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Ignaz Nagel.
reicher Abwechslung, wie fie felten ähnlich gefunden werden, und trotz feines kurzen Beftehens( 1872) befchäftigt das Haus 300 Arbeiter und verbraucht jährlich 7000 Rifs Papier. Oskar Müller in Leipzig( 1871) verarbeitet ebenfalls jährlich II Ballen diverfe Papiere, 28 Grofs Goldborden und 450 Centner Pappen zu Cartons u. A. Als reizende Specialität müffen wir die ausgeftellten Fenftergardinen aus Seidenpapier, die Spiegelfchleier, Fenftervorfätze, Lampenfchleier, Lichtmanfchetten und Lampenfchirme bezeichnen, die wie aus zarten Stoffen gewebt und mit den feinften Spitzen befetzt fchienen. Ebenfo hatte Prantl in München reizende originelle Lampenfchirme, auf beiden Seiten verwendbar, ausgeftellt. Hennig& Defeler in Berlin hatten nebft Luxuspapieren für Photographen und Conditoren prachtvolle Papierfächer und Wäfche. Auch fie befchäftigen 180 Arbeiter. Sehr hübfch waren auch die Papierfächer von Werner& Schumann. Ihre Specialität fcheinen Buchftaben aus lackirtem Stoffe. Ortlieb aus Strafsburg fchneidet hübfche Blumen aus Papier. In Metallpapieren, namentlich Goldund Silberborden und anderen Cartonnageverzierungen, fowie Bronzefarben dürfte Hänle in München einer der vorzüglichften und bedeutendften fein( 600 Arbeiter), fowie Hartwig's( Offenbach) Fabricate aus Leder und Papiermaché, geprefste Ornamente unftreitig zu den beften Producten diefer ganzen Branche gehören. Heiglin in München verlegt fich faft ausfchliefslich auf Confection in Trauerpapieren und Couverts, die er in grofsen Mengen und gut erzeugt, während Afchenbrenner in München Mannigfaltiges und Originelles in geprefsten Bilderrahmen lieferte. Noch eine Menge anderer Firmen hatten elegante und gelungene Producte diefes Genres gebracht; wir müffen uns jedoch verfagen, fie alle namentlich anzuführen; was wir jedoch erwähnen müffen, ift, dafs diefe Gefchäftsbranche glänzend vertreten war, und dafs in Deutfchland ein Gefchmack, eine Thätigkeit auf diefem Felde herrfcht, die ihm einen der erften Plätze in der betreffenden Branche anweift.
O efterreich war auf diefem fpeciellen Gebiete nur fchwach vertreten, aber das Wenige, was die Ausftellung brachte, bekundet das Streben, nur Befferes und Gediegeneres zu liefern. Die Expofition der Brüder Ofterfetzer in Wien zeigte Lampenfchirme, Bouquethalter, Spitzen- und Tellerpapiere, die fehr viel Gefchmack und Fertigkeit in der Behandlung des einfachen Papierftoffes bedingen. Das durch die genannte Firma im Jahre 1861 begonnene, und mit vieler Mühe in Oefterreich eingeführte Gefchäft erzeugt nunmehr Producte, die im Inlande fehr beliebt geworden, und auch im Auslande- trotz der grofsen Concurrenz- ftarken Abfatz finden. Die Vitrinen von F. Halik und W. Kutfchera in Wien enthielten fehr hübfche gelungene Papierblumen und Bouquets, die Expofition von Guftav Schuler in Teplitz gefchmackvolle Prägearbeiten und Papierverzierungen in Gold und Silber, und G. Jelinek in Wien hatte recht fauber gearbeitete Bilderrahmen und gutes Albuminpapier zur Ausftellung gebracht. Wenn auch nicht in allen der vorgenannten Zweige, aber im Grofsen und Ganzen find die Refultate, welche die öfterreichiſche Papierwaaren- Induftrie aufzuweifen hat, fehr günftige zu nennen; die Einfuhr an genannten Artikeln ift eine höchft geringe, während die Ausfuhr fich in den letzten Jahren bedeutend gehoben hat. Die erftere betrug im Jahre 1872: 427.035 fl. die letztere 2,577.784 fl.
Schreibmaterialien.
Papier. Die Bemühungen unferer und der Papierfabrikanten anderer Staaten zur Herftellung eines allen Anforderungen und Bedürfniffen entſprechenden Schreibmaterials find an anderer Stelle eingehend gewürdigt worden. Hier sei nur erwähnt, dafs diefe einmüthigen Strebungen als vom beften Erfolge
* E. Twerdy die Papierinduftrie, Bericht über Gruppe XI. Section 1.