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Die Thonwaaren-Industrie (Gruppe IX, Section 2) : Bericht / von Emil Teirich
Entstehung
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Dr. Emil Teirich.

einer durchfichtigen Bleiglafur gedeckt wird; doch find auch Begufsöfen und emaillirte Kacheln im Gebrauche. Das Materiale zu den feineren, weifsen Fayence­öfen liefern vorzüglich die Gruben von Högenäs, jenes für Begufs- und Email­kacheln die von Upfala, wo ein fehr kalkhaltiger, eifenfchüffiger Thon( Mergel) hiezu Verwendung findet.

Holland und die Niederlande machen gleich Spanien, den aus­gedehnteften Gebrauch von glafirten Thonkacheln oder Fliefen zur Wand- und Bodendecoration. Hier hat fich die alte Delfter Glafur techniſch bis auf die neuefte Zeit erhalten, wenn auch jede ihrer guten Kunfttraditionen verloren gegangen ift. Die Decoration aller diefer Wandverkleidungs- Platten ift äufserft roh und ftillos. Dabei gebietet diefe Fabrication blofs über eine ganz geringe und matte Farben­fcala. Die technifchen Unvollkommenheiten erklären fich zum gröfsten Theile aus der geringen Sorgfalt, mit der gewöhnliche Töpfer folche Platten herftellen, und den niedrigen Preifen, zu denen fie verkauft werden. So koften Ravenftein's Platten mit ihrer allerdings unangenehmen, braunvioletten Decoration 8 bis 12 Cents das Stück von 125 Millimeter im Quadrat; die weifsen Platten, von de Lint gebracht( Tegeltjes genannt), bei variablen Gröfsen von 130 bis 225 Millimeter im Quadrat 37 bis 45 fl. per Taufend; die von L. Viffer bei 170 Millimeter im Quadrat koften ungefähr dasfelbe.

Die Grundmaffe aller diefer Wandverkleidungs- Platten ift ein fandiger Mergelthon, der fich fchwach gelblich brennt und fehr hart und feft wird. Die nach­folgend verzeichneten Sorten find die gangbarften; die in holländifchen Gulden angegebenen Preife gelten per 1000 Stück. Witte Muurtegeltjes 130 Millimeter im Quadrat koften 10 bis 30fl. Diefe fchön weifsen Wandverkleidungs- Platten, von denen auch eine grössere und befte Sorte mit den Dimenfionen von 190 X 130 Millimeter und 10 Millimeter Dicke zum Preife von 45 fl. erzeugt wird, find durchwegs ungefchliffen und an den Kanten abgefafst. Häufiger als diefe finden wir aber diverfe gefchilderte zum Preife von 40 fl. bei einer Gröfse von 130 Millimeter in Verwendung. Sie tragen meift einen weifsen Grund, auf dem mit einer einzigen Farbe diverfe plumpe Verzierungen kunftlos mit freier Hand gemalt find. Aehnlich diefer Sorte find dann die Paar'fchen landfchapte Tegeltjes, welche gewöhnlich violette oder blaue, mit wenigen Strichen in conventioneller Weife behandelte Landfchaftsbildchen tragen. Auch diefe find Handmalerei. Bruin gemarmerde koften 35 fl. und imitiren recht gut einen braunen Marmor; befonders beliebt aber find Schilpad Tegeltjes zum Preife von 32 fl., tiefbraun, fchildpattartig gemustert. Wie fchon erwähnt, ift die Malerei auf diefen Platten durchgehends mit der freien Hand erzeugt; P. W. van de Weijer in Utrecht ftellte dagegen folche aus, an denen das Umdruckverfahren vom lithographifchen Stein, von der Kupfer­platte oder von einer Hochätzung in fehr primitiver Weife verfucht wird. Im grofsen Ganzen findet diefes mechanifche Decorationsverfahren bis jetzt nur wenige und unvollkommene Verwendung felbft in dem grofsen Etabliffement der Gebrüder Raveftein in Utrecht, welche alljährlich einige Millionen folcher Tegeltjes erzeugen.

Kleine Platten werden noch billiger hergeftellt; alle find aber haarriffefrei, nicht gefchwunden, und geben ein fehr brauchbares Materiale ab.

Hat die Schweiz auch keine Thonwaaren- Induftrie von hervorragenderer Bedeutung heute mehr aufzuweifen, fo wäre doch Gelegenheit gewefen, wenigftens die guten Ofenkacheln zu zeigen, welche mitunter von vorzüglicher Schönheit, beispielsweise an den Ufern des Zürcher Sees, dann aber auch in der Weftfchweiz erzeugt werden.

Von All' dem hat die Schweiz nichts gefandt, und nur die bekannte Firma Ziegler in Schaffhaufen ftellte ihr dunkelbraun glafirtes Kochgefchirr befter Qualität aus. Das Gefchäft ift ein bedeutendes und verforgt einen grofsen Theil