Spritzen und Pumpen.
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war eine grofse Gebläfemafchine zur Bedienung eines Hochofens und von der Fabrik fchon in der enormen Zahl von 103 Exemplaren ausgeführt. Es iſt eine Kolbenpumpe, und foll vor Allem die Aufftellungsweife derfelben hier Beachtung finden.
Man hat nämlich den Dampfcylinder unten hingeftellt und den Gebläfe cylinder auf einem Gerüfte von vier gufseifernen runden Säulen hoch angebracht. Die Dampfmafchine ift zweicylindrig nach Woolf'fchem Syfteme conftruirt. Von dem Querhaupte, welches die beiden Kolbenstangen und die Stange des Gebläfekolbens aufnimmt, gehen die Triebftangen aus und zu den koloffalen Schwungrädern hinab, in deren Naben die Kurbelzapfen eingefetzt find. Die beiden Kolbenstangen find fo an das Querhaupt befeftigt, dafs die Kolbenftange des Gebläfekolbens gerade in der Refultirenden der Kräfte angreift. Zwifchen den Zapfen der Triebftangen und den Kolbenstangen find die Führungsbacken angebracht, welche auf den Führungen, die an die Säulen angefchraubt find, gleiten. Für die Luftpumpen des Condenfators find zwei Balanciers wirkfam, die durch kurze Lenkftangen am Querhaupte befeftigt find. Die Lager für die gemeinfame Balancierachfe find in zwei Confolen gebohrt, welche an die Säulen angegoffen find.
Man wird fich aus diefen wenigen Angaben ein Bild der Aufftellung machen können.
Die beiden Dampfcylinder haben jeder für die beiden Cylinderfeiten getrennte Steuerungen, weil fonft die Dampfwege zu lang würden. Die Bewegung der Schieber erfolgte durch eine Welle, auf welcher mehrere unrunde Scheiben( Kämme) fafsen, fo dafs jeder Schieber fchneller aufgezogen wird, als durch Excenter, deren Anwendung nicht erlaubt war, weil die Schwungradwelle unter den beiden Cylindern in einem gufseifernen Kaften lag, auf welchem die Dampfcylinder ftanden. Auf der Schwungradwelle fafs ein Zahnrad, in welches mehrere gleich grofse Räder eingriffen, bis endlich die Welle des vierten Rades als Steuerwelle benutzt wurde. Der Gebläfecylinder war mit Lederklappen verfehen, welche in zwei Ringen oben und unten angeordnet waren. Die Druckventile waren von cylindrifchen Gehäufen umfchloffen, die mit einander durch ein Rohr verrbunden waren. Die Pumpe arbeitete ziemlich oft und ihr Gang ift bei den gerir.gen Gefchwindigkeiten aufserordentlich ruhig. Der Condenfator an der Mafchine lag unter den Cylindern und bildete einen Theil des vorerwähnten Kaftens, in dem auch die Lager der Schwungradwelle aufgeftellt waren. Eine Säule, wie fie zu der Mafchine verwendet wurde, war als rohes, ungeputztes Gufsftück ausgeftellt, und konnte man die aufserordentliche Reinheit des etwas phosphorhaltigen Guffes bewundern. Die zahlreichen Cannelirungen, die an den Capitälern und an den Ringen angebracht waren, die feinften Hohlkehlen und Platten waren ganz rein, obgleich man fie nach der Montirung in diefer Höhe nicht gut fehen wird. Der Berichterstatter befchränkt fich auf diefs Wenige, da die Mafchine von anderer Seite Beurtheilung erfahren wird.
Eine liegende Gebläfemafchine für den Beffemerproceſs war von der Simmeringer Mafchinen- und Waggonfabriks- Gefellfchaft, vormals H. D. Schmid in Simmering, ausgeftellt und hatte die vom Civilingenieur Leyfer erfundenen und patentirten Ventilklappen. Diefelben waren conftruirt, um den grofsen Windverluften mit der gewöhnlichen Klappenanordnung abzuhelfen.
Wie aus der nebenftehenden Zeichnung erfichtlich ift, haben die Klappen eine folche Anordnung, dafs fie fehr leicht zugänglich find und das Auswechfeln derfelben ohne irgend eine Demontirung des Deckels oder Cylinders gefchehen kann. Die Saugklappen haben eine gewiffe Neigung, fo dafs deren felbftthätiges Oeffnen und Schliefsen ohne Zuhilfenahme von Federn, Gegengewichten oder ähnlichen Armaturftücken erfolgt, Um die Durchgangsöffnungen zu vergrössern oder refpective die Anzahl der Klappen zu vermehren, find ftets mehrere in einem Gehäufe angeordnet, welches an die Cylinderdeckel befeftigt ift.