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Tapeten und Buntpapier (Gruppe XI, Section 2) ; Schreib-, Zeichen- und Maler-Requisiten (Gruppe XI, Section 3), Buchbinderei, Cartonnage und Maschinen für Buchbinder (Gruppe XI, Section 4) ; Berichte / von Wilhelm Franz Exner ; Ignaz Nagel ; Conrad Berg
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Schreib-, Zeichen- und Malerrequifiten.

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Mafchinen die zur Regulirung der Elafticität nothwendigen Löcher( Lückchen) oder Seitenfpalten bekommt. Die Federplättchen find noch immer ziemlich hart, und müffen nun, um die nächften Proceffe zu paffiren, ausgeglüht, das heifst weich gemacht werden. Nachdem diefs gefchehen, wird den Plättchen der felten fehlende Name oder eine Verzierung eingeprägt und erft dann bekommen fie in einer weiteren Mafchine die aufgebogene, kielförmige Form. Die Feder ift nach diefer Procedur noch ganz weich, fo dafs fie wie Blei hin- und hergebogen werden kann, und mufs jetzt gehärtet werden. Diefer Procefs geht in fogenannten Härten­öfen( Muffles), wo die Federn beinahe bis zur Weifsglühhitze erhitzt werden, vor fich. Die Abkühlung gefchieht in Oel, welches die Qualität des Stahles weniger beeinträchtigt als Waffer. Die fo gehärtete Feder ift äufserft fpröde und läfst fich mit den Fingern zerbröckeln. Der Stahl ift wieder harter Gufsftahl geworden, den die härtefte Feile nicht angreift und dem nun, um Elafticität zu erlangen, die heikliche Procedur des Temperirens bevorfteht. Durch längeres Erhitzen kann bekanntlich der harte Gufsftahl wieder weich und bleiartig gemacht werden, wobei er bei fteigender Hitze zuerft eine leichte gelbliche, dann nach einander eine goldgelbe, purpurrothe, blaue, lichtblaue, grünliche und zuletzt, wenn wieder weich, eine weifse Farbe annimmt. Es ift, wie wenn das kurze Korn des Gufsftahles nach und nach eine geftreckte, faferartige Form annehme und dadurch die Elafti­cität gewänne. Diefes Nachlaffen oder Temperiren der Federn gefchieht in Trommeln über einem gelinden Feuer und ift am beften dem Röften des Kaffee's zu vergleichen. Die Federn werden fo lange geröftet, bis fie eine tiefblaue Farbe angenommen haben, in welchem Status der Härte der Stahl die dauerhaftefte Elafticität befitzt. Die Feder bedeckt nunmehr eine Art härtere, fprödere Rinde, Epidermis, welche an den Spitzen und oberhalb des Spaltes da, wo die Haupt­action der Feder beim Schreiben fitzt, durch Schleifen entfernt wird. Die Feder gewinnt dadurch bedeutend an Elafticität. Erft, nachdem die Feder gefchliffen, was bei den mittleren und befferen Sorten ftets der Fall ist, wird fie gefpalten und zwar wieder auf einer neuen Mafchine, deren Einrichtung im Principe der Scheere zu vergleichen ift. Ein richtiger gerader Spalt ift eine der Hauptbedin gungen einer guten Feder.

Die Feder wäre nun fo ziemlich fertig; um aber zum Gebrauche tauglich zu werden, mufs fie erft von den noch anhängenden Schlacken gereinigt und gefcheuert werden; die Spitzen müffen ihre fcharfen, kratzenden und in das Papier einfchneidenden Kanten verlieren. Diefs gefchieht durch tagelanges Scheuern in verfchiedenen Ingredienzien, und je länger diefs fortgefetzt wird, defto fanfter und angenehmer geht die Feder, defto glänzender weifs wird fie.

Weifs ift die Grundfarbe jeder fertigen Stahlfeder, und die verfchiedenen Farben, in denen der Artikel im Handel vorkommt, find eben lediglich und nichts Anderes als Farben, welche je nach dem dazu verwendeten Lacke oder gal vanifchem Metallüberzuge variiren, die aber mit der eigentlichen Qualität der Feder fchlechterdings nichts zu fchaffen haben. Ein Lacküberzug fchützt natürlich die Feder gegen fchnelleres Roften, ebenfo galvaniſche Metallüberzüge, und von diefen find leicht verftändlich die aus edlen Metallen, namentlich Gold, am zweck­dienlichften. Federn, die ein fo koftbares Gewand bekommen, find auch ftets befonders forgfältig angefertigt.

Sehr viel hängt allerdings in diefem Artikel von einer guten Waare, noch mehr von der richtigen Wahl der Feder ab. Erfte Bedingung ift, dafs eine gehörige dicke Schreibunterlage, kein zu fchlechtes Papier und eine gute flüffige Tinte benützt wird. Ift die Feder für den Schreibenden zu hart oder zu fpitzig, fo mufs eine weichere, refpective ftumpfere Sorte gewählt werden; läfst die Feder Striche

* Federn, denen keine Firma aufgeprägt ift, fondern nur eine allgemeine Bezeichnung wie: Correfpondenzfeder, Schulfeder, Patentfeder etc., gehören zu den geringften Erzeugniffen denen der betreffende Fabrikant defshalb feinen Nameu nicht geben mag.