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Die Thonwaaren-Industrie (Gruppe IX, Section 2) : Bericht / von Emil Teirich
Entstehung
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Dr. Emil Teirich.

Einige kleinere Fabriken, fo die von Moft auer in Eger und manche andere ftellten meift unbedeutendere Gegenftände aus und befchränken fich gewöhnlich auf die Erzeugung von Wafferröhren, Abortfchläuchen und Aehnlichem in kleineren Dimenfionen. Von grofser Bedeutung, namentlich für das nördliche Böhmen, ift die Erzeugung der fteinernen Mineral- Wafferkrüge, die bei Bilin und Karlsbad betrieben wird, und ganz erftaunliche Quantitäten zu billigften Preifen an die Brunnenverwaltungen abgibt. Solche Krüge, aus weifsgrauer Maffe, die fich im Oxydationsfeuer aufsen etwas roth färbt, find ftets mit Salz glafirt.

DAS PORZELLAN.

Die europäifche Porzellaninduftrie hatte zur Zeit ihres Entftehens nur japanifche und chinefifche Vorbilder, aus denen der, bei Einführung des neuen Stoffes herrfchende Rococoftil anfänglich abfolut nichts zu machen wufste. Keine alte Tradition, kein Kunftftil als Vorgänger, diente zum Anfchluffe an Beftehen­des. Die erften Porzellangefäfse, die nach Europa kamen und nur koftbare Prunk­ftücke, aber keineswegs Gebrauchsgegenstände waren, blickten fremd in die fie umgebende europäiſche Formenwelt.

Bekanntlich war der Apothekerlehrling Böttcher in Meifsen der Erfinder des fogenannten rothen Porzellans um 1705 und des harten weifsen vier Jahre fpäter. Er ift der Begründer der Meifsner Fabrik, die von Seite des Staats durch den Kurfürften von Sachfen im Jahre 1710 errichtet wurde.

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Acht Jahre später unterzeichnete Carl VI. am 27. Mai 1718 zu Laxenburg ein ausfchliefsliches kaiferliches Privilegium, durch welches die drei Inhaber, der Holländer du Paquier, der ehemalige Werkmeifter Stenzel der Meifsner Fabrik und ein Kunftarbeiter, Conrad Hunger, berechtigt wurden, die durch ungemein heimliche Wiffenfchaft, Mühe, Sorge, Fleifs, Gefahr und Unkoften, ohne dafs das Aerar im geringften etwas dazu vorfchiefsen durfte, erzeugte, feingemalte, gezierte und auf allerhand Art fabricirte Porzellanmajolica und indianifches Gefchirr, Gefäfs und Gezeug, wie folche in Oftindien und anderen fremden Ländern gemacht werden, allein zu erzeugen und fowohl im Grofsen als im Kleinen in den gefammten Erbländern zu verkaufen".

Die Wiener Fabrik begann demnach mit Privatmitteln zu arbeiten, zeigte fich jedoch bald unrentabel und ging im Jahre 1744 unter Maria Therefia's Regierung in die Hände des Staates über. Trotz vieler Mängel, die diefem Inftitute anhafteten, trotz der geringen Rentabilität feines gefchäftlichen Betriebes. ift deffen erfolgte Auflaffung im Jahre 1865 tief zu beklagen. Die Wiener Fabrik war die Pflanzftätte der öfterreichifchen keramifchen Induftrie, das Wiener Por­zellan hatte nicht nur einen eigenen, ganz originellen Stil gefchaffen, der dem gewundenen Schnörkelwefen des Rococo einen Damm entgegenfetzte, fondern leiftete in der Decoration der Flächen geradezu Bedeutendes durch Gründung einer Porzellan- Malerfchule ebenfofehr, wie durch Einführung neuer technifcher Verfahren. Eine Reihe der beften Kräfte waren fo herangezogen worden, Kunft und Kunftfinn waren in der Entwicklung begriffen, die Saat früherer Weltausftel­lungen begann auch in Oefterreich zu keimen und Wiens aufftrebende Architektur hob und pflegte alles Kunftgewerbe; man fah, es müffe ein Centrum, eine Pflanzftätte des künftlerifchen Strebens gefchaffen werden, und man gründete nach dem Vorbilde des South- Kenfington- Muſeums das öfterreichifche für Kunft und Induftrie, aber man hob faft zu gleicher Zeit die öfterreichifche k. k. Porzellan­manufactur auf, zu einer Zeit, wo fie fo recht erft ihre fegensreiche und eine ton­angebende Thätigkeit unter dem Einfluffe der günftigeren Gefchmacksrichtung hätte beginnen können.

Für wenige Hundert Gulden wurden die koftbarften Formen und Modelle an einige Steingut- und Thonwaaren- Fabrikanten hingeworfen, und was noch