Dokument 
Die Kurzwaaren-Industrie : (Gruppe X) ; Bericht / von Ludwig Hartmann, J. Weidmann und C. Th. Richter
Entstehung
Seite
13
Einzelbild herunterladen

Galanteriewaaren aus Bronce, Leder- und Tafchnerwaaren.

13

Wenn diefe Arbeiten, deren Zimmermann in Hanau, das Harzer Berg­werk in Mägdefprung, Meves Nachfolger etc. ganz gelungene Güfse an Form und Reinheit ausgeftellt hatten, auch wegen ihres Materiales in Gruppe VII gereiht wurden, fo fchienen fie uns doch durch die Analogie mit jenen in Bronce aus­geführten, in Gruppe X gereihten Galanterie artikeln erwähnenswerth.

Das Entfprechen einer beftimmten Anforderung wird dabei Hauptfache, Werth durch das Material oder dekorative Wirkung zur Nebenfache, wofür auch der populärfte Orden, das eiferne Kreuz, als Beiſpiel dienen kann.

Italien. Die Italiener, in der Behandlung des Marmors noch immer die Erften der Welt, waren diefs wie bekannt zu ihrer Zeit auch als Modelleure und Cifeleure von Kunftbroncen.

Heute componiren die Franzofen nicht nur in einer Weife, die weit über dem Genrehaften, Naturaliftifchen der Italiener fteht, fondern fie find auch als Cifeleure gegenwärtig die gebildetften und technifch gewandteften. Im Befitze fo vieler Meifterwerke, befonders aus der Renaiffancezeit, bethätigen fich die italienifchen Kunfthandwerker in Bronce längft nicht mehr mit bedeutendem Erfolge im Erfinden. Ihre heutigen Werke find faft nur Reproductionen, die aber meift mit feinem Kunftverſtändniffe und grofser manueller Gefchicklichkeit. angefertigt find. Viele diefer Arbeiten verlieren hiedurch an jener decorativen Verwendbarkeit, welche beiſpielsweife die franzöfifchen Broncen auszeichnet. Für Thürklopfer, fchwere Kerzenleuchter, riefige Candelaber oder Kaminvorfätze, Gitter, etc. können doch wohl nur Mufeen als Käufer angenommen werden.

Die Farbe der reproducirten Broncen ift nach Obigem wohl vorher zu beftimmen, es ift jene, welche die Patina' der Originale möglichft genau imitirt. Helle Vergoldungen, wie bei den unferen oder die vielen Nuancen in der Farbe, wie bei den franzöfifchen Broncen, mangeln an den italienifchen vollſtändig.

Die bedeutendften Exponenten auf der Wiener Weltausftellung waren Michieli und Udina Luigi in Venedig, die übrigens in Gruppe VII ausgiebig gewürdigt worden find.

Wir können nur der Anfchauung beipflichten, dafs die italienifche Kunft­induftrie der Kleinbronce wenig Bedeutung hat.

Es erübrigt uns nur noch, einiger Leiftungen in Bronce zu gedenken, welche fich als Arbeiten einzelner Firmen jener Länder repräfentirten, welche wir in Bezug auf Bronce Induftrie in Obigem nicht befonders anführten, weil das Vorhandene auf der Wiener Weltausftellung uns weder in kunftinduftrieller Rich­tung eigenthümlich, noch als Handels- oder Exportartikel des betreffenden Landes von Bedeutung fchien.

So waren z. B. die ausgeftellten Objecte des in Petersburg etablirten Franzofen Chopin im Charakter der Parifer Arbeiten angefertigt und nur bei drei Luftern die Verbindung mit gefchliffenen ruffifchen Steinen, Trauben bildend, neu, wenn auch nicht nachahmenswerth. Schebanoff in Moskau hatte nette kleine Gegenftände gebracht.

Sonftige ruffifche Broncen, fehr naturaliftifch aber lebendig aufgefafste Genreftatuetten nationaler Vorwürfe waren nicht als Handelsbroncen induftrieller Richtung exponirt, fondern als Kunftbroncen bei den Gemälden im Pavillon des Amateurs und entziehen fich daher der vorliegenden Beurtheilung.

Belgien hatte Bronce nur in der Halbgallerie und zwar nur als Montirungs­beigabe zu Porzellan für Lampen, Blumentöpfe etc. durch Lelorrain Claude aus Brüffel vertreten. Seine Fabrikanten, wie die fo mancher anderer Länder, dürften eben im Bewufstfein der Leiftungen der Franzofen es vorgezogen haben, lieber nicht zu erfcheinen.

Jene Länder oder Fabrikanten, welche ihre Eigenthümlichkeit in den Grenzen, die Schönheitsgefühle, Stil etc. ftellen, zu wahren wiffen, haben vor Jenen,