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Die Kurzwaaren-Industrie : (Gruppe X) ; Bericht / von Ludwig Hartmann, J. Weidmann und C. Th. Richter
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Galanteriewaaren aus Bronce, Leder- und Tafchnerwaaren.

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werden, die als Decorationsftücke im Salon aufgelegt werden, während fich jene Bände mehr für die Bibliothek eignen. Auch find die Koften fo hoch, dafs man prachtvolle, plaftifch ausgeftattete Werke, welche dem Gefchmacke des kaufenden Publicums beffer entsprechen, viel billiger ausführen kann.

F. Nowotny& Söhne ift einer der bedeutendften Fabrikanten billiger Lederwaare für den grofsen Export und hat uns auch feine couranten Mufter in reicher Auswahl gezeigt. Ignaz Lukfch bereicherte uns mit einem neuen Artikel, den er privilegiren liefs. Es find diefs Portemonnaies, Kartenetuis etc. aus einem gelblichen Kalbleder, auf welchem Holzflader in dunklerem Braun gedruckt ift. Wir finden es nun wohl begreiflich, wenn theures Material durch billigeres imitirt wird, halten es jedoch für widerfinnig, billiges Material, wie hier das Holz ift, durch das bedeutend theurere Leder zu imitiren. Es ift diefs eben wieder ein Beispiel jener Abfonderlichkeiten, zu denen manche Fabrikanten die Zuflucht nehmen, um Neues und Bizarres zu liefern, denn fo wie wir hier Holz durch Leder imitirt fahen, fo fanden wir bei einem anderen Fabrikanten in derfelben Gruppe umgekehrt Leder durch Holz nachgeahmt. Eduard Becher hatte fehr fchöne Albums ausgeftellt.

Die grofse Zahl der Wiener Ausfteller in diefem Induftriezweige erlaubt es nicht, jeden Einzelnen zu befprechen. Wir haben uns defshalb auf die Erften, Vorzüglichften befchränkt, find jedoch weit davon entfernt, behaupten zu wollen, dafs alle Uebrigen nicht auch faft durchwegs Gutes geleiftet.

Wenn wir, um gleich im Lande zu bleiben, auf die Wiener Tafchner­waaren- Induftrie übergehen, fo kommen wir auf die fchon früher erwähnte Bemerkung zurück, dafs das Vorzüglichfte von eingerichteten Säcken und gefchmackvollen Damentafchen in den Ausftellungen des Leder- Galanterie­waaren- Fabrikanten Auguft Klein, fowie der Lederwaaren- Händler Rofen­berg, Rodeck und Etz zu fehen war.

In dem Hofeinbau der Gruppe VI, wo die eigentlichen Tafchner aus­geftellt hatten, bemerkten wir eine grofse Pyramide von Koffern und einfachen Säcken. Ein Theil davon hatte feinen Urfprung in Hermann Kramer's Fabrik, eines unferer beften Tafchner. Wenn man ihm auch nicht nachfagen kann, dafs er hochfeine Waare oder mit grofsem Aufwand ausftellte, fo waren die Gegenftände doch alle gut und folid gearbeitet und wir find überzeugt, dafs er nur aus gefchäftlichen Rückfichten nicht mehr Reichthum entwickelte. Aus dem­felben Grunde vermifsten wir einen anderen, vorzüglichen Tafchner, Habermann. Neben Kramer hatte Schittenhelm, der wohl in letzter Zeit auch nicht mehr felbft fabricirt, courante Waaren, Koffer und Tafchen, ausgeftellt. Gabrieli brachte Jagdartikel und war in diefem Fache ziemlich der Einzige.

Demnächft am Beften vertreten waren Dürrmeyer, Würzel, Veitel etc. wenn man auch in all' dem Gebotenen den Wiener Artikel, der fich bei Leder­Galanteriewaaren fo charakteriftifch durch feine Feinheit kennzeichnet, nicht recht wieder findet. Ja fo manche Gefchmacksverwirrung erfchreckte uns geradezu. So hat ein Ausfteller Tafchen und Koffer gebracht aus fchwarzem Leder mit Pfauen. feder- Kielen, in überladener Weife nach den nichtsfagendften Zeichnungen geftickt, nach Art der Tiroler Gürtel. Ein Kofferfchlofs entdeckten wir in Form der Rotunde angefertigt Entfetzliche Begriffsverwirrung! Diefes Alles ift aber muftergiltig gegen das, was Herr Hochedlinger gefündigt. Man ftelle fich grofse Damen­koffer vor, aus Juchten, alfo einem theuren Materiale, mit Ornamenten in einer Weife und mit einer Verfchwendung beladen, dafs man nicht entfcheiden kann, ob das Zweckwidrige oder das Lächerliche vorherrfchend fei. Diefe Koffer find mit Meffing, Zinkblech und ftarken Nägeln kreuz und quer befchlagen, dazwifchen glitzern Platten von farbigem kryftallifirten Bleche, aufgenagelte blecherne Füll­hörner, darunter, als fielen fie eben heraus, verfilberte und vergoldete Kreuzer, Spielmarken, färbige Glasfteine u. f. w. in malerifchfter Unordnung und endlich als höchftes Refultat menfchlichen Erfindungsgeiftes waren an den Seiten auf­