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Apparate der chemischen Grossindustrie : Abdampf- und Destillir-Apparate für Laboratorien und pharmaceutische Zwecke, Eismaschinen und Apparate der Leuchtgasfabrication ; (Gruppe III) ; Bericht / von Johann Stingl, Präparator an der k.k. techn. Hochschule in Wien
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Apparate der Leuchtgasfabrication.

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Die Steinkohlen- Gasfabrication hat in Folge des grofsartigen Auffchwun­ges, den die Benützung diefes bequemen und billigen Beleuchtungsmateriales genommen hat, fchon einen bedeutenden Grad von Vollkommenheit erreicht, was befonders von der Conftruction und Ausführung der Apparate gilt. Aus diefem Grunde durfte man auf diefem Gebiete nicht grofse Neuerungen erwarten. Gasretorten verfchiedenfter Art waren zahlreich ausgeftellt.

Die englifche Gasgefellfchaft hatte fehr fchön gearbeitete Retorten und feuerfefte Formfteine ausgeftellt, die in dem Erdberger Gaswerk zu Wien verfertigt werden.

Deutſchland war durch die Firmen: J. Geith in Coburg, K. Kulmitz in Saarau( Schlefien). Stettiner Chamotte Fabrik Actiengefellfchaft Didier vormals Kornhardt, ferner durch H. J. Vygen& Comp. in Duis­burg am Rhein vertreten.

J. Geith brachte innen glafirte Retorten zur Anfchauung. Nach einer Angabe von Gatellier, der zuerft glafirte Zinkretorten herftellte, wird eine derartige Glafur auf die Art erhalten, dafs man eine mit Gummi arabicum ver­fetzte concentrirte Kochfalzlöfung auf die Thonmaffe aufftreicht und bei hoher Temperatur auffchmilzt. Es waren von diefer Firma Retorten von 3230 Zollpfund Gewicht ausgeftellt.

Vorzüglich gearbeitete Gasretorten brachten die bekannten belgifchen

Firmen:

Société de produits réfractaires in St. Ghislain und A. de Lattre& Comp. in Seilles.

Hieran reihten fich würdig die franzöfifchen Firmen:

Bousquet L.& Comp. in Lyon und die Parifer Gefellfchaft für Gasbeleuchtung und Gasheizung, welche beide vorzügliche Chamotte­Gasretorten ausftellten. Die Producte der erfteren Firma befitzen einen wohl­begründeten Ruf.

Aufser den Gasretorten hatte die fchon früher erwähnte Firma Didier den fogenannten Kornhardt'fchen Dreierofen vollſtändig ausgeführt, fammt Zeichnungen und Plänen zur Ausftellung gebracht.

Die Actiengeſellſchaft für Gas- und Heizanlagen in Wien ftellte ein äufserft nett und vollſtändig ausgearbeitetes Modell fammt Plänen einer Gas­fabrik aus.

Das Modell repräfentirt eine Anlage für acht Millionen Cubikfufs Leucht­gas per Jahr. Dasfelbe enthielt 3 Oefen, 8 Condenfationsröhren, 2 Wafchgefäfse, 4 Reiniger, Gasuhr, Regulator und einen Gafometer.

Die Patent Gas Company in London brachte eine Gasanftalt zur Anfchauung, welche Leuchtgas nach der Eveleigh'fchen Methode dar­ftellen follte.

Es ift diefes Verfahren die bedeutendfte Neuerung, welche in jüngster Zeit auf dem Gebiete der Leuchtgasfabrication in gröfserem Mafsftabe ausge­führt wurde. Das Princip desfelben befteht bekanntlich darin, dafs die Kohlen bei niederer Temperatur, fchwacher Rothgluth, deftillirt werden. Das hiebei ent­ftehende leichte Kohlenöl wird hierauf durch eine zweite Deftillation vergaft, fo dafs gleichzeitig bei regelmäfsigem Betriebe Kohle und leichte Theeröle( von der vorhergehenden Deftillation) deftillirt und vergaft werden.

Betrachtet man diefen Vorgang genauer, fo läfst fich nicht läugnen, dafs derfelbe den theoretifchen Unterfuchungen mehr Genüge leiftet, als die bisher gebräuchliche Methode der Gaserzeugung bei hoher Temperatur, wobei ja wieder Zerfetzung der gebildeten Kohlenwafferftoffe unter Kohlenabfcheidung ftatt­findet. Auch die Leuchtkraft eines bei niederer Temperatur erzeugten Gafes mufs gröfser fein, als des bei höherer Temperatur gewonnenen.

* Dingler's Journal, Band 168. Pag. 278.