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Die Motoren : (Gruppe XIII, Section 1) ; Bericht / von J. F. Radinger, Prof. der k.k. techn. Hochschule in Wien
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J. F. Radinger.

Die Turbinen diefer Conftruction werden ftets von unten beauffchlagt. wozu das Waffer durch ein Druckrohr in die hohle Grundplatte eintritt und in derfelben aufwärts fteigend zwifchen die Leitfchaufeln kommt, welche an den oberen Kreisausfchnitt der Grundplatte angenietet find.

Vom Unterboden der Grundplatte und in deren Innern bereits auf­ragend, fteht die fefte Spurfäule für die Turbinenwelle, welche genau in der mittleren Horizontalebene der Radzellen den feften Spurzapfen trägt. Auf diefen ftützt fich die Welle mit eingelaffener und nach abwärts gerichteter Pfanne und einer oben aufliegenden Spurplatte. Diefe Welle trägt das Lauf. rad in unveränderlicher Höhe.

Zur Regulirung der Zellenquerfchnitte jedoch find zwei horizontale und in Platten ausgehende Scheiben angebracht, welche genau in die Zellen paffen und in diefen vertical verfchoben werden können. Die innere Scheibe ift mit einer langen hohlen Nabe auf der feftftehenden Spurfäule verfchiebbar und in ihrem eigentlichen Verlaufe derart gekrümmt, dafs das von unten kommende Waffer ohne Stofs nach aufsen geleitet wird. Ihr Umfang geht in jene Platten aus, welche die Leitzellen gegen oben begrenzen und deren Höhe der Waffer­menge entſprechend verändern können.

Die äufsere Scheibe ragt in die Zellen des Laufrades, und befteht eigent­lich aus einzelnen Platten, welche den Abftand zwifchen den Treibfchaufeln füllen. Diefe Platten find ftets in gleicher Höhe mit der innern Scheibe im Leitrade gehalten und fo werden die Zellenquerfchnitte durch die Lage ihrer Oberdecken begrenzt

Die Stellplatten im Laufrade find aufsen an ein das Rad umgeben les Rohr gefchraubt, welches von einer gewölbten Kreisplatte niederhängt und Krone genannt wird. Innerhalb der Treibfchaufeln ift jede Abſchluſsplatte nochmals und zwar von einem langen Stehbolzen getragen, welcher gleichfalls an der Krone hängt.

Die Krone dreht fich nun mit dem Treibrade, ift aber auf deren Welle mit einer langen rohrförmigen Nabe geführt, indem lie gleichzeitig mit der Deckplatte der Leitzellen auf oder abbewegt werden mufs, wenn die Waffermenge fteigt oder finkt.

Diefe Verfchiebung gefchieht durch einen in die Spurfäule gelagerten Hebel, der fowohl die Nabe der Innenfcheibe als auch( mittelft eines Kammlagers) die Rohrnabe der Krone mit Lenkftangen angreift. Der Hebel felbft hängt an einer langen Zahnftange, die von einem Getriebe im Maſchinenhaufe geftellt wird. Durch das gleichzeitige Heben oder Senken von Innenfcheibe und Krone wird nun bei jeder einzelnen Stellung gleichfam eine neue Turbine gefchaffen, welche in den jedesmaligen Querfchnittsverhältniffen der Leit- und Laufradzellen, fowie in der Führung des Waffers vollkommen richtig ift, demgemäfs auch einen nahezu conftanten Nutzeffect geben mufs, der unbhängig von der zur Beauf­fchlagung kommenden Wassermenge bleibt.

Die Radglocke überdeckt übrigens äufserlich gleichzeitig den ganzen nicht beauffchlagten Theil der Laufrad- Zellenhöhe, da ohne folche Abdeckung die Turbine in dem obern nicht beauffchlagten Kranz als Centrifugalpumpe, refpective Ventilator arbeiten und Kraft confumiren würde.

Der Einlauf von unten bietet gleichfalls manchen erwähnenswerthen Vor heil. Nicht nur dafs die Unannehmlichkeit des Oberwaffers im Gebäude befeitigt, und bei niedrigen Gefällen das fchädliche Einfchlucken von Luft ins Rad vermieden wird, ift es hier leicht, den Druck des Oberwaffers zu benützen, um das ganze Gewicht von Rad und Axe vollſtändig zu balanciren und den Turbinen zapfen gänzlich zu entlaften. während fich bei den meifter anderen Turbinen( Jonval etc.) der Wafferdruck zum Eigengewichte der Conftruction addirt und den Zapfen­druck erhöht. Uebrigens fichert die hier verwendete Lage des Zapfens genau in der Schaufelhöhe das Rad am befteu vor Schwankungen und Abweichungen in