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J. Weidmann.
In künfterifcher Beziehung fanden wir an den Birminghamer wie deutfchen Luftern unverkennbar und überwiegend franzöfifchen Einflufs und ift diefs um fo bemerkenswerther, da die Engländer ihre mittelalterliche Richtung, die gerade in der Metallinduftrie fehr fchöne Arbeiten aufwies, und die Berliner ihre antikifirende ftrenge Richtung aufgaben und beide nun in ihrer Handelswaare barocke Motive aufnahmen, wohl vorzugsweife um im Hinblick auf den grofsen Export die Verkäuflichkeit diefer Bronceartikel zu fördern.
Bezüglich der techniſchen Ausführung, wie Gufs, Cifelirung, Vergoldung, Färbung etc. ftehen die Birminghamer Fabricate im Allgemeinen auf einer höheren Stufe, als jene des deutfchen Reiches und ift diefs namentlich der Fall bei den reizend und originell erfundenen und in reinfter dem Material in Conftruction und Behandlung gelungen angepafster Art ausgeführten Luftern von Ratcliff& Tyler, welch' letztere auch ziemlich die einzigen Vertreter jener fpecififch englichen, oft polychrom behandelten Metallwaaren find, die aufser Lande, wo nun dem Renaiffanceftile ftets mehr gehuldigt wird, weniger Beachtung und Verwendung finden. Am reichften vertreten war die bedeutende Firma Winfield& Comp. durch an Erfindung und Ausführung gleich vorzügliche Lufter und wollen wir hier auch an deren viele Arbeiten aus Bronceröhren wie der Bettftellen, Fauteuils etc. erinnern. Chas Phillip, Blews& Sons, Beft& Lloyd, fowie Partridge& Comp. waren durch viele oft fehr reiche und meift techniſch vorzüglich ausgeführte Arbeiten in Bronceluftern vertreten.
Vom deutfchen Reiche find es meift Actiengefellfchaften aus Berlin, welche der Wiener Weltausftellung eine grofse Anzahl von Luftern felbft gröfster Dimenfion für Theater etc. und in mannigfaltigfter Form fandten. Man konnte bei diefen Objecten auch die Mitverwendung des Glafes wahrnehmen, was bei den Birminghamer Luftern nicht der Fall war.
Die glänzendften Leiftungen zeigte uns die Actiengeſellſchaft, vormals Walker in Berlin, dann kamen die Lufter der Actiengefellfchaft, vormals Spinn& Sohn in Berlin, die Objecte der Actiengeſellſchaft, vormals Schäfer& Haufchner in Berlin, welche die Leiftungsfähigkeit der Berliner Fabrikanten in currenten Artikeln darthun und die Schwierigkeit für unfere Fabrikanten, in diefen die Concurrenz mit Berlin und Birmingham beftehen zu können.
Aus Berlin fandte noch Kramme Lufter von reichem, wohl etwas kleinlichem Detail, aber vorzüglich fchöner und reiner Metallarbeit. Aus Mainz waren von einer Actiengefellfchaft für Gasapparate einige fchön mit Glas combinirte Lufter und ftilvoll gehaltene mächtige Gascandelaber exponirt.
Was aufser Luftern und Beleuchtungsgegenständen von kleinen Broncen vorhanden war, ift bald berichtet, insbefondere da den hierunter verftandenen Gegenständen die Selbftftändigkeit fehlt, um befonders zu intereffiren.
Selbft die reichhaltige Ausftellung von Ravené und Süfsmann aus Berlin in emaillirten Broncen liefs bei aller Vorzüglichkeit in der technifchen Ausführung, Farbenftimmung, Gravirung etc. in den Entwürfen die franzöfifchen Vorbilder erkennen. So war z. B. ein Tabakftänder nach der franzöfifchen Zeitfchrift ,, L'art pour tout" ausgeführt, hier und in derfelben Gruppe auf gleiche Art entftanden, bei einem Wiener Galanteriewaaren- Händler zu treffen. Sehr gelungen fanden wir bei Ravené& Süfsmann eine Collection von emaillirten Thürgriffen. Waagen& Comp. in Berlin hatten gute Candelaber, Statuetten und Thiergruppen ausgeftellt, die jedoch ebenfalls durch ähnliche franzöfifche Arbeiten ihre Vorbilder erhielten. Von Herxter in München waren einige nette Statuetten genreartigen Vorwurfes vorhanden.
Schliefslich wollen wir noch der Eigenthümlichkeit Erwähnung thun, dafs uns das deutfche Reich keine jener Nippesgegenstände, welche in der öfterreichiſchen Abtheilung eine fo auffällige Rolle fpielen, in Bronce fandte, dafür aber eine grofse Anzahl meift zu beftimmten praktifchen Zwecken dienende Artikel, sehr nett in Eifen gegoffen uns vorführte.