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Dampfkessel : (Gruppe XIII, Section 1) ; Bericht / von J. F. Radinger
Entstehung
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Der Keffel von John Cockerill.

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Als Detail mufs aber erwähnt werden, dafs die zwei Verbindungsftutzen vom Ober- zum Unterkeffel ganz ungewöhnlich weit erfchienen und den halben Keffel- Durchmeffer im Lichten befafsen, was in Anbetracht der bedeutenden Heizfläche, welche ihren Dampf und die begleitenden Wafferftröme durch fie nach oben fendet, ganz am Platze erfchien.

Die übrige Ausrüftung mit Dom, magnetifchen Schwimmern und Alarm­pfeife, Sicherheitsventilen an einem einzigen Paarftutzen etc. war fo, wie man es an franzöfifchen Keffeln zu fehen gewohnt ift.

Albaret& Comp. in Liancourt

ftellten die Zeichnung eines obengeheizten Doppelkeffels aus, deffen Unterrohr hinten wie gewöhnlich mit einem weiten Stutzen nach aufwärts verbunden war. Vorne jedoch hinter der Feuerbrücke verband die beiden Keffel noch ein zweiter, aber enger Stutzen, durch deffen Mitte das Speiferohr in den Unterkeffel trat. Dort war es in der Richtung gegen den grofsen Stutzen zu gekrümmt und die Austrittsgefchwindigkeit feines Waffers foll nun den Kreislauf einleiten und eine Gegenftrömung fördern, deren Mangel fonft Doppelkeffeln öfter vorgeworfen wird.

Die belgifchen Keffel.

Belgien war nur durch zwei Firmen auf diefem Gebiete vertreten: Pietry Chaudoir in Lüttich,

Gefellſchaft John Cockerill in Seraing.

Der Ausftellungskeffel der erfteren Firma entzieht fich aber faft gänzlich einer Befprechung, indem er nichts weiter als die Haut eines grofsen Field­Keffels ohne Röhren und ohne Armatur war, der mehr als Niethungs- denn als Keffelmufter nebft einigen aufgebogenen Böden in der Mafchinenhalle lag. Bemerkenswerth erfchien dabei nur die Detaillöfung des Zufammenftofses der Langnäthe des Aufsenkeffels mit der Decke oben. Dort war nämlich das Blech des Cylindermantels auf drei oder vier Niethfernen gefchweifst und ausgebohrt, fo dafs die geprefste Deckplatte mit ihrem Rande beffer fchlofs, als es mit dem normalen ausgefchmiedeten Blechkeile möglich ift. Aehnlich war der Zufammen. ftofs unten und an den Innenflächen bewirkt. Ich kenne Flammenrohr- Keffel diefer Firma, welche fchon vor Jahren angefertigt wurden, deren grofse Stirnplatten aus zwei Tafeln beftanden, welche gleichfalls durch fonft normale Niethung, aber gefchweifste Enden hergeftellt waren und ftets ohne jede bemerkbare Veränderung arbeiten. Dadurch fcheint diefe Löfung erprobt und der Bemerkung werth.

Ueberdiefs brachte diefe Firma auch noch einen Locomobilkeffel zur Anficht, von welchem fpäter die Sprache fein wird.

Der Keffel von John Cockerill.

Der Keffel, welchen diefe berühmte Mafchinenbau- Gefellfchaft zur Aus­ftellung brachte, hatte hauptfächlich den Dampf für deren leergehende Gebläfe­mafchine zu liefern, und das Vorübergehende diefes Zweckes erklärt das verwen­dete Syftem.

Es war ein freiliegender Röhrenkeffel mit innerer Feuerung.

Die Verbrennung gefchah auf einem 19 Meter langen Rofte in einem cylin drifchen Feuerrohre von 2.7 Meter Länge und 1 Meter Durchmeffer. Diefer endete mit einer Rohrwand, von welcher 62 Feuerrohre, 25. Meter lang, 90 Millimeter ftark, in eine Blech- Rauchkammer zogen, auf welcher unmittelbar der 10 Meter hohe eiferne Schlot von o 65 Meter Durchmeffer ftand.