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Die Thonwaaren-Industrie (Gruppe IX, Section 2) : Bericht / von Emil Teirich
Entstehung
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Die Thonwaaren- Induſtrie.

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Die verwendete Maffe von weifsgelbem, falzglafirtem Thon ift unterdeffen trefflich und wird von demfelben Etabliffement in ausgedehnterer Weife zu Waffer­Leitungsröhren, Kühlfchlangen und fo fort verarbeitet, die ein fehr ftarkes und dichtes Ausfehen haben.

In Belgien, gleichfalls den Bedürfniffen der chemifchen Induftrie folgend, hat die Steinzeug- Fabrication, namentlich jene mit Salzglafur neuerliche Fort­fchritte gemacht, die uns freilich nur die Société anonyme des Terres plaftiques& produits réfractaires d'Andenne vor Augen führte.

Cylinder von I Meter Durchmeffer bei eben fo viel Höhe, aus fehr gutem, feftem Materiale, zur Säureaufbewahrung; Ziegel aus Steinzeug behufs Herftellung von Salzfäure- Condenſationsthürmen, endlich als Meiſterſtück eine thönerne Kühlfchlange von fehr fchöner Arbeit und ein Tellerapparat für die Schwefelfäure- Fabrication wären hier zu erwähnen. Zudem find die Preife billig und, wie fchon bemerkt, die Arbeit vollendet. Die Fabrik, welche durch ihre feuerfeften Erzeugniffe weltbekannt wurde, ift trefflich geleitet.

Oefterreich hat bis in die letztere Zeit nur wenig bedeutendere Leiftungen diefer Art aufzuweifen gehabt. Die Anfänge, welche die Königsaaler Fabrik mit der Einführung diefer Induftrie nothgedrungen machte, fie blieben lange ohne eigentlichen Nachfolger. Erft jetzt, in den letzteren Jahren, haben einige Etabliffements die Erzeugung falzglafirter Waare aufgenommen, ohne dafs man diefen jüngeren Gefchäften immer das Befte nachrühmen kann. Die Zufammenfetzung der Maffe ift noch immer viel zu wenig ftudirt. Es fehlt ihr an durchgehender Sinterung und nicht felten find es lediglich Imitationen von Steinzeugwaaren, feuerfefte Producte mit leichtflüffigen Glafuren, welche hier unter dem Namen Steinzeug fabricirt werden.

Lederer& Neffeny in Floridsdorf bei Wien ift eine diefer jüngeren Fabriken, welche fich übrigens einen gröfseren Wirkungskreis erworben hat. Schornfteinauffätze, Futtertröge, Röhren find deren vorzüglichfte Producte, aus denen eine Fontaine zu arrangiren jedenfalls bizzar genug war. Macht letzteres Object auch keine äfthetifche Wirkung, fo zeigt es doch manche gute Seite der Fabrication, und mag daher als Illuftration derfelben nicht allzu ftrenge beurtheilt

werden.

Schäffner, gleichfalls in Floridsdorf bei Wien, treibt, wenn auch mit geringeren Mitteln und nicht ganz demfelben Erfolg, eine ähnliche Fabrication, deren Abfatzgebiet fich mit der Zeit wohl wefentlich noch vergröfsern wird.

Die beiden vorgenannten Fabriken arbeiten vorwiegend für den Wiener Baubedarf und find die einzigen, welche daher genöthigt werden, auch hinficht. lich der Formgebung hie und da den Wünfchen eines Architekten nachkommen

zu müffen.

In brillantefter Weife hat die Hrufchauer Fabrik von Miller's Erben& Hochftetter ihre falzglafirte Waare ausgeftellt. Ein Säurekrug von ganz enormen Dimenfionen und trefflich gearbeitet, dann ein reichhaltiges Sortiment der fchwierigften Gefäfs- und Röhrenformen waren da zu fehen, ziemlich das Allerbefte auf der ganzen Ausftellung. Die gräflich Oettingen­Wallerstein'fche Fabrik zu Königsaal hat gleichfalls in der Maffe fowohl als Präcifion der Arbeit Ausgezeichnetes geleiftet und ihren alten Ruf glänzend bewährt.

Von vorzüglicher Schönheit und befonderer Güte fanden wir die reiche und grofse Ausftellung des öfterreichifchen Vereines für chemifche und metallurgifche Production in Auffig an der Elbe. Ein grofser Säure­Condenfationsthurm, vollſtändig montirt, und eine aus achtzehn Gefäfsen beftehende Salpeterfäure- Batterie, gleichfalls zufammengeftellt, erwiefen die vor­zügliche, präcife Fabrication und fchöne dichte, mit gleichförmiger Salzglafur überzogene Maffe, die im fcharfen Feuer trefflich geftanden hat.