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Apparate der chemischen Grossindustrie : Abdampf- und Destillir-Apparate für Laboratorien und pharmaceutische Zwecke, Eismaschinen und Apparate der Leuchtgasfabrication ; (Gruppe III) ; Bericht / von Johann Stingl, Präparator an der k.k. techn. Hochschule in Wien
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Johann Stingl.

welchem die concentrirte Ammoniakflüffigkeit ift, die hie durch abgekühlt, bevor fie in den oberen Theil des Gefrierers geprefst wird. Ammoniak und erfchöpfte Flüffig. keit kommen alfo beim Herabgehen des Pumpenkolbens ober dem Kolben an; beim Hinaufgehen des Kolbens öffnet fich das Ventil des Kolbens nach abwärts. Die beiden Körper- Ammoniak und Waffer- gelangen hiedurch unter den Kolben, zum Theile fchon verbunden. Beim Niedergange des Kolbens werden Ammoniak und Waffer durch den Druck noch weiter vereinigt, was in einer Schlangenröhre gefchieht, die im Kühlwaffer unter der Pumpe liegt und zuletzt in das früher erwähnte Gefäfs offen ausmündet, fo dafs darin die gefättigte Ammoniaklöfung angefammelt, gekühlt und hierauf in den Gefrierer geprefst wird.

Die Aether- Eismafchine von Siebe und Weft repräfentirte die Gattung jener Mafchinen, bei denen die Abkühlung durch Verdampfen eines gewöhnlich flüffigen- aber bei niederer Temperatur fiedenden Körpers her­vorgebracht wird, fo dafs diefe Art von Mafchinen dadurch wirken, dafs durch Luftverdünnung mittelft Luftpumpe die erwähnte Flüffigkeit zum rafchen Verdampfen kommt, hiedurch Wärme bindet und hierauf durch Druck und Abkühlung wieder flüffige Form annimmt, um von Neuem wieder zu verdunften und fo fort fo lange eine Luftpumpe wirkt.

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Die am häufigften hiezu verwendete Flüffigkeit ift der gewöhnliche A ethyl­äther, der bei 35 Grad Celfius fiedet und deffen latente Wärme beiläufig 90 Calorien beträgt, fo dafs, wenn z. B. 10 Kilogramm Aether verdampfen, 900 Calorien gebunden werden.

Siebe und Weft adoptirten das zuerft von Harrifon angegebene Princip; und fchon auf der Londoner Ausftellung im Jahre 1862 functionirte eine derartige Aether Eismafchine, die im Wefentlichen diefelbe Einrichtung hatte wie die auf der jüngften Ausftellung vorhandene:

Eine durch Waffer kühlbare, doppeltwirkende Luftpumpe mit ftarken Kautfchukventilen, ein ftarkes kupfernes Röhrenfyftem, in welchem der Aether in Folge der Luftverdünnung rafch verdunftet und Wärme entzieht, Aether­keffel genannt, eine Kühlfchlange aus dichtem Schmiedeifen, Conden fator genannt, in welchem der Aetherdampf durch Druck der Pumpe und Abküh lung wieder verflüffigt wird, find die drei Hauptbeftandtheile diefer Art von Eis­mafchinen. Diefer fogenannte Aetherkeffel ift aufsen von fchlechten Wärmeleitern umgeben und wirkt abkühlend auf einen Salz- Wafferftrom, der in einem gefchloffenen Röhrenfyfteme neben dem verdampfenden Aether kreift und der als eigentlicher Uebertrager der Kälte auf die Gefriergefäfse, die in einem in Fächer getheilten Gefrierkaften fich befinden, zu betrachten ift. Die Bewegung diefes in gefchloffenen Röhren kreifenden Salz- Wafferftromes regelt eine kleine Pumpe in der Art, dafs die im Aetherkeffel gekühlte Salzlöfung in den Gefrierer gelangt, hier die aus Zinkblech verfertigten Gefrierzellen eng umkreift und hierauf von der Pumpe wieder in den Aetherkeffel getrieben wird, um dort abermals gekühlt zu werden. Auf dem Wege zum Aetherkeffel paffirt die noch kalte Löfung den Condenfator, um hier abkühlend auf den verdichteten Aether zu wirken.

Aether und Salzwaffer machen daher jedes für fich in gefchloffenen Röhren­fyftemen einen immerwährenden Kreislauf, der durch mechanifche Kraft ermöglicht wird.

Nach den Angaben von Siebe und Weft foll fo gut wie kein Aetherver­luft bei ihren neuen Mafchinen ftattfinden, während Dr. R. Schmidt in einem Berichte über Siebe's Aether Eismaschinen angibt, dafs bei einer Leiftungsfähig. keit der Mafchine von 20 Centner Eis täglich der Verluft an Aether Ein Pfund beträgt. Eine derartige Mafchine mit einer Leiftung von 100 Centner Eis in 24 Stunden benöthigt zu ihrem Betriebe eine Dampfmafchine von 24 effectiven Pferdekräften, alfo jedenfalls eine tüchtige Arbeitsleiftung.

* Dingler's polyt. Journal. CLXVIII. Pag. 434.