Dokument 
Tapeten und Buntpapier (Gruppe XI, Section 2) ; Schreib-, Zeichen- und Maler-Requisiten (Gruppe XI, Section 3), Buchbinderei, Cartonnage und Maschinen für Buchbinder (Gruppe XI, Section 4) ; Berichte / von Wilhelm Franz Exner ; Ignaz Nagel ; Conrad Berg
Entstehung
Seite
39
Einzelbild herunterladen

Schreib-, Zeichen- und Malerrequifiten.

89

entſtehende Rufs fich an den Wänden des genannten Gefäfses anlegen mufs. Aus diefem Rufse wird die fogenannte Nanquintufche bereitet. Die fernere Bereitungs­weife befteht darin, dafs man in ein mit Rufs gefülltes irdenes Gefäfs eine kochende Auflöfung von Leimwaffer giefst, die beiden Subftanzen durch Umrühren gut vermifcht, dann erkalten läfst, und wenn die Maffe hinreichend feft geworden, mit dem Formen beginnt. Die Formen find in länglich viereckigen Platten von hartem Holz gefchnitten, die mit Zeichnungen( Marke, Firma etc.) eingravirt find. Auf diefe Weife bilden fich kleine Stangen, die man an der Luft trocknet, worauf die an den­felben eingedrückten Zeichnungen mit Farben, meift jedoch mit Gold bemalt werden. Die beften Tufchforten, zu denen nur geruchlofer, vollkommen gereinigter Leim verwendet, und denen Sefamöl oder irgend ein Balfam beigefetzt wird, erkennt man an dem Glanze ihres Bruches, dem feinen Korne und an ihrer leichten Zerreibbar­keit und Ausgiebigkeit; der Geruch ift niemals ein richtiges Erkennungsmittel, weil auch nachgeahmte, fchlechte Fabricate oft dasfelbe Aroma haben. Die meiſten der ausgeftellten chinefifchen Tufche waren nicht Primawaare und ermangelten der vor­züglichen Eigenfchaften, welche fonft diefen Fabricaten in fo hohem Grade eigen find. Die Bereitung der japanefifchen Tufche ift wenig verfchieden von der oben befchriebenen. Der Lampenrufs fammelt fich an einem über der Lampe angebrachten Deckel und wird dann mit vorzüglichem Leim, aus Ochfenhaut bereitet, verfetzt. Das zum Speifen des Dochtes verwendete Oel ift entweder fehr feines Rübfamen- oder beffer Sefamöl. Das Kneten der Maffe gefchieht mit den Händen in einem mit doppelten Wänden verfehenen kupfernen Troge. Die Maffe wird ebenfalls in hölzernen Formen geformt, und auf warmer Afche zwifchen Papierlagen langfam getrocknet; zu den feinften Sorten wird als Parfum Borneo­kampher, wovon das Pfund circa 100 fl. koftet, oder Safflorextract genommen. Trotz der fehr forgfältigen Bereitungsweife und des fehr hohen Preifes fteht der japanefifche Tufch weit hinter dem chinefifchen zurück. Ein von der chinefifchen Commiffion ausgeftelltes grofses Tableau mit Tufchen war der Unterfuchung des Berichterstatters nicht zugänglich, doch fcheint es beffere Fabricate enthalten zu haben, da es das Jurymitglied diefer Claffe für fich acquirirte. Die übrigen aus­geftellten Mufter waren von keiner befonders guten Qualität.

Die fogenannte Schreibtufche wird aus gewöhnlichem Kienrufs und Leim bereitet, und ift zum Zeichnen nicht zu verwenden.

Eine der feltenften Sammlungen von Tufchen hatten Gebrüder Leichtlin aus Carlsruhe zur Anfchauung gebracht.

In Frankreich fowohl als auch in Deutfchland werden gleichfalls Tufche. angefertigt, allein die Verfuche zur Nachahmung der echten chinefifchen Tufche haben bisher nicht zu dem gewünſchten Refultate geführt, was umfomehr zu bedauern ift, als die befte echte chinefifche Tufche nur felten zur Ausfuhr gelangt. Paillard aus Paris und Bormann Nachfolger hatten unter ihren Maler­requifiten auch Tufche vorgelegt.

Malerpinfel. Für diefen in vollendeter Weife nur fchwer herzuftellenden Artikel hat die diesjährige Ausstellung nur wenig Anhaltspunkte zu Vergleichen geboten. Weder England noch Frankreich hatten fich wenn wir von der kleinen Collection Pinfel abfehen, denen Paillard einen Winkel in feinem Maler­requifiten- Kaften einräumte an diefer Ausftellung betheiligt.

-

Und doch ift Frankreich oder eigentlich Paris der erfte Platz, die Schule für diefen Fabricationszweig; Beweis deffen die Lieferung von Taufenden von feinen Pinfeln nach London, das felbft fehr viele und tüchtige Pinfelmacher auf­weift, fowie die Anzahl von 2000 Arbeitern, die fich mit diefem Artikel befchäf­tigen, deffen jährlicher Umfatz circa 3 Millionen Francs beträgt.

Auch das erfte deutfche Haus Meunier in München fehlte. Dagegen zeigte das von der Firma C. G. Beifsbarth in Nürnberg ausgeftellte Tableau von Malerpinfeln eine Reihe der verfchiedenartigften Pinfel vorzüglicher Qualität. Die feit 30 Jahren beftehende, ebenfo thätige als ftrebfame Firma hat fich einen