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Die Thonwaaren-Industrie (Gruppe IX, Section 2) : Bericht / von Emil Teirich
Entstehung
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Die Thonwaaren- Induftrie.

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Die königliche Porzellanmanufactur in Kopenhagen weift in ihrer diefsjährigen Ausftellung einen wefentlichen Fortfchritt auf gegen die Leiftungen der letzten Zeit. Offenbar verdankt fie dem Umftande, dafs fie in die Hände von Privaten feit etwa vier Jahren übergegangen ift, neue Impulſe. Ein fehr fchönes, fein gearbeitetes Service, weifs, mit zartem, blauem Deffin unter der Glafur, ein blumendecorirtes Service im Meifsner Gefchmack und ein anderes mit blauem Rand und einem herumlaufenden weifsen Lorbeerkranz find fehr tüchtige Leiftungen, die ebenfo eine gute techniſche Behandlung des aus Eng­land meift bezogenen Rohftoffes, fowie eine mafsvolle, ja felbft ftiliftifche Behandlung der Farbe, die überhaupt fehr rein und gut geftimmt an allen Waaren erfcheint, verrathen. Diefs zeigt fich auch im hohen Grade an der zweiten Ausftellung diefer Fabrik in der Rotunde. Das Druckverfahren findet bei der Decoration hier gar keine Verwendung.

Weniger gut will uns die Modellirung der kleinen Bisquitfiguren gefal len, die in der Compofition gut, in der Ausführung aber nicht immer von aller Feinheit ift. In diefen Arbeiten, fo fcheint es, erreicht die moderne Kopenhagener Fabrication nicht mehr die Leiftungen Müller's, der um den Anfang unferes Jahrhundertes mit der Modellirung figuraler Gegenftände nach Meifsner Motiven dort begann, denen bald die, heute noch reproducirten Bisquitftatuetten nach Thor­waldfen's Werken, folgten. Ein Zug von Diftinction geht aber heute noch durch die ganze Fabricationsweife, der man nirgends ein fchleuderhaftes Arbeiten von marktgängiger Waare vorzuwerfen vermag. Das erzeugte Porzellan ift durch­gehends von hochgradiger Feinheit und fchönem Anfehen.

In manchem Sinne verwandt mit den Erzeugniffen der befprochenen Fabriken find die der Manufacture Imperiale de Porcelaines à St. Peters­bourg in Rufsland. Die kaiferlichen Fabriken, welche namentlich in letzteren Jahren eine regere Thätigkeit entwickeln, haben eine ziemlich anfehnliche Collection gefandt, unter der fich wohl am meiften die, vom feltenften Rohmateriale begünftigte Steinfchleiferei, dann aber auch die Glasfabrik auszeichnet. Namentlich letztere hat durch Zurückgreifen auf national- ruffifche und byzantinifche Decorations­motive recht fchöne Erfolge in manchen Richtungen erzielt.

Weniger tritt diefs zu Tage an den Leiftungen der Porzellanmanufactur, der es jedenfalls an einer leitenden Stilrichtung fehlt und deren Erzeugniffe, bei fonft oft recht anerkennenswerthem technifchen Verfahren, nicht recht zu erfreuen vermögen. Die Fabrik arbeitet nicht fo eigentlich für den Verkauf, als faft aus­fchliefsend nur für die Bedürfniffe des Hofes, worin vielleicht auch mit ein Grund der Erklärung für manche eigenthümliche Ausführung liegen mag. Sehr ſchön find die der Fabrik zu Gebote ftehenden Emailfarben, deren ganze Pracht Kraffowsky auf der grofsen Tifchplatte entfaltet, welche mit einem reichen Kranz der fibirifchen Flora geziert ift. In ähnlicher Weife find zwei grofse Vafen decorirt und zeigen fich hier die Farben als befonders brillant auf Hartporzellan. Eine koloffale Vafe mit Broncemontirung, von etwa 5 Fufs Höhe, ragt unter allen anderen Ausführungen hervor. Auf braunem, kupferrothem Grunde zieht fich um den Bauch der Vafe ein Kinderfries von Mironoff's Hand gemalt. Zwei grofse goldene Masken unter den Henkelanfätzen müffen für den Mangel, an fonftigem Reliefornament aufkommen. Wir haben bereits Gelegenheit gefunden, uns über eine folche Decoration zu äussern.

Im Uebrigen befchäftigt fich die Fabrik mit der Erzeugung von Servicen und figuralen Darftellungen; eine Vafe mit Scenen aus der Aufhebung der Leib­eigenfchaft in Medaillons grau in grau gemalt, ein Stück aus der Collection des bekannten ruffifchen Sammlers Kotfchubey, in byzantinifchem Stile gehalten, ift eine der beften Leiftungen hinfichtlich der Form und der angewandten ftil­volleren Ornamentik.

Imitationen von altem Wiener und Meifsner Porzellan, Anlehnung an die Sèvrestraditionen find unverkennbar. Verfuche, die Pâte fur pâte auf dem harten