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Die Thonwaaren-Industrie (Gruppe IX, Section 2) : Bericht / von Emil Teirich
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Dr. Emil Teirich.

Am vollständigften unter den modernen Sammlungen aber ift die von R. v. Overbeck und dem Handelshaufe Carlowitz& Comp. ausgeftellte Suite von Porzellanen aus dem Diftricte von King- te- chin bei Kur- Koing. Das dort erzeugte Porzellan gilt für das Befte und rühren namentlich, die grofsen, oft 5 Fufs hohen Vafen von da her. Die Decoration des weifsen Gefchirres wird in Canton beforgt, und befaffen fich dort drei Decorateure oder Maler hiemit, ganz unabhängig von dem Erzeuger des Gefäfses.

Kur- Koing ift ein dem Export geöffneter Hafen, aus dem das meifte Por zellan China verläfst, um den europäifchen Markt zu bekommen.

Nahe verwandt und bis vor Kurzem auch oft genug völlig confundirt mit der Porzellaninduftre Chinas ift die des japanefifchen Reiches.

In dem Augenblicke, wo wir diefe Zeilen fchreiben, ift Japan fchon nicht mehr dasfelbe, was es damals war, als fein eigenthümlicher Stil nach chinefifchen Traditionen entftand und bald felbftftändig und frei fich entwickelte und fort­blühte.

Heute ift Japan vom Schienenftrange bereits durchzogen und qualmende Dampfer liegen in feinen, der europäiſchen Civilifation weit geöffneten Häfen vor Anker. Und gierig und faft unerfättlich find die Japanefen in der Aufnahme und Aneignung aller Herrlichkeiten des Abendlandes.

uns zu

Hoffen wir, dafs diefer Eifer kein blinder fei, das nicht auch hier, wie beispielsweife in der Türkei, zu beklagen bleibt, die abendländifche Cultur habe nur nivellirend und nicht reinigend auf die beften, originellften und edelften Eigenfchaften der Völker in Kunft und Sitte gewirkt. Das Gute von nehmen, dieberechtigten Eigenthümlichkeiten der eigenenNationalität aber ängstlich zu bewahren, das meinen wir, müfste das erfte und Hauptaugenmerk Japans fein. Noch hat fich feine Porzellaninduftrie nicht allzuviel aus ihren alten Bahnen durch europäifchen Einflufs lenken laffen, aber es fteht zu erwarten, ja es zeigt fich jetzt fchon an den Arbeiten jener Meifter, die für den Export arbei­ten, ein Abgehen von den alten Formen, eine Sucht der Imitation abendländifcher und nicht immer der beften Originale.

Daran wäre freilich nun nicht allzuviel gelegen. Wir fchwärmen eben nicht befonders für japanefifche Vafenprofile und Porzellanmalerei und glauben, dafs ein Vorführen wirklich guter europäiſcher Mufter nur fördernd auf die ganze Induftrie einwirken könnte. Was uns aber beforgt macht, das ift die Schleuder­haftigkeit, die feit dem vermehrten Export in den Werkstätten einzureifs en beginnt und die Gefahr, dafs binnen Kurzem der echt japanefifche Stil zwar verloren, aber durch ein finn- und geiftlofes Mifchmafch erfetzt fein wird, das heutzutage unter euro­päifchem Einfluffe beiſpielweife die edle perfifche Teppichmanufactur zu vernichten droht. Unter dem, im japanefifchen Bazar verkauften, war eben mitunter fo elendes Fabricat, dafs wir zu folchen Befürchtungen wohl alle Urfache haben.

Der Einflufs Chinas auf die Porzellaninduftrie Japans ift ein fichtlicher, aber auch hiftorifch erwiefener. Im XIII. Jahrhunderte zogen manche Japa­nefen über's Meer nach China, um dort in die Geheimniffe der Töpfer- Werk­ftätten zu dringen, Glafur und Vergoldung zu lernen.

Heute wird in der Stadt Arita im Departement Saga die befte und feftefte Sorte von Porzellan im Grofsen erzeugt. Ueber 15.000 Menfchen befchäftigen fich mit diefer Induftrie, welche den Hauptbedarf des eigenen Landes fowie einen bereits lebhaft geworden Export befriedigt. Die aufserordentliche Feinheit der Maffe, die namentlich zu fehr dünnen Schalen verarbeitet wird, der diaphane, warme Farbenton des Scherbens, deffen befondere Härte, zeichnen diefe Qualität vor allen anderen aus.

Es ift das berühmte Porzellan von Hizen, von dem wir fprechen und das unter diefem Namen allbekannt und gefchätzt ift.

Die Decors find entweder blau( Kobalt) unter der Glafur oder bunt in der Muffel eingebrannt. Die oft vorkommende Vergoldung und Bronzirung des