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Die Thonwaaren-Industrie (Gruppe IX, Section 2) : Bericht / von Emil Teirich
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Die Thonwaaren- Induftrie.

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Die meiſten Erzeugniffe der Fabrik find gewöhnliche currente Waare, meift Service, Tifchgefchirre jeder Art u. f. w.

Eine ziemliche Sammlung diverfer Decorationsmethoden und Ausführungs­weifen zeigten uns die in gröfserer Auswahl an der Ausftellung betheiligten Porzel­lanmaler Wiens, die fich zum Theile zu einer Collectivexpofition vereinigt hatten.

Wir müffen geftehen, dafs wir nur in geringem Mafse von diefen Leiftun­gen erbaut waren; wie wenig, wie fehr wenig Gutes, ift darunter.

Die alte Technik der kaiferlichen Porzellanmanufactur ift jetzt, wenige Jahre nach deren Auflöfung, bereits im Verfalle, keine der alten Traditionen, die, wenn fie heut auch nicht mehr jene unumwundene Bewunderung finden würden, der fie fich zu Anfang unferes Jahrhunderts erfreuten, die aber doch einen guten, gefunden Kern einer tief künftlerifchen Auffaffung bargen, hat die alte Fabrik zu überdauern vermocht.

J. Zafche nimmt unter den Wiener Miniaturmalern wohl den hervorragend­ften Rang ein, feine Technik erinnert an die fchon befprochene der Thüringer Maler, denen er auch in Wahl des Sujets nahe kommt. Meift find es Heiligenbilder auf Porzellan oder Metall, zum Theile nach guten alten Vorbildern der Wiener Gallerien, beftimmt, Hausaltärchen und dergl. zu zieren; auch die Blumenmalerei wird von ihm fleifsig geübt. Bekannt find feine Alpenblumen- Bouquets, die mehr ihres Colorits als der Compofition wegen genannt werden können Einige gute Teller, Nachbildungen alter Wiener Porzellans, zeugen von einem Streben Zafche's, gelegentlich auch mehr als das Gewöhnliche zu leiften.

F. Hubl, jetzt Lehrer in einer neu errichteten Fachſchule für Porzellan­malerei bei Carlsbad, ein erft vor Kurzem aus der Kunftgewerbe- Schule des öfter­reichifchen Muſeums gefchiedener Zögling derfelben, brachte einige decorirte Teller im Stile der Renaiffance, mit Putten geziert, die, wie faft alle auf der öfterreichi­fchen Ausftellung den Charakter der Geftalten des Laufberger'fchen Kinder­friefes am Vorhange des neuen Opernhaufes tragen. Compofition und Ausführung haben vollkommene Aehnlichkeit mit Laufberger's Manier und wir glauben auch nicht zu irren, wenn wir hie und da an Hubl's Tellern den Zug einer geübteren Hand als der feinen zu erkennen vermeinen. Auch diefe Bemalung des Efs­gefchirres mit Figuren und Rankenwerk dort, wo die reine Fläche zur Aufnahme der Speife ausgefpart bleiben follte, läuft unferen Begriffen über ftilvolle Decora­tion zuwider. Das Service ift auf Beftellung des bekannten Teppichfabrikanten Haas angefertigt worden.

Wenn Hubl, dem jedenfalls noch viele Studien zu machen bleiben, in feinem gewohnten Eifer fortarbeitet, fo ift künftig wirklich Bedeutendes von ihm

zu erwarten.

Miefsner, Porzellanmaler in Alt- Rohlau, brachte einen trefflichen männ lichen Kopf, gute Blumenmalereien; Breitenfelder Kindergeftalten, die frei­lich jenes Reizes entbehrten, den wir an franzöfifchen Ausführungen diefer Art zu finden gewohnt find. Verdienftlich find die Leiftungen von Kadletz, Heiligen­bilder, Blumen und Imitationen von altem Wiener Porzellan. Roher in Contour und Farbe waren Jäckel's Heiligenbilder, die gegen die fehr feine Manier von Hille freilich ftark abftechen. F. Beck brachte fchwarzes, mit Gold decorirtes Service für Thee und Kaffee, Willert hart gemalte Blumen. Traurig fahen die Platten von Gefswald aus.

Specialitäten von Porzellanblumen u. dergl., beftimmt zu der nicht feltenen Anwendung in der Marqueterie und Ledergalanterie- Arbeit, erzeugen Hille in feiner feinen Weife und G. Heinz, ohne darin wefentlich Bemerkenswerthes zu leiften. E. Weybora in Wien ftellte gut emaillirte Uhr- Zifferblätter und

Schrifttafeln aus.

J. Leth brachte eine ganz gelungene Reihe feiner eingebrannten Photo graphien. Er beherrfcht fein Verfahren jetzt zufehends mehr als früher, doch hat diefe, zudem nicht einmal befonders billige Art der Decoration des Porzellans