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Die Motoren : (Gruppe XIII, Section 1) ; Bericht / von J. F. Radinger, Prof. der k.k. techn. Hochschule in Wien
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Mafchinenbau- Verein zu Chemnitz.

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Mafchinenbau Verein zu Chemnitz.

Die vom Mafchinenbau- Verein zu Chemnitz( vormals C. F. Schellenberg) ausgeftellte Dampfmafchine war eine einfache Fördermafchine mit Stephenfon­Couliffenfteuerung und foll nach der Abficht ihrer Erzeuger hauptfächlich wegen ihrer Einfachheit geeignet fein, weite Concurrenz trotz Fracht und Zoll zu befte­hen. Auf Neuheit will diefe Mafchine durchaus keinen Anfpruch machen, fondern nur durch die Einfachheit und Stabilität der einzelnen Theile bemerkbar fein. Der Cylinder hatte 382 Millimeter Durchmeffer und der Kolben o'732 Meter Hub. Mit den normalen 44 Touren arbeitend, gibt diefs die mässige Gefchwindig­keit von 1:07 Meter per Secunde, der die Rohrweiten von 1/30 und 1/16( Einftröm­rohr 70, Abgangsrohr 95 Millimeter lichter Durchmeffer, Einftrömconftante 1/32) richtig gegenüberſtehen.

Der Cylinder lag mit aufgefchraubtem Schieberkaften auf einem I- förmigen Grundrahmen, welcher in der Mitte die unteren und oberen Führungslineale und am Ende das Kurbellager aufgefchraubt trug.

Der Kolben war mit Gufsringen, hinterlegten Stahlfedern, Rothgufsmuttern und mit Stahlfchrauben verfehen.

Die Kolbenstange ging rückwärts in einer Stopfbüchfe( mit überdecken­dem Rohrflanfch) geftützt und ergriff vorn mit einem gewöhnlichen Gabel­Kreuzkopf die Traverſe, deren Mittelftück den offenen Schubftangenkopf auf­nahm, während fie an ihren Enden die Gleitbacken trug. Die Geradführungslineale waren aus Gufseifen, die unteren für fich aufgefchraubt und die oberen nach ein­gefchobenen kurzen Säulen an erftere niedergehalten.

Die fchmiedeiferne Schubftange war flach( eine der wenigen diefer Art in der Ausftellung), was an einer langfam gehenden und billigft fein follenden Mafchine etwas befremdlich erfcheint. Vorn endete fie mit einem gefchloffenen Kopf und trieb die gufseiferne, mit blanken Randleiften verfehene Kurbel.

Das viertheilige Lager ftand mit je einer Fufs- und zwei Deckelfchrauben auf dem Rahmen befeftigt; dann kamen die beiden Excenter, deren zu den Flan­fchen hart abgebogene Gufsringe wieder flach und blank gearbeitet waren, und die flachen, mit Flanfchen angefchraubten Excenterftangen zur Couliffe

fandten.

Es mufs nun bemerkt werden, dafs der Schubftangenkopf näher an die Kurbel und diefe näher ans Lager hätte gerückt werden können. Ebenfo waren die Excenter von diefem unnöthig entfernt und daher Schleifbogen und Schieber­fpiegel weiter von der Cylinderachfe weg, als eine Conftruction mit gleichlangen Lagerflächen, aber kürzeren Hebelarmen verlangt. Mit dem wären aber auch die Dampfwege minder lang geworden, und beides wäre bei einer eincylindrigen Fördermafchine, welche mit hoher Füllung arbeiten mufs, bezüglich der Stabilität und des Dampfverbrauches nicht ohne Bedeutung.

Das Schwungrad war zweitheilig und in den Armen getrennt, deren kreuz­förmige Form jederfeits vier auf die Länge vertheilte Schrauben, alfo acht Schrau­ben per Arm und 16 im Ganzen aufzunehmen hatte. Der Ring war auf beiden Seiten und der Stirnfläche gedreht und in den Fugen durch je einen Einlagkeil

verbunden.

Diefes Schwungrad von 3.25 Meter Durchmeffer und 2000 Kilogramm Gewicht war in rationeller Weife gleich als Bremsrad benützt und mit einer Fufs­bremfe verfehen.

Ausserhalb des Hinterlagers trug der Kopf der fchmiedeifernen Schwung­radwelle ein eifenverzahntes Vorgelege, welches je nach der Teufe des Schachtes und der Fördergefchwindigkeit beftimmt wird. Für die Förderwelle würde dann eine gemeinfchaftliche Lagerplatte mit dem hinteren Schwunggrad- Wellenlager angeordnet werden, um den Erhalt der Mittel zu fichern.