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Die Thonwaaren-Industrie (Gruppe IX, Section 2) : Bericht / von Emil Teirich
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Dr. Emil Teirich,

in Grau fo wenig Erfreuliches an fich und ift fo baar jedes anregenden Effectes, dafs deren Anwendung naturgemäfs ftets eine befchränkte bleiben dürfte.

Carl Anger in Aich fandte Photographien auf Porzellan ein. Im grofsen Ganzen ift an neuen Decorationsverfahren aufser den fchon erwähnten Arbeiten von Kofch, die theilweife noch ihres Abfchluffes harren, nichts zu fehen gewefen. Erwähnen wir zum Schluffe noch der trefflichen Mufter von reintonigen Porzellan- und Fayencefarben, die der fehr verdiente Chemiker und Fabriks­director Röfsler aus der Ellbogener chemifch- technifchen Fabrik einfandte und die fich getroft mit allen ähnlichen Erzeugniffen zu meffen vermögen. Seine Luftre- und Nacrefarben ſtehen den franzöfifchen in keiner Hinficht nach. Wohin wir in der öfterreichifchen Porzellaninduftrie blicken, überall begegnen wir einem eifrigen Streben, nicht immer auf dem rechten Wege, oft noch taftend, fchreitet die Fabrication vorwärts, die wir mit dem Wunſche beglei­ten, fie möge bei dem allgemeinen und grofsen Auffchwunge des Kunftgewerbes, der fich in der ganzen Ausstellung unferes Vaterlandes manifeftirte, nicht zurück­bleiben.

Italiens Porzellanmanufactur hatte in Ginori( Doccia) ihren einzigen und leider nicht den beften Vertreter. Die Decoration tritt nicht über das Mafs des gewöhnlichen Mittelgutes heraus. Die Maffe felbft ift zwar von anerken­nenswerther Güte, aber kein heimifches Product, fondern wird von Limoges aus Frankreich, alfo importirt. Einige Imitationen alten Capo di monte Por­zellans, mit feinem reichen figuralen Relieffchmucke und der bekannten minu­tiöfen Farbengebung find kaum als gelungen zu betrachten, jedenfalls aber fehr fchleuderifch behandelt. Mehrere Stücke, fo ein gröfserer Tafelauffatz und zwei Candelaber nahmen fich Meifsner Waare zum Vorbild, ohne diefer auch nur entfernt nachzukommen. Schon die Farbengebung ift hiefür zu wenig geftimmt, zu fcheckig geworden. Die Bisquitfiguren, mitunter nicht ohne Ver­dienft modellirt, find im Feuer nur zum Theile gerathen. Einige davon erhielten offenbar zu ftarke Hitze und fchmolzen ab.

Wir hätten gewünſcht, Ginori's Ausftellung lobender erwähnen zu können. Er hat doch im Jahre 1871 zu London gefehlt und hätte feit der Parifer Aus­ftellung, wo er grofsen Beifall erntete, wohl etwas weiter fortfchreiten können.

Bei Berücksichtigung der erfchwerenden äufseren Verhältniffe, unter welchen in manchen Ländern der Fabrikant erzeugt, find gewiffe Leiftungen noch anerkennenswerth, die fonft wohl unberücksichtigt bleiben müfsten. Diefs gilt auch von der einzigen, bedeutenderen Porzellanfabrik Vifta Alegre von Fereira Pintos Baftos& filho zu Ilhavo in Portugal, welche vornehmlich gegen den englifchen Import gerichtet, fich den englifchen Muftern auch nach Thunlichkeit anfchliefst. An den Thon- und Wafchfervicen ift diefs deutlich erfichtlich, die Decorationsweife monoton, aber mafsvoll, jedenfalls befriedigend. Die Porzellanmaffe felbft ift etwas dick und plump gearbeitet. Es werden neben der vorzüglichen Thonerde von Feira in diefer Fabrik auch englifche und franzöfifche Kaoline benutzt. Wo felbftftändige Decoration, wie an den beiden mattgezierten blauen Vafen verfucht wird, zeigt fich deutlich die Unzu­länglichkeit der Kräfte. Das erzeugte Porzellan ift durchwegs ein hartes.

Gehen wir nun an die Betrachtung deffen, was uns der Orient an Por­zellanen brachte.

Nur China und Japan, die Länder, in denen die Wiege diefer Induſtrie geftanden hat, betreiben diefelbe. Mehr oder minder unbeleckt von der Cul­tur des Abendlandes haben fich hier Sitten und Gebräuche erhalten, und mit ihnen im engften Zufammenhange das Hausgeräth. Das Gefäfs, als wichtigſtes darunter, mufste naturgemäfs feine althergebrachte Form und Decorationsweife, wenigftens ihrem innerften Wefen nach, unverfälfcht bewahren.

Eine reiche und was noch mehr ift, wirklich inftructive Ausftellung der Porzellaninduftrie von China, wie fie vollſtändiger auf Weltausstellungen noch