Gegohrene Flüffigkeiten.
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( Opuntia ficus indica), die Zuckerhirfe( Sorghum faccharatum), deren reichen Zuckerfaft man durch Preffen und mittelft Maceration gewinnt, ferner Mais und Gerfte. In neuefter Zeit hat Mr. Rivière von Crescia eine Art Mispel( Eryobotria japonica) zur Erzeugung von Kirfchwafferfurrogat mit Vortheil verarbeitet. Diefe Frucht fchliefst in ihrem faftigen Fleifche grofse Kerne ein, welche den bitteren, blaufäurehaltigen Gefchmack und Geruch der Kirfchen haben. Man überläfst die zerquetfchten Mispeln in grofsen Bottichen während 5 bis 6 Monate der Gährung und erhält als Deftillat von 100 Kilos Frucht 21 bis 22 Liter Mispelbranntwein von 22 bis 24 Grad Beaumé.
Die in Algerien erzeugten Weinbranntweine, Sprits und Liqueure ſtehen den franzöfifchen im Allgemeinen weit nach; dennoch können wir lobend hervorheben die Firmen L. Bouillonel von Bône im Departement Conftantine für feine Bitterfchnäpfe und feineren Liqueure, L. Fournier& Comp., welche die bedeutendften Spiritus-( 3/6)-Fabrikanten in Algerien find, fowie W. G. Picou von Philippeville der gröfste Liqueurift des Landes ift. Er erzeugt jetzt jährlich bei 1,700.000 Bouteillen Bitterbranntwein( Amer africain) à I Francs 40 Centimes. und 3,000.000 Bouteillen diverfe Liqueure von 2 Francs aufwärts bis 5 Francs. Weineffige erzeugt man in Algerien nach dem Verfahren von Orleans in vorzüglicher Qualität aus weifsen und rothen Weinen, deren Preis je nach der Stärke von 25 bis 50 Centimes per Liter variirt. Bedeutend ift die Firma Courvoifier in Algier.
Die Colonien von Martinique, Guadeloupe, Guyana, Réunion, Oceanien und Franzöfifch- Indien erzeugen nur Rum und Tafia aus Rohrzucker- Saft und Syrup von mehr oder minder guter Qualität, und glauben wir den Rumforten von Martinique und Réunion vor den anderer Colonien den Vorzug geben zu können. Die anderen Deftillate aus Sorgho- Reis und Früchten find Spirituofen, denen man fich möglichft ferne halten foll.
Monaco hat in Allem, was feinen Gefchmack anbelangt, fich ausgezeichnet, und folgerichtig auch mit feinen neuen Liqueurs„ Gallia", aus aromatifchen Stoffen zufammengefetzt, von welchen man etwas mit Waffer vermifcht als Erfrifchung oder rein nach dem Kaffee nimmt.
Schweiz. Die Schweiz erzeugt nicht hinreichend Branntwein oder Spiritus für den eigenen Bedarf und bezieht von Deutſchland, Oefterreich und Frankreich jährlich circa 70- bis 80.000 Hektoliter Sprit; dagegen exportirt fie nicht unbedeutend von ihren nationalen Schnäpfen und Liqueuren, wie Kirfch, Abfynth, Magenbitter aller Art. Ihre Superiorität in diefen drei bezeichneten Sorten ift allgemein anerkannt und follen davon jährlich 40- bis 50.000 Zollcentner hauptfächlich nach Amerika exportirt werden.
Von den 22 Ausftellern wurden von der Jury ausgezeichnet die Firmen: Henny& Comp. von Fleurier in( Neuenburg) für ihre Extraits d'Abfynthe mit der Verdienftmedaille, Affolter aus Chur für feine Doppelbitter, die Kirfchwaffer Gefellfchaft aus Zug, Zimmermann aus Zürich für Liqueure und R. Züan aus Chur für Kirfchwaffer und Bitter mit Anerkennungsdiplomen.
Italien hatte unter den 153 Ausftellern von Spirituofen der Section C nur acht, welche Branntweine, Rum und rectificirten Spiritus fandten, die zum gröfsten Theil aus Treftern, dann aus Mais, Sorgho und auch aus Cactus opuntia und Morus papyrifera erzeugt wurden. Wir geftehen, dafs wir in diefem Artikel etwas Befferes erwarteten und die Urfache nur in dem neuen Befteuerungsmodus vom Jahre 1870 zu finden fein dürfte, wodurch ein Import, daher eine Concurrenz zur Unmöglichkeit wird. Wir müffen daher das von der Jury abgegebene Urtheil, wonach den Firmen Pozzoli aus Como und Anfelmi& Maraffi aus Neapel Verdienftmedaillen zuerkannt wurden, als ein höchft liberales bezeichnen.