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Die Thonwaaren-Industrie (Gruppe IX, Section 2) : Bericht / von Emil Teirich
Entstehung
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Dr. Emil Teirich.

Das ganze Arrangement und Alles, was die egyptifche Abtheilung füllte, ift Eigenthum des Vicekönigs und von diefem eingefandt worden. Wir erhielten demnach eine Collection auserwählter, fehr fchön gearbeiteter und als charakteri­ftifch anerkannter Gefäfse, die nach Schlufs der Ausftellung als Gefchenke des Khedive an unfer öfterreichifches Muſeum übergegangen ift.

Hier fanden wir zum Theile die alt ererbte Decorationsweife durch eingra­virtes Linienornament wieder, welche die Gefäfse Altegyptens, fo häufig zeigen, oder einen fortlaufenden, in fchwachem Relief aufgeprefsten Perlenftab, ftern­förmige Zeichnungen und fo fort, gewöhnlich aus einfachen fich wiederholenden Motiven beftehend. Die dichte, feine Maffe der Nilablagerungen ift von äufserfter Plafticität und geftattet eine dünne Bildung der Gefäfswand. Viele der fo angefertigten Gegenftände, oft von ganz eigenthümlichen, fchwer verftändlichen Formen, zeigten deutlich Spuren einer im trockenen Zuftande vor dem Brande vorgenommenen Bearbeitung mit dem Meffer und eine freilich rohe Sculptur.

Das nicht befonders fcharfe Feuer, dem alle diefe Poterien ausgefetzt werden, verändert die maufegraue Farbe des Rohmateriales in eine mehr oder minder braunrothe, die durch eine nachträgliche Politur wefentlich an Glanz gewinnt. Ueberhaupt vertritt diefe nachträgliche Appretur des fchwach gebrannten Thones in recht fchöner Weife die Glafur. Schalen aller Formen, doch nie in gröfseren Dimenfionen, wie denn überhaupt die meiften der ausgeftellten Poterien mehr einer Sammlung von Nippés ähnelten, dann Kaffeefchalen, Lampen und vor Allem ein Paar prächtige Candelaber bildeten neben den Pfeifenköpfen, welche jenen der Conftantinopolitanifchen Fabrikanten ähneln, in ihren vielfachen Varianten das Gros der ausgeftellten Objecte. Wir können mit Recht zufrieden damit fein, dafs diefe fehr intereffante Sammlung Wien erhalten geblieben ift.

Das Befprochene und die fehr vollſtändige Sammlung des himmlifchen Reiches China und jene von Japan, denn die beiden letzteren haben ihre Porzellaninduftrie und zum Theile auch die Fayencewaaren fehr gut zur Anfchauung gebracht, gaben uns ein Bild der Werke der Hausinduftrie des Orientes, der fich jene der angrenzenden Länder Oefterreichs anfchliefst.

Eine ziemlich grofse Reihe von grofsen vafenförmigen Gefäfsen, mit einem eigenthümlichen, ftark zinnhältigen Email decorirt, in Kiukiang( China) erzeugt, war über und über mit einem feinen, aber etwas verworrenen Deffin überzogen, der in Etwas an die modernen, in der Zeichnung wenig klaren perfifchen Teppich­mufter erinnert. Die Zeichnung ift mit fchwarzen Linien umfahren und die Zwifchenräume mit dem blafs rofenrothen, fchwefelgelben, himmelblauen oder meergrünen Zinnemail dick ausgelegt, fo dafs fich, wie wir es bei Collirot oder Parvillé fahen, eine Art Relief der Emailfläche bildet. Das Ornament, in das manchmal fratzenartige Geftalten oder Drachenköpfe mit eingeflochten find, ift ein fymmetrisch angeordnetes, wenn die ganze Fläche damit decorirt wird. Es iſt jedoch nicht felten der Fall, dafs der ganze Fond des Gefäfses blofs roth oder, wie diefs fehr häufig gefchieht, fchwefelgelb emaillirt wird, über den fich dann ein einfeitiges, gewöhnlich dickäftiges, kleinblätteriges, aber grofsblumiges Ranken­werk quer dahinzieht, ohne durch eine Achfe in zwei fymmetriſche Theile zu zer­fallen. Die von der Ranke getragenen, meift fternförmigen Blumen oder Rofetten fitzen feltfamer Weife ftets ohne Stiel auf derfelben.

Eine Anzahl verfchiedener Thonwaaren aus anderen Diftricten bot weniger Intereffantes. Weifs glafirte Götzenbilder und Thiergeftalten, 3 bis 6 Zoll hoch, plump und ftumpf modellirt, mit braunem, grobem Emailauftrag gefleckt, werden in Shanton erzeugt. Aus Shangai fand fich ein eigenthümliches, dünnwandiges, rothes, aber unglafirtes Gefchirr vor, das an jenes aus Egypten erinnerte, und welches für den Hausgebrauch erzeugt wird. Solche Gefäfse expor­tirt China nach Japan. Eine ähnliche Waare erzeugt man auch in Chefoo, woher auch eine dunkelgraue mit fchönem Metallluftre verfehene, aber offenbar ordinäre