Die Thonwaaren- Induftrie.
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allerprächtigften Flächendecorationen namentlich von Minton Hollins gebracht
werden.
Mannigfaltig ift die Anwendung diefer Platten in neuefter Zeit auch in der Möbeltechnik fpeciell Englands und Frankreichs, in deffen Ausftellung wir eine ganze Reihe von zum Theil höchft glücklichen Anwendungen folcher Art fanden. Die Möbel von Cooper& Holt, Morant, Boyd& Blanford, dann Jackfon & Graham und Anderen feien hier beifpielsweife nur genannt.
Alle Principien einer richtigen Flächendecoration haben für die künftlerifche Behandlung der Fufsboden- und Wandverkleidungs Platten die vollfte Geltung. Die Wirkung des Plaftifchen durch Andeutung von Licht und Schatten ift demnach vor Allem zu vermeiden und dem Materiale volle Rechnung zu tragen, das hart und eben gedacht werden mufs. Ganz befonderes Gewicht ift in diefer Hinficht auf die Belagplatten der Fufsböden zu legen, nie dürfen diefe durch allzu grelle Farbengebung oder einen prononcirten Deffin aus ihrer doch mehr oder minder ftets untergeordneteren Lage hervorzutreten fcheinen.
Ein gleichfarbiger, in gebrochenen Thönen gehaltener Grund wird daher gerade hier am richtigften gewählt werden müffen und den Vortheil bieten, ein und diefelben Plattenmufter in verfchieden decorirten Räumen verwenden zu können, ohne deren Harmonie zu ftören. Nur in feltenen Fällen wird aus diefem Grund die Wiederholung eines und desfelben Deffins auf jeder Platte von guter Wirkung fein, es fei denn an Borduren oder bei Anordnung von Mittelrofetten. Immer aber mufs der ganzen Compofition die nöthige Ruhe gewahrt beiben. Anders wird natürlich die Wahl der Fufsboden- Bekleidung ausfallen, wenn es gilt, einen langen Corridor zu belegen oder den Boden eines Warmhaufes zu zieren. Anders auch wird die Bekleidung der Badftube zu wählen fein und noch ganz anders die Fliefen, beftimmt die Hausfaçade zu decoriren. Da es bei Behandlung von grofsen Flächen namentlich darauf ankommt, dafs deren Ornamentirung, von einer gewiffen Ferne aus gefehen, noch gut und einheitlich geftimmt in Wirkung bleibt, fo ift Grund und Zeichnung genau abzuwiegen und die Linien und Formen der letzteren derartig zu wählen, dafs in der Entfernung nicht gewiffe Theile der Zeichnung auf Koften anderer zurücktreten und verfchwinden.
Eine decorirte Platte, die, wenn für fich und in der Nähe betrachtet, eine ganz gefällige Deffinirung zeigt, kann ganz leicht bei Verwendung mit ihres Gleichen an gröfseren Flächen fich als ganz verfehlt in der Zeichnung zeigen. Diefs Alles tritt mehr noch an der Wand als auf dem Fufsboden zu Tage. Gewifs ift, dafs die meiften Fehler hiebei daraus entſtehen, dafs dem Ornament auf der Platte, oder auch nur an gewiffen hervorragenden Theilen desfelben, eine beſtimmte Richtung gegeben wird, die beim Aneinanderreihen der einzelnen Flächenelemente gewiffe Linien dem Auge vorfchreiben, denen zu folgen es unwiderftehlich genöthigt wird.
Wände mit ausgefprochener verticaler Streifung find ebenfo unangenehm und ftörend wie folche, an denen die Diagonalen mit allen Gegenftänden im Wohnraume fich kreuzen oder bei denen Horizontale das Auge nach einem Verfchwindungspunkt zu führen fuchen.
Im Allgemeinen genügt das Flachornament des Orientes, wie wir es nicht allein an den Wänden der alten Mofcheen und fonftigen Bauten angewendet finden, fondern wie es in gleich trefflicher und in unfere Induſtrie übertragbarer Weife an den textilen Erzeugniffen dort zu finden ift, den geftellten Anforderungen.
Die englifchen Fabrikanten haben diefs richtig erkannt und der orientalifche Stil, vor Allem das perfifche Ornament beherrscht zum grofsen Theile ihre FlächenDecorationsweife, während deutfche Fabriken in relativ fehr elenden Formenkram gerade in diefem Induftriezweige verfallen. Die Platten von Villeroy& Boch leiden manchmal unter der fchlechten Zeichnung ebenfo fehr wie faft alle jene von Frings aus der Sinziger Fabrik. Kommt hiezu noch der Uebelftand einer viel geringeren Präcifion bei Wiedergabe diefer an fich fchon werthloferen
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