Dokument 
Die Motoren : (Gruppe XIII, Section 1) ; Bericht / von J. F. Radinger, Prof. der k.k. techn. Hochschule in Wien
Entstehung
Seite
72
Einzelbild herunterladen

72

J. F. Radinger.

Excenter gefteuert, deren Ringe mit ausgebogenen Armen an die Schieberstangen griffen. Die Schieberrücken waren mit je einer verfenkten 7 Millimeter dicken Kautfchuk- und aufserhalb derfelben einer 3 Millimeter dicken Kupferplatte armirt, welche auf der inneren Seite der Schieberkaften- Deckel dicht und entlaftet laufen follten.

Die Mafchine arbeitete mit Condenſation, deren zwei fymmetriſche von der untern Traverfe angetriebene und in den Ausgufskaften der Pumpe eingehangene unten offene Luftpumpen je 200 Millimeter Weite und alfo/ des Cylinder­volumens als wirkfames Volumen befassen.

Im Allgemeinen war die Anordnung geiftreich und richtig erdacht; durch die Detailconftruction wurde ihr aber zu geringe Stabilität gegen die Horizontal­drücke der oben fchwingenden Schubftange gegeben. Die Kraftcomponenten fielen wohl wegen der bedeutenden Länge( 12'6 des Kurbelarmes) klein aus, aber die Maffendrücke, welche das Abfchwingen der doppelt vorhandenen und ihrer Länge halber fchweren Stangen verlangten und bewirkten und am langen Hebelarme auftraten, brachten den Mafchinen bei halbwegs gröfserer Gefchwindig. keit einen ftark pendelnden Gang. Dazu bekamen fie noch Dampf aus einem Fair­bairn- Keffel, der der zu engen Stutzen wegen übermäfsig nafs war und die Arbeit gleichfalls beengte.

Durfte fo die Mafchine nicht forcirt werden, fo konnte fie auch ungekuppelt und mit leichten Schwungrädern ausgeftattet, wie fie war, nicht wefentlich lang­famer gehen, als ihrer Normalgefchwindigkeit( circa 1o Meter Kolbenweg per Secunde) entſprach, und das Angehenlaffen war, wenn fie auch die auf- und niedergehenden Maffen gänzlich oder doch gröfstentheils balancirten, der ausge­fprochenen todten Punkte halber nicht leicht.

Die Mafchine arbeitete felbftverftändlich ohne veränderliche Expanfion und ohne Regulator. Eine Zeichnung derfelben findet fich im Berichte über die Pumpen.

Gefellfchaft John Cockerill in Seraing.

Eine grofse Gebläfe- Mafchine, deren Anordnung wohl bekannt ift, nachdem bis zur Zeit der Ausftellung bereits 103 diefes Syftemes von Seraing ausgingen, während 25 weitere im Baue waren, gehört nur infoferne in diefen Bericht, als die Erwähnung des Dampfbetriebes am Platze ift.

Der Antrieb des hoch auf vier geneigten Säulen ftehenden Gebläfe- Cylinders von 30 Meter Durchmeffer und 2.44 Meter Hub erfolgte von einem Woolf'fchen Cylinderpaar von o 73 und 106 Meter Durchmeffer, welche auf der Grund­platte des Säulenplanes ftanden und nach aufwärts auf eine gemeinfame Traverfe wirkten. Von der Mitte diefer Traverfe ging die Kolbenstange zum oben ftehenden Gebläfe- Cylinder, in welchen fie durch eine untere Stopfbüchfe trat, und von den beiden Enden der Traverfe reichten die Schubftangen zu zwei Schwungrädern von 8 Meter Durchmeffer, deren Axen unter den Dampfcylindern hindurchgingen. Die Mafchine arbeitete mit Condenfation und deren unter der Mafchinenflur ftehende Luftpumpe von circa o 6 Meter Durchmeffer und dem halben Hub der Hauptkolben war durch einen Balancier betrieben, welcher gleichfalls an der Traverfe hing

Normal macht die Mafchine 18. Umdrehungen( 10 Meter Kolben­gefchwindigkeit) und liefert bei 4 Atmoſphären Keffeldruck damit per Minute 250 Cubik- Meter Wind zu einer Spannung von 20 Centimeter Queckfilberfäule