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Johann Stingl.
fchnitt Fig. 1 foll die Anwendung diefer Aether- Eismafchine verfinnlichen. A ift die doppeltwirkende Luftpumpe, die durch die Röhren a mit dem Aetherkeffel B in Verbindung fteht. Durch die Röhren 6 wird der Aetherdampf von der Luft. pumpe nach dem Condenſator D gedrückt. Durch die Röhre und den Hahn d gelangt der flüffige Aether aus dem Condenfator D in den Aetherkeffel B, in welchem auch das Salzwaffer- Rohr liegt. Die gekühlte Salzwaffer Löfung kommt durch die Röhre e in den Gefrierer C und von hier, nachdem fie gewirkt, durch D wieder nach B.
Eine Eismafchine nach Kirk, Windhaufen, Mignot oder Giffard& Armengeaud war nicht ausgeftellt, was zu bedauern ift, da aus ihrem Nichterfcheinen auf der Ausftellung durchaus nicht gefchloffen werden darf, als ob diefelben keine Verwendung fänden oder nicht erzeugt würden. In Deutfchland erzeugen die Firmen Franz Windhaufen in Braunfchweig und Pröfsdorf& Koch in Leipzig derartige Luftmafchinen. Die letztere Firma gibt an, dafs man mit 40 Pfund Kohlen und einer Dampfmaschine von vier Pferdekräften 100 Pfund Eis per Stunde zu erzeugen im Stande ift. Bei einer Leiftung von 1000 Pfund ftündlich braucht man 240 Pfund Kohle und eine Dampfmafchine von 40 Pferdekräften.
Profeffor Meidinger* gibt an: dafs bei niederer Productionsfähigkeit eine Luft- Eismafchine koft fpieliger arbeitet als eine Ammoniak- Eismafchine; dafs aber fchon bei einer Leiftung von vier Centner per Stunde die Preife des Eifes nahezu gleichzuftehen kommen.
Dr. R. Schmidt ftellt eine Vergleichung der Herftellungskoften von künftlichem Eife, einerfeits mit der Carré'fchen, andererfeits mit der Windhaufen'fchen Eismafchine erzeugt, auf** und gelangt bei einer Leiftungsfähig. keit der Mafchine von je 400 Pfund Eis in der Stunde zu dem Reſultate, dafs ein Centner Eis unter diefen Umständen, mittelft der Carré'fchen Mafchine hergeſtellt, auf 5% Silbergrofchen zu ftehen käme, während er, durch die Windhaufen'fche Mafchine erzeugt, 75% Silbergrofchen koften würde.
Aus allen diefen, zum Theile widerfprechenden Angaben folgt, dafs auf dem Gebiete der künftlichen Eisfabrication noch viel zu leiften ift und die Arbeiten hierüber intereffant und lohnend find. Ein wichtiger Umftand bei diefer Gattung von Eismaschinen ift der, dafs die comprimirte Luft fo wenig als möglich vor ihrer Wirkung im Kälteerzeuger expandiren foll, was bei der Windhaufen'fchen nicht der Fall ift, indem hier die Luft fchon bei ihrer Abkühlung, die aufserhalb der Compreffionspumpe in einem eigenen Röhrenfyfteme gefchieht, expandirt und fo einen Theil ihrer Wirkung verliert. Mignot und Giffard& Armengaud umgehen diefen Uebelftand dadurch, dafs fie in den Compreffionsraum der Pumpe das Kühlwaffer direct einfpritzen und fo die gekühlte Luft mit voller Compreffion in den Gefrierer bringen. Freilich fchlagen diefe Maſchinen fehr ftark und confumiren eine unverhältnifsmässig grofse Kraft, bei mittleren Leiftungen 16 bis 20 Pferdekräfte. Uebrigens dürfte die Zukunft diefer Art von Kälte- Erzeugungsmafchinen darin liegen, dafs fie zur Abkühlung der Luft verwendet werden, zu welchem Zwecke fie vermöge ihrer Conftruction befonders geeignet sind.
Apparate der Leuchtgasfabrication.
Wohl wenig Induftriezweige, die mit der Chemie in Verbindung ftehen, waren auf der Ausftellung fo ausführlich illuftrirt, als diefs bei der Leuchtgasfabrication der Fall war. Um fo bedauerlicher aber war es, dafs diefs ganz fyftemlos gefchah. In verfchiedenen Räumen und verfchiedenen Gruppen mufste das Zufammengehörige aufgefucht werden, was den Totaleindruck und die Ueberficht beeinträchtigte.
* Wagner's Jahresbericht. 1869. Pag. 508.
* Dingler's polyt. Journal. CLXLIX. Pag. 38.