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Tapeten und Buntpapier (Gruppe XI, Section 2) ; Schreib-, Zeichen- und Maler-Requisiten (Gruppe XI, Section 3), Buchbinderei, Cartonnage und Maschinen für Buchbinder (Gruppe XI, Section 4) ; Berichte / von Wilhelm Franz Exner ; Ignaz Nagel ; Conrad Berg
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Ignaz Nagel

aus, oder läfst fie Tinte fallen, fo ift fie für den Schreibenden zu elaftifch, oft auch zu ftumpf. Es liegt ferner viel daran, ob die Feder fehr horizontal oder fehr aufrecht gehalten wird, in welch' erfterem Falle eine Feder mit abwärts gebogenen, in letzterem eine Feder mit geradftehenden Spitzen gewählt werden mufs; ebenfo verhält es fich, ob an einem horizontalen Tifche oder an einem fchrägen Pulte gefchrieben wird. Federn mit aufwärts ftehenden Spitzen taugen in der Regel nicht viel.

Wie aus Obigem erfichtlich, erfordert die fragliche Fabrication viel Sorg falt, tüchtig gefchulte Arbeiter und ganz befonders gut conftruirte Hilfsmafchinen. Diefs mag auch die Urfache fein, wefshalb fich die Stahlfedern- Fabrication faft nur auf Frankreich und England, und auch hier nur auf Birmingham befchränkt. Deutfchland hat nur eine, Oefterreich ebenfalls eine, die übrigen europäiſchen Staaten haben unferes Wiffens gar keine, Amerika foll zwei Stahl- Schreibfeder­Fabriken haben.

Schwierig wie die Herftellung ift die Befriedigung der Ansprüche des Publicums in diefem Artikel. Es exiftiren mindeftens taufend diverfe Nummern derfelben, und auch diefe Zahl genügt noch nicht, um alle Wünſche zu erfüllen. Als Fortfchritt mufs es bezeichnet werden, dafs die Fabrication diefen Wünſchen Rechnung trägt. Federn für zarte und fchwere Hände, für fehr dünne, feine, wie für rauhe, ftarke Papiere, fowie für Pappendeckel, für Correfpondenz- und Buch­führung, für Rond und Schnellfchriften, für autographifche und kalligraphifche Arbeiten, für die feine, faft aller Schattenftriche entbehrende englifche und amerikaniſche, wie für die hebräifche und griechifche Schrift werden nun in allen Härtegraden hergestellt.

Ebenfo irrige Meinungen wie über die Fabrication beftehen über die Erfindung der Stahl- Schreibfedern. Sicher ift, dafs fie eine Erfindung unferes Jahrhunderts, und dafs England ihre Urfprungftätte ift. Dafs James Perry, wie bisher häufig behauptet worden, ihr Erfinder fei, wird nun allgemein beftritten. Sorgfältige Recherchen, die wir in Birmingham angeftellt, ergaben, dafs ein Meffingarbeiter in Sheffield der Erfte war, welcher auf die Idee kam, Schreibfedern aus Stahl zu machen, und dafs ein Spängler, Namens Skipper in Sheffield, folche Federn nachher in gröfseren Mengen verfertigte. Sein Sohn führte diefe Idee weiter aus, und zwar, wie es in der betreffenden Quelle heifst, vor nahezu fünfzig Jahren. Ein in Birmingham befchäftigter Stahlfeder- Arbeiter erinnert fich genau, im Jahre 1816 in einer Hauptftrafse Sheffields an einem Fenfter die Anzeige gelefen zu haben: Hier werden Stahlfedern zu fechs Pence das Stück reparirt." In Birmingham war es ein gewiffer Spittle, der Stahlfedern, aber mit der Hand, verfertigte. Nach ihm waren es die Brüder John& William Mitchell, die vor circa fünfundvierzig Jahren Stahlfedern im Grofsen, d. h. mittelft Mafchinen fabricirten. Später trat dann Perry, der 1830 ein Patent für die erfte Stahlfeder erhielt, und dann Guillot auf, welch' Letzterer die Fabrication bei Mitchell gelernt hatte.

Seit diefer Zeit haben fich in Birgmingham II bedeutende Fabriken etablirt, die wochentlich circa 140.000 Grofs Stahlfedern erzeugen. Eine der gröfsten und leiftungsfähigften Fabriken ift jene von Jofef Gillot and Sons, deren Erzeug­niffe der Lefer auf der Ausftellung gefehen, und wegen ihres höchft gefchmack­vollen Arrangements, fowie wegen ihrer glänzenden Polituren bewundert haben dürfte. Gillot erzeugt fehr folide Waare, und find deffen Buch-, Lithographie-, und Autographiefedern befonders beliebt. Die ausgeftellten bunten und damascirten Federn zeugen von vielem Gefchmack und von der Kunft, welch' reizende Form man der kleinen Feder zu verleihen vermag; einen praktifchen Nutzen haben diefelben nicht.

C. Brandauer war der zweite Repräfentant der englifchen Stahl- Schreib federn- Fabrikation auf der Ausftellung. Ein Deutfcher von Geburt, koftete es Brandauer viele Anftrengungen, um fich einen Gefchäftsboden und einen Kundenkreis in England zu erkämpfen. Heute zählt die Firma zu den geachtetften,