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Bier, Malz, sowie Maschinen und Apparate für Brauereien und Mälzereiern (Gruppe IV, Section 2) : Bericht ; Andere gegohrene Flüssigkeiten (Gruppe IV, Section 3) : Bericht / von Gustav Noback / von Eduard Schmidt
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Dr. Eduard Schmidt.

Die beften und feinften Liqueure werden ftets nur durch Deftillation der aromatifchen Pflanzenftoffe mittelft Waffer, oder verdünnten Spiritus bereitet. Die einfachere Herftellung der Liqueure auf kaltem Wege, mittelft ätherifcher Oele in Sprit gelöft, wird niemals ein fo feines und liebliches Fabricat liefern wie jenes aus Deftillaten, weil die im Handel vorkommenden ätherifchen Oele durch Alter verändert oder gefälfcht find. Ferner werden auch gewiffe Liqueure und Schnäpfe aus Tincturen allein bereitet, welche aus aromatifch bitteren Pflanzen­ftoffen mittelft verdünnten Spiritus durch Maceration oder Digeftion ausgezogen. werden. Der Spiritus löft neben den aromatifchen Oelen auch die bitteren und färbigen, die fogenannten Extractivftoffe auf, welche als concentrirte Tinctur filtrirt mit der erforderlichen Menge von Sprit, Waffer und Zuckerlöfung vermifcht wird. Sehr häufig benützt man die concentrirten Tincturen als Zufatz bei der Darftellung von Liqueuren aus Deftillaten oder ätherifchen Oelen, um denfelben einen kräftigeren Gefchmack und eine angenehme Bitterkeit zu verleihen.

Die Liqueure aus Fruchtfäften, Ratafias genannt, werden durch Zerquetfchen oder Ausdrücken der Früchte, durch Vermifchen der Säfte mit Sprit und Verfetzen mit Zuckerfyrup erhalten.

Diefe verfchiedenen Liqueure fpielen, hervorgerufen durch die feit Jahren wachfende Confumtion, eine bedeutende Rolle.

Einige darunter haben fich eine nationale Gunft erworben, während andere durch ihre fchädlichen, ja heillofen Wirkungen zum Glücke mehr verfchwinden und deren Genufs verboten werden mufste, wie feiner Zeit der Abfynth in der franzöfifchen Armee Algeriens.

Effige. Von Effigen fand fich auf der Ausftellung ebenfalls eine grofse Auswahl, die in Betracht zu ziehen und in drei Claffen einzutheilen find:

Erftens die Weineffige, welche blofs in weinreichen Ländern erzeugt werden und die als Speife- Effige vor Allem den Vorzug des reinen Gefchmacks und Aromas haben.

Zweitens die Branntwein- oder Spiritus effige, die jetzt wohl die ver­breitetften und durch die Schnellfabrication in grofsem Mafsftabe erzeugt werden. Man verwendet dazu Rohfpiritus oder Branntwein, welcher mit Effig und Waffer auf 6 Percent bis 8 Percent Tralles verdünnt und der Einwirkung der warmen Luft bei einer möglichft gleichmäfsigen Temperatur von 26 Grad bis 30 Grad Réaumur in geeigneten Apparaten( welche man Effigbilder nennt) ausgefetzt, zu Effig wird. Bei gutem Betrieb foll man von 200 Quart Spiritus von 50 Percent Tralles 1750 bis 1800 Quart Effig erhalten, von dem eine Unze 30 Gramm kohlenfaures Natron neutralifirt. Man kann bei diefer Fabrication Rohfpiritus ganz gut ver­wenden, weil die vorhandenen Fufelöle bei der Gährung vollkommen oxydirt und in Säuren und Aetherarten umgewandelt werden, welche den Effig aromatifiren. Drittens Malz-, Getreide- und Bier effige. Die Fabrication aus diefen Subftanzen hat keine Bedeutung mehr mit Ausnahme in England und Nordamerika, wo die hohe Befteuerung des Alkohols die Effigfabrication aus diefem Körper zur Unmöglichkeit macht, und man auf die Verarbeitung von Getreiden mit Malz oder von fauer gewordenem Bier angewiefen ift. Diefe Effige haben einen unangenehmen faden Gefchmack und werden oft, wenn zu Speifen verwendet, künftlich aromatifirt. Ausserdem wird feit einigen Jahren in England, mehr aber in Frankreich, aus Zuckerrüben Effig in grofser Menge erzeugt, der als billiger zu induftriellen Zwecken verwendet wird, dabei aber von ganz angenehmem Gefchmack ift.

Die Ausstellung der gegohrenen Flüffigkeiten.

Was an den angeführten Spirituofen und Effigen von Ausftellern der einzelnen Länder gefandt wurde, fo waren fie in folgender Anzahl vertreten: