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Tapeten und Buntpapier (Gruppe XI, Section 2) ; Schreib-, Zeichen- und Maler-Requisiten (Gruppe XI, Section 3), Buchbinderei, Cartonnage und Maschinen für Buchbinder (Gruppe XI, Section 4) ; Berichte / von Wilhelm Franz Exner ; Ignaz Nagel ; Conrad Berg
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Schreib-, Zeichen- und Malerrequifiten.

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begleitet bezeichnet werden müffen. Die deutfchen und viele öfterrreichifche Schreib- und Poftpapiere werden von den gleichartigen Producten des Auslandes kaum übertroffen, ja von vielen Ländern nicht erreicht. Die Ausftellung brachte Proben von glatten und gerippten, linirten und carrirten, matten und hochfatinirten Papieren in allen Feinheits- und Stärkegraden, in weifsen, blauen und bunten Stoffen aller Farben und Nuancen. Allein der Gefchmack, die Mode verlangt nunmehr auch vom Papier mehr als Reinheit, Glanz und Glätte. Die in Dingen des guten Gefchmackes und der eleganten Präfentation von Objecten vorangehen­den Franzofen haben, von dem Gedanken geleitet, dafs der günftige Eindruck, den ein fchönes Papier auf den Empfänger eines Briefes mache, durch eine orna­mentale Ausstattung erhöht werden müffe, feit Langem nicht nur zu Gratulations­briefen, Adreffen und dergl., auch für die Privatcorrefpondenz die mannigfaltigft gezackten, geprefsten und geprägten, fowie mit Ornamenten gefchmückten Luxus­und Phantafiepapiere verwendet.

Monogramme und Wappen. Sei es nun, dafs diefe von den Franzofen Marion, Bertout u. A. mit Kunftfinn gepflegte Gefchmacksrichtung durch fchlechte Erzeugniffe Anderer verdorben wurde, fei es, dafs die fo häufig wechfelnde Mode, die Sucht nach Neuem, die Vorliebe für die erwähnten Phantafiepapiere abfchwächte, Thatfache ift, dafs die feit Jahren von exclufiven Kreifen adoptirte Sitte. Einladungen, Menus, Vifites, Briefpapiere und Couverts mit Namenszügen oder Wappen zu fchmücken, auch in weiteren Kreifen Eingang fand, und das Monogramm, die zarte Blume, die oft fehr burleske, aber einfache Figur, die grofsen, bunten Bilder aus den feineren Briefpapieren verdrängte. Es mufs daher diefer Umfchwung als ein wohlthätiger, die neuere Gefchmacksrichtung als eine edlere bezeichnet werden, obgleich nicht geleugnet werden kann, dafs auch ein grofser Theil diefer Objecte keinen Anfpruch auf künftlerifchen Werth machen darf. Aus einem Vergleiche der meiften Producte diefer Art mit den weifsen und in Farben ausgeführten Monogrammen und Wappen Wyon's und Sulman's in London, mit den fchönen Monogrammen von Macquet in Paris und mit den pracht vollen Wappen und Monogrammen von Syré& Neffe in Wien wird man leicht den Unterſchied zwifchen Kunft- und Induftrieproducten erkennen.

Zu den beften Die Ausftellung brachte nur wenig aus diefer Branche. Arbeiten find diejenigen des erwähnten Hofgraveurs Wy on in London zu zählen, der fehr fchöne Graveurarbeiten mit reinen Prägeabdrücken geliefert hat. Seine Wappen- und Monogrammabdrücke find unftreitig zu den gelungenften Bronze­prägungen zu rechnen. Rymton und Prince aus Genf hatten Abbildungen von für Uhren und Schmuck beftimmte Monogramme ausgeftellt, die wunderfchön waren; Azzik Domenico aus Piacenza auf Kupferplatten erzeugte forgfältig gearbeitete Monogramme und Wappen.

Unter den öfterreichifchen Firmen ragen, als die vorzüglichften Erzeugniffe producirend, die Firmen Syré& Neffe und Theyer& Hardt­muth vortheilhaft hervor. Die von Syré& Neffe exponirten, reichhalti­gen Monogramme- und Wappentableaux enthielten eine Menge von aufser­ordentlich gelungenen Präge und Graveurarbeiten diefes Genres, die genial und fchwungvoll in Zeichnung und correct in der Ausführung, allen Anspruch auf die Bezeichnung Kunftproducte haben. Die Farben befafsen noch nach fechs­monatlicher Expofition ihre erfte Frifche, das Gold- im Gegenfatze zu einer - feinen vollen Glanz, und die einzel­Menge von Preffungen anderer Erzeugniffe nen Figuren hoben fich fcharf von einander ab. Den Theyer'fchen fonft gefchmackvollen Arbeiten mangelte theilweife correcte Zeichnung, und in der Ausführung jene Sorgfalt und Aufmerkſamkeit in der Behandlung der Details, welche die früher erwähnten Arbeiten fo befonders auszeichnen.

Aufser den erwähnten, mit Monogrammen verzierten Briefpapieren erfchie­nen auf der Ausftellung als Novität die unter der Benennung Papierconfectionen