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Die Motoren : (Gruppe XIII, Section 1) ; Bericht / von J. F. Radinger, Prof. der k.k. techn. Hochschule in Wien
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Dingler in Zweibrücken.

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Die Detailconftruction der Dingler'fchen Mafchine bot noch manches Bemerkenswerthe.

Die Kolben waren nicht mit Dichtungsringen verfehen, fondern einfach und ohne Federn und Nachfpann Vorrichtungen in ihre Cylinder dicht anfchliefsend

eingepasst. Diefes fetzt einen völlig cylindrifchen und glatt ausgearbeiteten Dampfcylinder voraus, aber auch eine Kolbenftange, welche fich nicht im Mindeſten unter Gewicht und Druck deformirt, und einen Dampf, der keine Schleifmaterialien in den Cylinder bringt. Diefe Kolben find nun fehr lang, zwifchen Nabe und Umfang hohl ausgedreht, und die Fabrik fchliefst folgendermassen:

Würde ein maffiver Kolben fo dicht in den Cylinder eingepasst, dafs er dampfdicht hält, fo könnte es vorkommen, dafs er fich beim Anlaffen der Mafchinen rafcher erwärmt und mehr ausdehnt, als der Cylinder fellift. In diefem Falle würde beim Gange der Mafchine der Kolben fich unfehlbar mit dem Cylinder verfreffen und Riefen in demfelben erzeugen. Zur Verhütung diefer, gerade für den Haupt­theil der Mafchine, den Cylinder, fehr fchädlichen Einwirkung, wurde die leichte und nachgiebige Kolbenform gewählt. Die kappenförmigen Anfchlufsringe diefes Kolbens können fich dicht und zart an den Cylinder anfchliefsen, und werden auch fchwachen Deformationen des Cylinders ohne merklichen Nachtheil folgen können. Zudem hat auch der wirkfame Dampfdruck das Beftreben, immer eine der Kolbenkappen auszudehnen und an den Cylinderumfang anzupaffen. Solche Kolben find nebftbei auch fo wohlfeil und fo leicht auszuwechfeln, dafs man immer einige von etwas gröfserem Durchmeffer in Vorrath halten und nach Bedarf ein­paffen und einfetzen kann.

Der leitende Gedanke bei der Wahl der Conftruction des Kolbens war aber: unter Berücksichtigung des mit der Zeit doch unvermeidlichen Dampfver. luftes diefen letzteren als Mittel zu benützen. dem Cylinder fehr grofse Dauer zu verleihen.

Ganz derfelbe Gedanke war auch mafsgebend bei der Conftruction der Steuerung:

Sind Hohlkegel und innere Steuerkegel vollendet genau ausgearbeitet und zulammengepafst, fo wird fich der Dampf vom engen zum weiten Ende( der Ein­ftröm- zur Ausftrömfeite) hindurchzudrängen fuchen. In jeder anderen Richtung ift der Steuerkegel vollständig entlaftet, fo dafs er in dem an feinem Umfange fich durchdrängenden Dampfe förmlich fchwimmen mufs, und weder äufsere noch innere Steuerkegel eine merkliche Abnützung erfahren können.

So fchliefsen zwar weder Kolben noch Steuerung ganz dicht ab, aber den Grad von Dichtheit, den fie im Anfange haben, behalten fie dauernd, und gerade diefer Beharrungszuftand einer Mafchine, nicht der anfängliche Paradezustand, mufs bei der Beurtheilung mafsgebend fein.

In einem Eingefendet( vom 20. Jänner 1874) des Directors Ehrhardt an den deutfchen Engineering fagt aber derfelbe:

Ich habein neuerer Zeit gefunden, dafs es in der Praxis beffer ift, den Kolben mit auswechfelbaren Dichtungsringen zu verfehen, conftruire aber die Kolben nicht auf deren federnde Wirkung, fondern betrachte fie nur als nachgiebige, den Dehnungen durch die Wärme folgende Stücke, welche früher oder später ausgewechfelt werden müffen."

Die Verbindung zwifchen Cylinder und den beiden fymmetrifchen Lagern, innerhalb welcher die doppelt gekröpfte Kurbelachfe ging, gefchah durch einen zwifchengelegten, gabelförmigen Block. Auf der dem Doppelcylinder zugekehrten Seite ftand er mit diefem durch einen Kreisflanfch centrifch verfchraubt, nahm innen die Doppelbohrung für die zwei runden Führungen auf und endete kurz