Dokument 
Kupfer- und Stahlstich-Druck (Gruppe XII, Section 2 und Gruppe XXV, d.) ; Lithographie und Chromographie (Gruppe XII, Section 4 und Gruppe XXV, c.) ; Berichte / von Louis Jakoby ; Conrad Grefe
Entstehung
Seite
3
Einzelbild herunterladen

Kupfer- und Stahlftich- Druck.

3

platten zu verwenden. Die nothwendige Folge davon war, dafs die Künftler, um das fchwerer zu bearbeitende Metall bewältigen zu können, auf allerlei mecha­nifche Hilfsmittel verfielen.

Einmal verbunden mit dem Mechanismus wurde der Künftler die Geifter, die er befchworen, nicht wieder los. Das Roullet, die Cinier und andere Mafchi­nen corrumpirten fein Auge und Gefühl. Er wollte es der Mafchine gleichthun und machte fchön in und an einander gefügte Linien, wo er Formen und Töne fchaffen follte.

Wenige erhielten fich ihr künftlerifches Theil und ihr Name wird defshalb um fo glänzender in der Gefchichte diefer Kunft beftehen bleiben.

Da endlich, vor ungefähr 20 Jahren rief die Wiffenfchaft diefem mechani­fchen Treiben ihr Halt zu. Die Photographie machte nicht nur diefem feelen­lofen unkünftlerifchen Thun Concurrenz, fie befiegte es und half der Kunft wieder zu ihrem Rechte.

Das die Atmoſphäre reinigende Ungewitter richtete aber auch gleichzeitig viel Zerftörung an. Die Factoren zum Wiederaufbau, die Befteller waren ent­muthigt und die ftaatliche Vorfehung blieb, ausgenommen in Frankreich, abfeits mit verfchränkten Armen ftehen. Eine Panique hatte die fchwachen und zweifel­haften Kräfte ergriffen und die Reihen gelichtet.

Je mehr Liebe den Einzelnen für feine Kunft erfüllte, fein ganzes Sinnen in diefer eben aufgehen machte, je niedergefchlagener wurde er, fah er die Maffe, zu denen ja auch viele Künftler gehörten, das Kind mit dem Bade ausfchütten, der verblüffenden Neuheit zujubelnd, die Töne des Werkels andächtig für die Mufik nehmen, die allein Menfchen machen können, und der Kunft kaum noch einen Blick fchenken.

-

Die Leidenfchaft, mit der er gegen diefe Anfchauungen und ihre Einwir­kungen ankämpfte, fonft ein Bürge für die innerliche Wahrheit feines Wollens, war ohnmächtig gegen die Alles überfluthende, von gefchäftlicher Reclame unter­ftützte Mode. Die Kunft des Kupferftiches wurde entbehrlich genannt und dem Künftler half kein Weh und Ach in den Zeitungen, ihm blieb alldem gegenüber nur die Refignation, abzuwarten, bis die Zeit folche Gefchmacksverirrung beffere. Ein folcher Zuftand konnte nicht lange dauern. Empfindung, Verſtändnifs, Gefchicklichkeit, alle Gaben, die den Menfchen zum Künftler machen, durften auch hier auf den endlichen Sieg ihrer Leiftungen bauen.

Aber erft mit dem Erkennen der Unzulänglichkeit des phyfikalifchen Pro­ceffes der Reproduction ftellte fich nach und nach auch wieder ein Zuwenden zur Kunft ein.

Wie früher die Photographie den Mechanismus übertroffen und fo lahm gelegt hatte, fo entſtand jetzt eine Reaction gegen die Camera obfcura. Man fah fich nicht allein fatt an dem füfsen, ausdruckslofen Ton, erkannte nicht allein die Unwahrheit in der Wiedergabe von kalten oder warmen Farben und der dadurch bewirkten Unrichtigkeit der Modellation der Form bei bemalten Flächen, man fing auch an, das Erkennen des Gewebes der Leinwand, der Flecke und der Zer­ftörung in den Bildern eine Brutalität zu nennen. Man erkannte, dafs die lange identifch gehaltene Wiedergabe eine falfche fei, die feelenlofe mechanifche Reproduction nur eine neue Auflage erhalten habe und, um vor der Reproduction künftleriſch geniefsen zu können, diefe nur aber wieder künftlerifch entstanden

fein müffe.

Vor der erfreulichen Thatfache der Wiederbelebung diefer Kunft fahen wir uns auf der letzten Ausftellung. Vom Mechanismus befreit, fördert die Kunft wieder die Liebe und Freude des Befchauers.

Von Fortfchritten ift in diefer wie ja auf dem Gebiete der ganzen bilden­den Kunft nur bedingungsweife zu fprechen, rechnen wir die Befreiung von den mechanifchen Hilfsmitteln ab. Ein Kunftzweig, hier oder dort mehr gepflegt,