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Die Thonwaaren-Industrie (Gruppe IX, Section 2) : Bericht / von Emil Teirich
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Dr. Emil Teirich.

Leider reichen die heutigen Arbeiten der Perfer eben nicht an jene viel­bewunderten der vorigen Jahrhunderte mehr heran. Eine dauernde politifche und finanzielle Mifswirthschaft nicht wenig aber auch ein fchlechter europäiſcher Einflufs haben den guten, alten Stamm heimifcher Werkleute in feiner Fortbil­dung geftört, in falfche Bahnen gedrängt. Die herrlichen decorativen Arbeiten der berühmten Mofcheen bleiben unvollendet oder verfallen, das Können fowohl als die Luft zu ähnlichen Arbeiten ift gröfstentheils gefchwunden.

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Heute ift Kafchan noch der Sitz einer beachtenswerthen Thonwaaren. Induftrie, die aber nur wenig mehr für den Export zu fchaffen hat.

Ein befferes Bild von einer heimifchen Induſtrie gab nur die ziemlich reichhaltige Sammlung von Gefchirren indifchen Urfprunges. Theils find die ausgeftellt gewefenen Stücke Eigenthum des India- Muſeums in London, wie wir fie bereits auf der Expofition von 1871 kennen gelernt haben, theils find diefe von den einzelnen Landescomités zufammengetragen oder von heimifchen Arbeitern über der Letzteren Anregung eingefandt worden.

Faft alle unter diefen zierlich geformten, mit feinen Profillinien umfäumten Gefäfse verrathen ihren gemeinſamen Urfprung aus der Metallotechnik, die in Indien von Alters her eine fo eminente Ausbildung und Bedeutung erlangt hat. Ihr find die fchön gefchwungenen, leicht zerbrechlichen Henkel der Gefäfse, die langen, dünnen Hälfe der Krüge entnommen, ja felbft das hie und da gemalte Ornament erinnert an die Motive, welche wir an den taufchirten Silberarbeiten Indiens in vollendeterer Weife durchgebildet finden.

Wenn die hier fkizzirten hervorragenden Eigenfchaften der indifchen Poterien nicht fo ganz in die Augen fpringend an manchen der ausgeftellten Gegenftände erfichtlich waren, fo liegt diefs zu nicht geringem Theil an einer Cor­ruption und einem Verfall des indifchen Handwerkes, der in den letzten Jahren ganz unleugbar gerade die civilifirten Theile des Landes durchfeucht hat.

Dem entgegenzuwirken und in fehr richtiger Würdigung des unfchätz­baren Reichthums, der in der nationalen Hausinduftrie des Orientes geborgen liegt, hat die englifche Regierung durch Entfendung des Directors Hunter und Gründung der Madras fchool of Arts gefucht, deren Hauptaufgabe in der Heranbildung eingeborner Jünglinge zum Kunft- Handwerke befteht. Die erzielten Refultate find, dank der überaus eifrigen Bemühungen des leitenden Directors bereits vollſtändig befriedigende. Eine Sammlung guter Modelle ift angelegt, ein­geborne Lehrmeifter find herangebildet worden und die vom Madras Committee ausgeftellten Arbeiten der Zöglinge erweifen mitunter recht tüch­tige Leiftungen. Das Streben nach Erhaltung altindifcher Kunftdenkmale führte fo zur Nachbildung der Ornamentik alter Hindutempel durch die genannte Schule in Terracotta und war von folchen Ornamenten eine Anzahl zur Anficht gebracht.

Aufser diefen waren fchön gezierte Alkarazas und andere Gefäfse ausgeftellt. Mancherlei glafirte Gefäfse, die recht gut den indifchen Charakter ver­deutlichten, dann fchön durchbrochene Fenftergitter( Moncharabie genannt), dann einige Fliefen, brachte das North Weft Provinces Local Committee. Alle diefe Poterien, meift aus der Umgebung von Umroha ftammend, find zweifärbig und zwar gelb und braun oder blaugrün und weifs glafirt. Die Farben find meift fehr brillant, zum Theile jedoch voll von Haarriffen; die Modellirung mitunter weniger fein als an anderen indifchen Arbeiten.

Eine Collection ordinären, nationalen Kochgefchirres und diverfer Gefäfse, beftimmt zu einem für uns mitunter fchwer verftändlichen Hausgebrauch, rührten von fünf heimifchen Töpfern aus Scind, Haiderabad und Kurrachee her, den bekannten Poteriediftricten Indiens. Sie repräfentirten die marktgängige Waare. Es find diefs gelbglafirte, mit Weifs decorirte Fenftergitter, perfifchblaue, violette und blaugrüne, leicht und flüchtig bemalte Gefäfse. Das Deffin ordnet fich aus Blumen und Rofetten meift fymmetrifch an.