthalben begegnet, und die beim Bau des South- Kenfington- Mufeums und dem Parlamentsgebäude wohl in aus­gezeichneter Weife zur Verwendung gelangten.

Die Oberfläche folcher Platten bleibt zumeift unglafirt. Durch frittenden Feldfpath- Zufatz( cornifh ftone) wird eine befondere Verdichtung des Materiales erzielt, und gehen diefe Fabricate eigentlich bereits in die Gruppe des Stein­zeuges über, ohne dafs wir es uns verfagen dürften, fie in den Kreis unferer jetzigen Befprechung zu ziehen.

Die auf trockenem Wege erzeugten Platten werden mittelft Mafchinen geprefst und find in England zumeift Handfpindel- Preffen hiezu in Verwendung, in Deutfchland hydraulifche.

Die Schwierigkeiten, verfchiedenfarbige Thone mit einer Unterlage fo zu vereinen, dafs beim Brande kein Reifsen, keine Trennung erfolgt, und zugleich die Platten vollkommen eben und winkelig bleiben, ift von den englifchen Fabrikanten zumeift glänzend gelöft.

Eine andere Art von Verkleidungsplatten, ebenfo häufig wie die erften, aber zu anderen Zwecken verwendet, find die Platten mit Reliefs( Emboffed tiles). Hier wird der Charakter der echten Majolica und der Paliffywaare, die opake oder translucide Glafur auf modellirtem Thonkörper freilich nicht immer präcife gewahrt. Die Modellirung ift zudem nicht felten fchlecht. Sehr fchönen Effect machen jene eingeprefsten Platten, auf denen eine höchft dünnflüffige Glafur die Tiefen mit dunklerer Schattirung durch Zufammenfliefsen ausfüllt, und fo die Modellirung zur vollen Wirkung in ähnlicher Weife wie bei den bekannten Porzellan- Lichtbildern bringt.

Eine dritte Art endlich, die Majolica tiles, eigentliche Fayencen, werden auf trockenem oder naffem Wege aus möglichft weifsem Tone hergestellt, unter oder ober der Bleiglafur bemalt oder bedruckt.

unter.

Die gröfste Mannigfaltigkeit, die fchönften Zeichnungen finden wir hier­Meift ift es der orientalifche und fpeciell der perfiche Stil, in dem die