Die Thonwaaren- Induftrie.
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Aehnliche fchwarze Pfeifenköpfe fanden wir in der Sammlung von Mehmed Effendi aus Bagdad und fchön gearbeitete fchwarze mit eingelegtem Silberornament von Mustapha in Adrianopel, reich vergoldete, befonders grofse Köpfe von Hamdi Effendi in Conftantinopel ausgeftellt.
Häufig genug werden übrigens auch glafirte Pfeifenköpfe erzeugt. Meift find folche dann grün oder gelb wie jene von Anaftafe in Diarbekir, der namentlich Nargilehs in fchöner Blumenform brachte.
Hat auch der Tfchibukkopf im Wefentlichen feine Form beibehalten, fo variiren die Modelle doch in einer ganz mannigfaltigen Weife und find theilweife wirklich recht gefchmakvoll aus geführt.
Die Preife aller diefer Fabricate find in den letzten Jahren übrigens enorm geftiegen und ift die Fabrication als folche in keiner Weife eigentlich fortgefchritten.
Was die Türkei an Thonwaaren ausftellte, gab ein lebhaft buntes kaleidofkopifches Bild, ein farbiges Durcheinander, dem von vorne herein die fachkundige, ordnende Hand fehlte. Durch den Mangel eines Specialkataloges, der durch die geradezu unverftändliche Form noch verfchärft wurde, in welcher der türkifche Generalkatalog abgefafst ift, ging für das grofse Publicum der Werth des Ausgeftellten faft verloren. Nicht Jedermann findet Zeit, tagelang ordnend unter den Hunderten von Ausftellern herumzukramen, von denen viele nur ein einziges Gefäfs ohne irgend eine Befchreibung oder nähere Bezeichnung eingefandt haben. Wir haben doch nachgerade genug Weltausftellungen erlebt, um folch' grobe, principielle Fehler vermeiden zu können.
Roher und plumper noch als die türkifchen Poterien ift das wenige von den verfchiedenften Seiten zufammengetragene tunefifche Gefchirr, das fich in der Collectivausftellung von Morpurgo vorfand. Zumeift waren es unglafirte, aber auch ganz fchmucklofe, flafchenförmige Gefäfse, eine Art Alkarazas, zur Wafferkühlung beftimmt. aus einem dichten, gelblichweifsen Thon. Glafirt waren in der kunftlofeften Weife einige originell geformte, hochhalfige Oellampen. Die Glafur felbft ift eine dunkel kupfergrüne. Einige wenige und äufserft primitiv gehaltene Fliefen liefsen kaum eine gewiffe Compofition des aufgemalten Ornamentes erkennen, und waren fo in ihrer Art ziemlich das wenigft Gute auf der ganzen Ausftellung. Von weit mehr Form- und Farbenfinn zeugten dagegen Viele die, von mehreren Ausftellern herrührenden Gefäfse aus Marokko. derfelben waren fchüffel- oder vafenförmige Prunkgefchirre in buntefter Weife, aber oft nicht ohne eine beffere Gefchmacksrichtung emaillirt. Die grellroth, grün, blau und gelb auf weifsem, engobirtem Grunde gemalten Deffins waren grofsentheils Flachornament und fcheinen der textilen Kunft, dem Teppich, entnommen zu fein. Die deckende Glafur war fehr glänzend und gut gefloffen. Wie fchon erwähnt, boten diefe Gefäfse einiges Intereffe und differiren völlig von allen übrigen, vom Oriente gebrachten Poterien. An ihnen war, wenn auch mitunter arg verfehlt, noch. hie und da die Linienführung der Antike zu verfolgen, deren Formen eigenthümlicher Weife ganz ohne Einfluss auf die türkifche Töpferkunft geblieben find.
Noch mehr nahm es Wunder, unter dem Wenigen, was Griechenland fandte, fo felten Reminifcenzen an die Töpferkunft der Antike zu finden. Nur ein Ausfteller, Carmine Botazas, ein Töpfer aus Korfu, brachte einige meift vafenförmige, zwar roh, aber nach guten Schablonen geformte Gefchirre aus blafsgelbem fcharf gebranntem Thon. Eine meift einfärbige, höchft ordinäre, grüne oder dunkelgelbe Bleiglafur überzog diefe wenig hervorragenden Erzeugniffe einer vernachläffigten Hausinduftrie.
Anders verhält es fich mit der Thonwaaren- Induftrie Egyptens. Zwar wären hier deren Erzeugniffe, unter welchen nur wenige glafirte Gegenftände ausgeftellt fich fanden, eigentlich nicht zu befprechen, doch läfst fich in diefem Falle, wie fchon manchmal früher, eine Trennung der Terracotta- Arbeiten von jenen, welche Glafuren tragen, nicht denken, ohne alle Ueberfichtlichkeit diefes Berichtes zu
vernichten.