Dokument 
Tapeten und Buntpapier (Gruppe XI, Section 2) ; Schreib-, Zeichen- und Maler-Requisiten (Gruppe XI, Section 3), Buchbinderei, Cartonnage und Maschinen für Buchbinder (Gruppe XI, Section 4) ; Berichte / von Wilhelm Franz Exner ; Ignaz Nagel ; Conrad Berg
Entstehung
Seite
56
Einzelbild herunterladen

56

Conrad Berg.

Buchbinderei- Mafchinen.

Bei faft allen Induftriezweigen ift heutzutage die Verwendung von Mafchinen nahezu pflichtgeboten. Die raftlos fich mehrende Concurrenz erheifcht möglichft fabriksmäfsigen Betrieb, und forgfältige Haushaltung mit Zeit und Arbeitskraft, was nur durch zweckmäfsige Verwendung von gut conftruirten Mafchinen erzielt werden kann.

Wir wollen den für Buchbinder- Zwecke beftimmten und ausgeftellt gewe­fenen Mafchinen einige Worte widmen

Sehr bedauerlich ift der Umftand, dafs England in diefer Richtung nicht vertreten war und Frankreich nur ein einziges Object und zwar eine Befchneid­mafchine ausgeftellt hatte. Dagegen waren Oefterreich( Wien) und Deutfchland um fo glänzender vertreten. Schneidmafchinen werden bekanntlich nach vielfachen mehr oder minder präcifen Conftructionen erzeugt. Die befte derartige Mafchine hat Poirier, eine renommirte Firma von Paris, ausgeftellt, die alle bisher dage­wefenen fowohl an Eleganz der Conftruction wie an Präcifion ihrer Leiftung hin­fichtlich der Gleichheit des Schnittes und Schnelligkeit der Arbeit übertrifft.

In den meiften deutfchen und öfterreichifchen Buchbindereien fehr beliebt find die Mafchinen von Carl Kraufe in Leipzig. Er conftruirt in vorzüglichfter Güte: Vergolderpreffen, Befchneidmafchinen, Rückenmafchinen, Walzwerke etc. Die von ihm exponirte Befchneidmafchine neuefter Conftruction ift ganz von Eifen mit genau fenkrechter Mefferführung, excentrifcher Bewegung, mit Zug­fchnitt und ftellbarem Tifche verfehen. Als überzeugendfter Beweis für die Treff­lichkeit der Leiftung diefer Mafchinė dürfte die Conftatirung der Thatfache genügen, dafs einige taufend Exemplare derfelben in acht verfchiedenen Gröfsen in Deutfchland, Oefterreich, in der Schweiz und in Rufsland von den Buchbindern und Papierfabrikanten dankbar benützt werden.

Dank diefem bedeutenden Abfatze vermag Kraufe die billigften Preife zu ftellen, und es koftet z. B. die kleinfte diefer Mafchinen mit einer Schnittlänge von 495 Millimeter in der Breite und 130 Millimeter Höhe nur 135 Thaler preufsifch Courant.

Kraufe exponirte ferners eine Vergolderpreffe, gleichfalls ganz von Eifen mit prismatifch ftellbarer Tiegelführung, eine ausgezeichnet conftruirte Mafchine, die bereits von faft allen gröfseren Buchbindereien mit Vorliebe verwendet wird. Er liefert diefelbe in 9 verfchiedenen Gröfsen; deren kleinfte bietet eine Druck­fläche von 189 bis 235 Millimeter und koftet nur 130 Thaler. Seine Mafchinen find nicht nur in ihrer Totalität vortrefflich conftruirt, fondern auch im Gufs und in der Arbeit der einzelnen Theile gediegen. Kraufe hat als einer der tüchtigften Mechaniker in diefem Fache bereits einen Weltruf erlangt, fämmtliche von ihm ausgeftellten Mafchinen wurden angekauft. Er liefert alle feine Mafchinen in gleicher Güte, fo zum Hand- als zum Dampfbetriebe conftruirt.

Gebrüder Heim in Offenbach haben ebenfalls fehr gut conftruirte Mafchinen für Buchbinderei gebracht und verdienen dankbares Lob.

Jeanrenaud, frühere Firma Henke in Wien, exponirte fehr folid und doch zart gebaute Mafchinen für Buchbinderzwecke; befonders erwähnenswerth find feine Balancirpreffen, für die fchon fein Vorgänger bedeutenden Abfatz fand.

Aufser den angeführten Mafchinen werden noch manche andere in Buchbinder- Werkstätten verwendet und befanden fich auch unter den diefsfälligen Ausstellungsobjecten; doch werden folche nur zu fehr einfachen Verrichtungen gebraucht und verdienen daher keine nähere Befprechung.