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Die Thonwaaren-Industrie (Gruppe IX, Section 2) : Bericht / von Emil Teirich
Entstehung
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59
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Die Thonwaaren- Induſtrie.

59 reich durchbrochenes Thongefchirr mit mannigfacher aufgelegter plaftifcher Ver­Diefe Gefäfse dienen theils zum zierung, wie Blumen, Rofetten, Knöpfchen etc. Schmucke des Wohnraumes, haben aber auch als Kohlenbecken, für Verflüchtigung von Parfums u. f. f. ihre praktiſche Verwendbarkeit. Diefe, fowie die rothen Bauerngefäfse von Eftremadura, welche mitunter ganz gute Formen tragen und mit einer höchft dünnen Bleiglafur überzogen find, hat unfer öfterreichifches Muſeum erworben.

Portugal, deffen Auftrefen auf der Ausftellung überhaupt ein ganz würdiges und anerkennenswerthes war, hat auch von feiner modernen Fayence- Induftrie Proben gefandt, die wir vor allem bei J. Barlou aus Liffabon fanden. Angefichts der wirklich lobenswerthen Leiftungen von Baftos in der Porzellantechnik ver­ftimmt Barlou's Fabrication durch elende Formgebung. Die Fabrik ift eine der bedeutenderen, gute Mufter werden durch den englifchen und franzöfifchen Import ftets vor Augen geführt, und doch nicht zum Vorbild genommen. Die gemalten fowie die bedruckten Fayencen, meift currente Marktwaare, waren doch fehr bedenklich fchlimm decorirt.

Mehr Intereffe erweckten Mafra's nationale Fayencen von Caldas und deffen Paliffywaaren, welche mit guter Glafur verfehen, nur in der Farbe etwas roh erfchienen. Ein grofser Fifchkorb und einige andere Stücke der übrigens ziemlich reichhaltigen Ausftellung des Fabrikanten waren ganz verdienftliche Lei­ftungen. Hier trafen wir auch wieder die bekannten Stiergeftalten, die zu Taufenden auf den Märkten von Liffabon verkauft werden, alle nach demfelben Typus modellirt und meift mit einer fchwarzbraunen Bleiglafur überzogen. Das urfprüngliche Modell diefes jetzt typifch gewordenen nationalen Symbols ift unftreitig auf römifche Broncen zurückzuführen.

Eine eigenthümliche Thonwaaren- Induftrie ift jene, welche in Porto im grofsen Mafsftabe geübt wird und ihre Erzeugniffe im ganzen Lande vertheilt. Es ift diefs die Fabrication kleiner Thonfigürchen im Nationalcoftüme, die oft recht gut modellirt, gebrannt und fchliefslich mit Lackfarben bunt bemalt find. Eine Actiengefellfchaft unter der Direction von Antonio Bafto ftellte diefe netten, oft recht gelungenen und charakteriftifchen Figürchen aus, die in ganz unglaublichen Quantitäten zum Preife von 2 bis 4 fl. per Stück auf den Markt kommen.

Auch von fonftigen nationalen Töpfergefchirren hatte Portugal Proben gefandt, unter denen wir das mattfchwarze, oft fehr fchön geformte Gefchirr mit einem flüchtig eingravirten Ornamente hervorheben, an dem geradezu antike Profile zu entdecken waren. Es ftammt aus Gaia und ähnelt in ganz auffallender Weife den fchwarzen, mit glänzendem Ornamente gefchmückten Erzeugniffen der bäuerlichen Induftrie von Klaufenburg in Siebenbürgen.

Manche andere Gefäfse aus der Gegend von Porto erfreuen durch ihre originelle Profilirung, ihre fpecififche Farbengebung, worunter namentlich wieder eine braunroth glafirte Sorte von Bauerngefchirr auffällt, das in Evora gebraucht wird.

Nicht ganz vollständig haben die Länder des Orientes ausgeftellt.

Die perfifchen Fayencen und die von denfelben beeinflussten rhodifchen Waaren moderner Manufactur fehlten in der verdienftlichen Collection der Gebrüder Ziegler in Tabris. Es wäre eben intereffant und wünſchenswerth gewefen, folche Fayencen, die heute die Motive zu den beften Ausführungen noch abgeben, welche nur ein Minton, Deck oder Collinot auf der Ausstellung vor­führten, neben diefelben zu ftellen. Es würde fich bei aller den Orientalen eigen­thümlichen Gefchicklichkeit in der Behandlung der Flächenverzierung zeigen, um wie viel weiter zum Theile wenigftens unfere Künftler die dem Orient und ſpeciell perfifchen Stile entnommenen Motive aus- und durchgebildet haben.