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Apparate der chemischen Grossindustrie : Abdampf- und Destillir-Apparate für Laboratorien und pharmaceutische Zwecke, Eismaschinen und Apparate der Leuchtgasfabrication ; (Gruppe III) ; Bericht / von Johann Stingl, Präparator an der k.k. techn. Hochschule in Wien
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Eismafchinen.

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Nach den Angaben Davy's und Carré's abforbirt I Kilo erfchöpfter und gekühlter Keffelflüffigkeit, wie felbe in dem Abforptionsgfäfse ankommt, 50 Gramme Ammoniak und wird hiedurch wieder zu einer ftarken tauglichen Am­moniaklöfung, die zum Keffel zurückgelangt. Da nun in unferem Falle ftündlich 200 Kilo Ammoniakdampf im Eiserzeuger( Gefrierer) entſtehen, welche durch Abforp­tion weggefchafft werden müffen, fo benöthigt man hiezu 200000/ 50= 4000 Kilogramm erfchöpfter Keffelflüffigkeit, die von 130 Grad Celfius( Keffeltemperatur) zuvor auf 20 bis 25 Grad Celfius abgekühlt werden mufs.

Hiedurch entſtehen mithin 4200 Kilogramm Ammoniaklöfung. Soll nun diefes Gewicht Flüffigkeit in den Keffel, der 10 Atmoſphären oder 100 Kilogramm­Meter Spannung befitzt, geprefst werden, fo ift hiezu ein Kraftaufwand von 420.000 Kilogramm- Meter oder etwa zwei Pferdekräfte nöthig, die" günftigften Vorausfetzungen angenommen.

Aus diefer Darftellung erfieht man, dafs die Leiftungsfähigkeit einer der. artigen Mafchine von der Menge der im Eiserzeuger verdampfenden Ammoniak­flüffigkeit abhängt. Diefe aber ift bedingt durch die rafchere oder langfamere Abforption des verdampften Ammoniak in dem Abforptionsgefäfse. Alles, was daher diefe Abforption erhöht, begünftigt die Leiftungsfähigkeit der Maſchine. Am geeignetften für die Abforption wären die beiden Subftanzen Waffer und Ammoniakgas, wenn erfteres ammoniak- und letzteres wafferfrei wäre. Das ift aber bei der gewöhnlichen Carré'fchen Eismafchine nicht der Fall; denn nach den Angaben Reece's foll die in den Gefrierer gelangende Flüffigkeit aus 25 Percent Waffer und 75 Percent Ammoniak beftehen.

Um nun diefen einen Uebelftand zu beheben, conftruirten Reece* und Mont& Nicolle** Ammoniak Eismafchinen und liefsen fich diefelben patentiren.

Die Mafchine Reece's will den erwähnten Zweck in der Art erreichen, dafs man in den Keffel eine verdünnte Ammoniaklöfung bringt und diefelbe unter einem Drucke von 10 Atmoſphären verdampft, während man eine kalte concen­trirte Ammoniaklöfung über viele in einem hohen fchmalen Cylinder fenkrecht über einander ftehende Schalen den gefpannten Dämpfen entgegenfliefsen läfst. Hiedurch wird das Ammoniakgas frei, während der Wafferdampf zum gröfsten Theile condenfirt wird. Diefer Apparat wird daher Analyfator genannt. Die noch mit Wafferdampf gemengten Ammoniakdämpfe gelangen hieraus in ein fenkrecht ftehendes Röhrenfyftem, das gekühlt wird; hiedurch wird der Reft des Wafferdampfes condenfirt und fliefst in den Keffel zurück. Diefer Theil des Apparates heifst Rectificator. Das Ammoniakgas wird hierauf condenfirt, verdampft, wieder abforbirt und gelangt abermals in Form einer concentrirten Löfung in den Analyfator.

Nach Reece kann man mit einer Tonne Steinkohle 5 bis 8 Tonnen Ammoniak überdeftilliren und flüffig machen. Mittelft einer Tonne wafferfreien flüffigen Ammoniaks kann man vier Tonnen Eis aus Waffer von 26% Grad Celfius bereiten.

Mont& Nicolle erzeugen mittelft einer Pumpe im Eiserzeuger eine Luftverdünnung, in Folge deffen aus einer auf einem cascadenartigen Schalen­fyfteme vertheilten concentrirten kalten Ammoniaklöfung das Ammoniak frei wird und hiebei Wärme bindet, welche dem Gefäfse, refpective dem zu gefrierenden Waffer entzogen wird, welches in einem durch die Mitte der Schalen gehenden Cylinder fich befindet. Die früher erwähnte Pumpe faugt nun aus dem Gefrierer gleichzeitig das verdampfte Ammoniak( vom oberen Theile des Gefrierers) und die erfchöpfte Ammoniaklöfung, welche aus dem unteren Theile des Gefriereis in eine Schlangenröhre fliefst, die fich in einem gefchloffenen Gefäfse befindet, in

* Moniteur scientif. 1869, pag. 484. Dingler's polytechnifches Journal CXCV, pag. 40. ** Mechan. Magazine 1870, March, pag. 169. Polytechnifches Centralblatt 1870, pag. 464.