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Tapeten und Buntpapier (Gruppe XI, Section 2) ; Schreib-, Zeichen- und Maler-Requisiten (Gruppe XI, Section 3), Buchbinderei, Cartonnage und Maschinen für Buchbinder (Gruppe XI, Section 4) ; Berichte / von Wilhelm Franz Exner ; Ignaz Nagel ; Conrad Berg
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Ignaz Nagel

Farben, worin es Erfolgreiches geleiftet hat. Das erftgenannte Haus, 1788 von Lam­bertye gegründet, und 1842 an die gegenwärtige Firma übergegangen, ift nicht nur einer der älteften, fondern auch würdigften Repräfentanten diefes Faches in Frank­reich. Seine Thätigkeit erftreckt fich auf die Da ftellung von Paftell-, Aquarell- und Oelfarben, ferner auf die Präparation feuchter Farben für Freskomalerei, auf Farben in Schalen für Miniaturmalerei, fowie für Photographie, auf die Bereitung von Lacken, Maler- Leinwand und Malerpinfeln und neuerer Zeit auf die Verfertigung von Portecrayons. Sowohl die matten als transparenten Oelfarben diefer Firma find wunderfchön; feine Carmin- und Indigofarben von einer Kraft und einem Feuer, wie fie felten gefunden werden. Eine Specialität diefer Firmen find fehr gute Kreideftifte. Eines befonderen Rufes erfreuen fich die Oelfarben wegen ihrer leichten Trocknungsfähigkeit und Haltbarkeit.

Von fehr fchönem Colorit find die feuchten Farben, mit befonderer Sorg­falt zubereitet die Aquarellfarben von Brunnfchweiler& Sohn in St. Gallen. Auch Dr. Merk in Frauenfeld hat folide haltbare Farben eingefendet.

Die Vereinigten Staaten fandten Zwei Glaskäften mit Malerfarben, wovon der eine Chas. Mofer& Comp. in Cincinnati gehörend, eine reiche Aus wahl von Oelfarben in grofsen Tubes enthielt; die Farben waren aus gutem Material, höchft forgfältig zubereitet und hatten fich trotz ihres Alters von circa acht Monaten fehr gut confervirt. Der Kaften Janentzky's( Philadelphia) enthielt trockene Malerfarben in allen Farben und Nuancen, dem Anfcheine nach fehr hübfch, der Unterfuchung aber nicht zugänglich.

Eine vollständige Sammlung von vorzüglichen Malerrequifiten enthielt die Ausstellung von H. Bormann Nachfolger in Berlin, der ein fpecielles Material magazin für Künftler hält und die Fabrication diefer Materialien im Grofsen betreibt. Die Tufch- und Aquarellfarben von Aumüller in München find eine allgemein bekannte gute Waare; als ausgezeichnet müffen die Oelfarben von Kreul in Nürnberg bezeichnet werden. Dr. Jung aus Arnftadt debutirte mit einer Sammlung hübfcher Kinderfarben. A. Martin in Stuttgart ift wegen feiner guten Malerfarben vortheilhaft bekannt. Ebenfo Wagner- Günther in Hannover, der fchöne Farbencaffeten mit feinen Waaren, befonders technifchen Farben brachte. In Oefterreich geniefsen Anreiter's Aquarellfarben einen guten Ruf, den fie durch die ausgeftellten fchönen Producte neu begründet haben. Auch die gleichen Producte von Komarek in Pilfen waren gut präparirt. Sehr verdienftlich hatte Neumann in Wien ausgeftellt; als befonders gut müffen deffen Honigfarben wegen ihrer Haltbarkeit und Ausgiebigkeit bezeichnet werden, und ift zu bedauern, dafs die Producte Neumann's von der Jury gänzlich ignorirt wurden. A. Maurer hatte nebft feiner Malerleinwand feine Oelfarben für Künftler ausgeftellt, die wirklich unter die vorzüglichften Fabricate diefer Branche zu zählen find.

Zu den werthvollften Collectionen von Malerfarben der verfchiedenartigften Gattungen mufs die japanefifche gezählt werden. Der einheimifche Ocker und Zinnober ift berühmt, deffen Behandlung macht ihn zu einem echten Kunftmaterial.

Tufche. Die Bereitung der echten chinefifchen Tufche ift trotz der zahlreichen Mittheilungen in technologifchen Zeitfchriften und Werken noch immer ein Geheimnifs, das auch durch die neueften Ausftellungen nicht enthüllt worden ift. Sicher ift nur, dafs fich die Chinefen zur Herftellung ihrer Tufche des Kienrufses( Chinn Me oder Kinn- Mak), des Leimes und gewiffer ätherifcher Oele bedienen und dafs vielen derfelben wohlriechende Subftanzen beigemengt werden. Die Vorzüge der Tufche hängen hauptfächlich von der Bereitung des Rufs­schwarzes ab. Das Rufsfchwarz zu Primaforten wird durch langfame und forg­fältige Verbrennung gewiffer Oele gewonnen. Das Gefäfs( die Lampe), mittelft deffen die Verbrennung vorgenommen wird, und in dem fich ein Binfendocht befindet, ift oval und derart conftruirt, dafs während der Verbrennung des Oeles. faft jeder Luftzutritt ausgefchloffen ift und der durch den Verbrennungsprocefs